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Herausforderungen - Kolumne

Generation Noob

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Final Fantasy VII gibt’s nun also auf Steam – sogar marginal aufgemotzt. Insgesamt eigentlich eine gute Sache. Achievements hinzuzufügen erscheint sinnvoll, ebenso die neuen Speichermöglichkeiten in der Cloud. Dass aber mit dem sogenannten Character Booster ein offensichtlicher Cheat als spielspaßförderndes Feature angepriesen wird, gibt mir zu denken. Nicht wegen Squares Entscheidung dafür, die ich unmittelbar nachvollziehen kann. Mich beunruhigt, was dieses Feature über die neue Zockergeneration aussagt. Wachsen gerade nur noch „Noobs“ heran, die ohne Cheats nach fünf Minuten aufgeben würden?

Wenn ich einen meiner alten Freunde besuche, tausche ich mich auch immer gerne mit seinem Nachwuchs über die neuesten Spiele aus. Es ist sehr interessant für mich als Ü30er zu erfahren, welche Spiele der jungen Zockergeneration tatsächlich gefallen und weshalb. Was mir aber zu denken gibt, ist die Art, wie sie – und auch alle ihre Freunde – spielen. Beispielsweise scheint Geduld erst so nach und nach mit zunehmendem Alter als Teil der Spielerfahrung akzeptiert zu werden.

Das bedeutet, dass Zwischensequenzen übersprungen werden und allgemein kaum Wert auf handlungsrelevante Elemente gelegt wird. In der Spielwelt herumliegende Audio- und Videonotizen oder gar Textwüsten werden gemieden, so gut es geht. Ich verstehe die Gründe dafür sofort: Die Kinder reduzieren das jeweilige Spiel auf exakt die Elemente, die am meisten Spaß machen.

Final Fantasy VII Bild 1Final Fantasy VII Bild 2Final Fantasy VII Bild 3

Im Grunde „korrigieren“ sie die Spiele und lassen sie zu ihrem Ursprung zurückkehren, indem sie den aus anderen Medien im Laufe der Videospieljahre hinzugefügten Ballast entfernen. Für sie ist ein Spiel ein Spiel und kein (interaktiver) Film, keine spannende Geschichte wie aus einem Buch oder Ähnliches. Fast schon vorbildlich, wäre da nicht ein kleiner Haken an der Sache. Die jugendliche Ungeduld sorgt offenbar auch dafür, dass sie schwierige Stellen im Spiel ebenso als Spaßbremse und nicht als motivierende Herausforderung ansehen.

Allheilmittel Cheat

Womit wir wieder bei Final Fantasy VII wären. Der hinzugefügte Character Booster wird auf der Steam-Produktseite wie folgt angepriesen: „Hängt ihr in einem schwierigen Abschnitt fest oder besitzt nicht genügend Geldmittel, um das lebenswichtige Phoenix Down zu kaufen? Mit dem Character Booster erhöht ihr eure HP, MP und Gil auf ihr jeweiliges Maximum, mit einem einfachen Tastendruck, damit ihr das Abenteuer weiter genießen könnt.“

Final Fantasy VII Dirge of Cerberus Bild 1Final Fantasy VII Dirge of Cerberus Bild 2Final Fantasy VII Dirge of Cerberus Bild 3

Genießen? Wirklich? Spielspaß heißt nun also, dass man wie ein Gott jede Gefahr mit dem kleinen Finger aus dem Weg schnippen kann? Wo bleiben da die Befriedigung und der Stolz nach dem Überwinden einer zunächst unüberwindlich scheinenden Hürde? Wenn ich an Final Fantasy VII zurückdenke, erinnere ich mich durchaus an die Herausforderungen und so manches fast schon frustrierende Scheitern.

Doch am Ende habe ich es geschafft. Alle Gegner waren besiegt und als Belohnung gab es einen mitreißenden Abspann. Kein schlechtes Gewissen weit und breit, da ich keinen Cheat genutzt hatte, sondern alles durch das eigene Durchhaltevermögen und das eigene Zockertalent schaffte. Ich habe starke Zweifel daran, dass mir Final Fantasy VII so nachhaltig im Gedächtnis geblieben wäre, hätte ich mich einfach bis zum Ende locker flockig durchgemogelt. Spaß ist eben nicht die einzige Emotion, die ein Spiel in einem auslösen kann – und die dafür sorgt, dass man noch Jahre später voller Euphorie davon schwärmt. >>

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