Special - Release-Käufer sind die Dummen : Nie wieder zum Day One kaufen – ich bin doch nicht blöd!

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    Patch Work

    Denn auch das ist ein Grund, mit dem Kauf die Zeitspanne von zwei bis drei zusätzlichen Monaten zu warten: Patches. Selbst wenn ein Spiel in einem nahezu perfekten Zustand auf den Markt kommt oder der riesige Day 1 Patch die schlimmsten Fehler behebt, so gibt es heutzutage kaum eine Ausnahme, bei der nicht wenigstens ein bis fünf Updates folgen, die (und seien es auch nur) Kleinigkeiten aus- oder verbessern: Grafikfehler, Ladezeiten, Abstürze und vor allem Balancing-Anpassungen.

    Ich spiele grundsätzlich keine Spiele mehr am Tag 1, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Fast jedes Mal, wenn ich gegen diese Regel verstoßen habe, habe ich es bereut. Battle Chasers: Nightwar war bis zum dritten Patch eine fast unspielbare Balancing-Hölle, Crysis 3 zerschoss mir meinen Spielstand, sodass ich kurz vor Ende wieder ganz von vorne anfangen durfte, und selbst ein an Perfektion kaum zu übertreffender Entwickler wie Naughty Dog hatte in der Day-One-Version von Uncharted: The Lost Legacy ein paar unschöne Texturfehler übersehen, die Käufer mit zwei Tagen mehr Geduld nicht mehr zu Gesicht bekamen.

    Die Kehrseite der Medaille

    „Kann ja jeder handhaben, wie er möchte“, werden jetzt vermutlich viele sagen. „Wer sein Spiel unbedingt sofort zum Release haben will, der muss selber wissen, ob er bereit ist, dafür entsprechend mehr Geld zu bezahlen.“ Nun … jein. Sicherlich bleibt es jedermann selbst überlassen, ob ihm seine Ungeduld die zusätzlichen Euros wert sind oder nicht.

    Aber es gibt auch Nebenwirkungen dieser Entwicklung, die für uns alle nicht von Vorteil sein dürften. Am ehesten wird euch vielleicht noch egal sein, dass der ohnehin schon stark gebeutelte Einzelhandel bei diesem Preiskampf, speziell auch gegenüber den digitalen Vertriebsplattformen, die eine ganz andere Kostenstruktur haben, nicht mehr mithalten kann.

    Vor allem aber müssen die Publisher die niedrigen Preise in den unzähligen Sonderangeboten und das Geld, das ihnen dadurch durch die Lappen, irgendwie kompensieren. Und das tun sie, indem sie sich neue Einnahmequellen erschließen: Lootboxen, Season-Pässe, Micro-Payment, überteuerte Vorbesteller-Boni, also genau die Dinge, über die wir uns sonst so aufregen.

    Und zweitens kompensieren die Publisher ihre verlorenen Umsätze durch etwas, das auf den ersten Blick harmlos scheint: durch die schiere Masse, die sie in einem solchen Sale absetzen. Ich kenne die genauen Zahlen zwar nicht, aber ich bin mir sicher, dass sich die Verkäufe von Assassin's Creed: Origins, Call of Duty WWII & Co. durch die Weihnachts-Supersonderangebote in astronomische Höhen geschraubt haben, die noch deutlich über dem liegen, was sie nicht eh schon erwirtschaftet hätten.

    Das führt aber wiederum zu einer ziemlich brutalen Kannibalisierung des Marktes, der kaum noch Platz an seinen Rändern lässt. Wer sich im Dezember eben ein Assassin's Creed: Origins oder Call of Duty WWII für 35 Euro gekauft hat – und mal ehrlich: warum sollte man das für diesen Preis nicht tun? - der kauft sich eher nicht ein, sagen wir mal: The Surge, Hellblade: Senua's Sacrifice, Absolver, Life is Strange: Before the Storm oder all die anderen Spiele aus der zweiten Reihe, die es zum gleichen Preis gibt.

    Oder vielleicht doch. Denn Indie-Titel haben natürlich ihren eigenen Sale. Mal unter uns aus dem Nähkästchen geplaudert: Im letzten Dezember-Sale habe ich mir Firewatch, The Sexy Brutale und Oxenfree geholt, alles halbwegs aktuelle Spiele. Im Sale kosteten sie alle zwischen 3 und 6 Euro – statt den üblichen 20 bis 30 Euro. Also fast geschenkt. Dass dabei nach Abzug der Mehrwertsteuer und Händlermarge nicht mehr wirklich viel bei den Entwicklern ankommt, kann sich jeder selbst ausrechnen.

    Doch Kleinvieh macht auch Mist, erst recht wenn der Stall nicht sonderlich groß ist. Wahrscheinlich reichen die paar Cent einem Indie-Entwicklerstudio dieses Kalibers mit nur wenigen Mitarbeitern aus, um dennoch seinen Schnitt zu machen. Gefährlich wird es allerdings für den gesamten Mittelbau, also diejenigen Produktionen, die aufwändig genug sind, um ein finanzielles Risiko einzugehen, aber an den großen Geldtöpfen des glattgebügelten Massenmarktes nicht mitnaschen können oder wollen. Für die Spiele, die es eh schon schwer haben …

    Ein anderes Reizthema: Das Leid mit dem Lootboxen - Kommentar

    Wie siehst du das? Kommst du dir auch verarscht vor, wenn du ein Spiel zum Vollpreis kaufst, das es wenige Wochen später fürs halbe Geld gibt? Kaufst du Spiele noch zum Release? Oder wartest du lieber? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

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