Special - Das Oster-Phänomen : Wiederkehr der Totgeglaubten

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    Zu Ostern wird im christlichen Glauben bekanntlich die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Nur Tage nach der Kreuzigung soll der Messias von den Toten auferstanden sein. Ein ähnliches Phänomen lässt sich auch – ohne den religiösen Vergleich überstrapazieren zu wollen – in der Welt der Videospiele beobachten. Spieleserien, mit deren Rückkehr keiner mehr gerechnet hat, tauchten nach Jahren wieder auf. Andere erlangten ihre alte Stärke zurück.

    Totgesagte leben länger - Videospiel-Auferstehungen
    Passend zu Ostern werfen wir einen Blick auf Videospielreihen, die nach einer langen Pause doch nochmal zurückgekommen sind.

    Nicht jedes Spiel wird mit derart viel Aufmerksamkeit bedacht, dass Entwickler einen jährlichen Release für rentabel halten. Manchmal fehlt es auch schlichtweg an Ideen. Andere Titel wiederum sind einfach in Vergessenheit geraten oder ihre Geschichten warenauserzählt. Ein Jammer für diejenigen, die auf mehr hofften. Aber zumindest in den nachfolgenden Beispielen gibt es ein Happy End, denn sie kehrten von den Toten zurück.

    Von einem regelrechten Wunder kann man im Fall von Kid Icarus sprechen. Bevor Uprising im Jahr 2012 für den Nintendo 3DS veröffentlicht wurde, vergingen geschlagene 20 Jahre. Kid Icarus für das NES und Kid Icarus: Von Mythen und Legenden für den Gameboy gehörten noch zu den Releases der späten 80er beziehungsweise frühen 90er. Mit Super Smash Bros. Brawl deutete Nintendo 2008 die himmlische Wiederkehr bereits an, indem Pit als neuer Kämpfer eingeführt wurde. Vier Sonnenumrundungen später stellte sich heraus, dass Nintendo die Marke komplett neu erfunden hatte. Das träge Jump 'n' Run von einst hatte eine Metamorphose zu einem schnellen Action-Titel mit frechem Humor durchlaufen.

    Nach so langer Zeit waren Pit, Palutena und Medusa allerdings weitgehend in Vergessenheit geraten, sodass die Verkaufszahlen nicht sonderlich berauschend ausfielen. Von Kid Icarus Uprising konnten bis heute weltweit gerade einmal 1,25 Millionen Einheiten verkauft werden. Mitunter schuld daran könnte die anstrengende Steuerung gewesen sein, für die ein extra Plastikteil mitverkauft wurde, um Ermüdungserscheinungen am Handgelenk zu vermeiden. Ähnlich stiefmütterlich behandelte Nintendo auch Luigi's Mansion und Pikmin. Beide Marken wurden beinahe zehn Jahre mit keinem Nachfolger bedacht. Obwohl sich die Pause länger anfühlte, verging selbst zwischen Super Metroid und Metroid Prime weniger Zeit.

    (Metroid Prime)

    Verlustängste

    Dabei dürfen alle, die nicht loslassen können, aufatmen. Im Konsolenlaufwerk wie im Kino erfreuen sich Sequels wachsender Beliebtheit. Wir können einfach nicht genug von einmal funktionierenden Geschichten in ihren ausgearbeiteten Universen bekommen. Das wissen Entwickler und Filmproduzenten genau. Es ist ein ganz natürlicher Drang, wissen zu wollen, wie es mit uns ans Herz gewachsenen Charakteren weitergeht. Außerdem stellt die Wiederbelebung bereits erfolgreicher und bekannter Marken in aller Regel ein sicheres Vorgehen dar. Für sich stehende Spiele scheinen auszusterben.

    Alles andere als totzukriegen ist dagegen die Doom-Reihe. Die kurze Pause zwischen Teil 1 und 2 ausgenommen, vergingen bislang immer zwölf Jahre, bis ein neuer Titel des Höllengemetzels auf uns losgelassen wurde. Dieses Jahr wird Doom von beziehungsweise zu den Toten zurückkehren. Sollte id Software die Tradition wahren, dürfen wir nicht vor 2028 mit dem nächsten Höllentrip rechnen.

    Nicht weniger pessimistisch sieht die Zukunftsprognose für Diablo-Freunde aus. Auch das beliebte Blizzard-Rollenspiel lag zwölf Jahre unter der Erde, bevor sich die ersten Dämonen ihren Weg ans Tageslicht gruben. Bis die im Fluss mit einem Betonklotz versenkte Leiche Mafia wieder an der Oberfläche trieb, war ebenfalls jede Hoffnung auf eine Fortsetzung versiegt. Dabei deuteten Mr. Salieris Grüße aus dem Jenseits und der Cliffhanger zum Ende des Gangster-Games auf genau das hin. Bis Mafia III seine schmutzigen Geschäfte fortführt, müssen wir glücklicherweise nicht mehr ganz so lange warten.

    (Rise of the Tomb Raider)

    Die wandelnden Toten

    Es gibt aber auch Fälle, in denen Serien gar nicht verschwunden waren, sondern nur eine Talfahrt hinlegten, bevor eine zündende Idee sie wieder an die Spitze brachte. Untote sozusagen, die sich erst neu erfinden mussten, um von der Zockergemeinde mit Wohlwollen empfangen zu werden. Tomb Raider beispielsweise nutzte sich trotz einiger Reanimationen immer weiter ab, so dass 2013 die Notbremse gezogen und die Geschichte der Protagonistin vollkommen neu erzählt wurde. Lara Croft gelang es, in den vergangenen drei Jahren wieder zurück an die Spitze zu klettern.

    Buchstäblich untot ging es auch im Resident-Evil-Universum zu. Nachdem Teil 4 noch neue Impulse setzte, nagelten das noch actionreichere Gameplay von Resident Evil 5 und einiger Spinoffs Nägel in den Sarg des einstigen Survival-Horror-Primus. Mit Revelations vereinte Capcom die Stärken von neu und alt und begeisterte die Fans erneut mit subtilem Horror und dynamischerem Gameplay.

    Resident Evil 6 und Umbrella Corps wirken allerdings nicht, als wäre das Studio mit einer konsequenten Rückkehr zum Horror zufrieden. Ob der noch nicht angekündigte siebte Hauptteil der Marke eine gefeierte Wiedergeburt wird oder wir vergeblich auf eine anhaltende Auferstehung von den Toten warten, steht in den Sternen. Wenn die Vergangenheit aber eines gezeigt hat, dann das: Totgeglaubte leben am längsten.