Special - Rockstah goes Gaming #8 – Kolumne : Videospielbranche, wir müssen reden!

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Ihr wisst: Ich liebe Videospiele. Oder anders formuliert: Ich lebe Videospiele. Seit 25 Jahren sind wir ein Herz und eine Seele. Ich schrieb ihnen Lieder, schenkte ihnen Tausende Stunden meiner kostbaren Zeit und opferte sogar meine aufrechte Körperhaltung für sie. Es gibt wohl nichts in meinem Leben, das so konstant präsent ist. Trotzdem muss man sich ab und zu mal zusammen hinsetzen und reden - auch in der schönsten Beziehung. Vor allem nach so einer langen Zeit. Zehn Dinge habe ich mir notiert, über die wir mal reden müssen. Den Start machen wir heute mal ganz locker mit den ersten drei Punkten, und die sind, zugegeben, sehr Nintendo-lastig.

1. Die Sache mit der Gewohnheitsliebe: Nintendo

Gleich vorweg: Meine Liebe zu Nintendo war, ist und bleibt unbestritten. Wer die Geschichte schreibende Blütezeit dieses Unternehmens live am eigenen Leibe miterlebt hat, der weiß, wie heilig dieses Unternehmen ist. Nintendo war das Disney der Videospielindustrie. Der gute Freund, auf den du Jahrzehnte problemlos zählen konntest. Game Boy, NES, Super Nintendo, N64 – alles Konsolen, die es in meiner Welt nur kombiniert mit freudiger Gänsehaut gibt. Das Unternehmen ziert nicht grundlos große Teile meiner Unterarme. Aber Nintendo verlor irgendwann in seiner eigenen Romantik den Anschluss - und somit auch den Charme. Noch eine Parallele zu Disney. Statt der Boss zu bleiben, ließ man sich von den neuen Giganten Sony und Microsoft einschüchtern.

Der kindliche Charme hatte keine Chance gegen die als „erwachsen“ geltenden Konsolen. So entschied man sich nach dem GameCube notgedrungen, den Familienmarkt anzugehen. Mit der Wii wurde alles anders. Fitness-Spiele, Party-Spiele, Mikrofone und ein Controller, der das Erlebnis Videospiel in seiner ganzen Form praktischer machte, aber ihm auch die Intensität nahm. Die Wii U wollte alte und neue Stärken kombinieren, machte dabei aber leider mehr falsch als richtig. Die Kleinkinder und Großeltern versammelten sich, während die Hardcore-Zocker sich größtenteils beschämt abwandten. So spielt Nintendo heute zumindest bei den klassischen Gamern nur noch in der Underdog-Liga. Das mag für das Unternehmen aufgrund des Familienkonzepts einigermaßen gut funktionieren, für meinen Geschmack ist das allerdings zu wenig.

Es ist zu wenig, weil Nintendo das hat, was sonst niemand hat: die nötige Exklusivität. Pokémon, Mario, Zelda, Donkey Kong, Pikmin etc. sind Weltmarken. Aus so was muss sich doch locker die nächste große Maschine bauen lassen, die, kombiniert mit den restlichen Third-Party-Herstellern, in den Ring mit PlayStation und Xbox steigen kann. Aber bis dato hat man diesen Anschluss aufgrund eigener Fehler leider mehrmals verpasst.

Ich hoffe und glaube dennoch, dass Nintendo eines Tages wie ein Phoenix aus der Asche steigen wird und mit der ultimativen Konsole den beiden Großen gewaltig in den Arsch tritt. Das Potenzial ist da. Es muss nur genutzt werden. Bis dahin genieße ich die vielen kleinen Perlen wie Zelda und Mario, die Nintendo fast schon in bescheidener Stille auf den Markt wirft, und bete dafür, dass auch der engstirnigste CoD-Spieler eines Tages begreift, wie schön und anders doch alles sein kann. Zu wünschen wäre es Nintendo.

2. Was wurde eigentlich aus Rare

Spinnt man den Disney-Nintendo-Vergleich ein bisschen weiter, könnte man sagen, dass Rare für Nintendo das war, was Pixar für Disney wurde. Rare war das Größte, was uns zu SNES- und N64-Zeiten passieren konnte. Golden Eye, Blast Corps, Banjo & Kazooie, Donkey Kong, Diddy Kong Racing, Killer Instinct, Perfect Dark und – vielleicht Rares größter Triumph – Conkers Bad Fur Day. Mit Starfox Adventures auf dem GameCube glaubte man, dass dieser Lauf an Klassikern von Rare problemlos fortgesetzt wird. Nintendo war Rares Zuhause, wo es sich frei entfalten konnte, vor Kreativität fast überkochte und das goldene Firmenlogo ein Gütesiegel für großartige Qualität darstellte. Aber leider hat fast jede schöne Erfolgsgeschichte auch einen dunklen Wendepunkt.

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