Special - Videospiele und ihre Fans : Kein Platz für Andersdenkende?

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Videospiele sind mehr als nur ein Hobby – sie sind eine Leidenschaft. Was immer wieder für einzigartige Gänsehautmomente sorgt, etwa wenn das Publikum bei einer E3-Pressekonferenz aufgrund einer unerwarteten Neuankündigung kollektiv ausrastet, hat jedoch auch seine Schattenseiten. Denn neben den eigenen Vorlieben scheint es für viele keinen Platz für andere Meinungen zu geben.

Wenn verschiedene Meinungen aufeinandertreffen, endet das im besten Falle in einer für alle Seiten informativen, konstruktiven Diskussion. Das muss noch nicht einmal dazu führen, dass am Ende alle Beteiligten zum gleichen Ergebnis kommen – allein das Anhören des gegensätzlichen Standpunkts darf oftmals schon als Erfolg gewertet werden. Denn wenn PlayStation- und Xbox-, League-of-Legends- und Dota-2-, Battlefield- und Call-of-Duty-Fans miteinander diskutieren, dann endet das meist in einer verbalen Schlammschlacht, in der sich nur die wenigsten Beteiligten mit Ruhm bekleckern.

Die Politisierung der Videospiele

Fan eines Videospiels zu sein scheint gleichzeitig zu bedeuten, eine Einstellung gegenüber der gesamten Industrie zu vertreten. Wer sich öffentlich als einer der vielen Millionen Spieler der Call-of-Duty-Reihe „outet“, dem wird schnell vorgeworfen, zumindest teilweise für den Untergang der Videospielindustrie verantwortlich zu sein. Denn die öffentliche Unterstützung einer Reihe wie Call of Duty bedeutet in den Augen vieler nicht nur, dass die betreffende Person auf unkomplizierte Ego-Shooter steht.

Nein, jeder, der sich nicht ausdrücklich gegen die augenscheinliche Marktherrschaft Activisions stelle, unterstütze die Firma und damit unbeliebte, moderne Trends wie Vorbestellerboni, überteuerte DLC-Karten und Snoop-Dogg-Stimmenpakete. Die größten Fans politisieren ihre Lieblingsspiele, um sie zu mehr zu machen als „nur“ einem Unterhaltungsprodukt – da gehören Idole genauso dazu wie Feindbilder.

Wer also vor 15 Jahren noch mit Rocketjumps und einer wahnsinnigen Geschwindigkeit durch Quake 3: Arena hopste und heute keinen Spaß mehr an den sehr viel bodenständigeren Militär-Shootern hat, findet mit Call of Duty ein offensichtliches Feindbild. So offensichtlich sogar, dass das deutsche Entwicklerstudio Reakktor mit seinem Debüt-Trailer zu Toxikk ganz unverhohlen auf genau dieses Feindbild abzielt, um Aufmerksamkeit zu generieren.

Der Vergleich von Quake und Call of Duty ist natürlich extrem, liegen die beiden Shooter doch an den gegenüberliegenden Seiten der Ego-Shooter-Skala. Ähnliches ist jedoch auch beim relativ ähnlichen Militär-Shooter Battlefield zu erkennen: Battlefields langsameres und auf den ersten Blick taktischeres Vorgehen wird von den entsprechenden Fans gerne direkt auf den eigenen Charakter bezogen.

Vom Videospielgeschmack auf den Charakter anderer Menschen zu schließen erscheint reichlich weit hergeholt, ein solches Gruppendenken fördert jedoch das eigene Gemeinschaftsgefühl. Die andere Fan-Gruppe wiederum fühlt sich in ihrem Feindbild bestätigt, reagiert auf die Provokation und so beginnt der Teufelskreis von Neuem.

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