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Special - Spielerfrauen : Digitale Emanzipation

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    Eine Studie bescheinigt Frauen die gleichen Zockerqualitäten wie Männern. Warum überhaupt noch solche Untersuchungen? Haben praktische Beispiele aus der Community nicht schon längst bewiesen, was abstrakte Untersuchungen nun zu untermauern versuchen?

    „Frauen interessieren sich nur für Casual-Spiele wie Die Sims. Zu mehr sind ihre kleinen, mit lackierten Fingernägeln besetzten Hände ja auch gar nicht fähig.“ So oder so ähnlich lauten Klischees, die weibliche Spieler immer wieder über sich ergehen lassen müssen. Mit solchen Vorurteilen will nun eine Studie der University of California endgültig aufräumen. Zusammen mit anderen Universitäten wurden im Rahmen der Untersuchung Daten von Tausenden Spielern aus den zwei MMOs Romance 3 und Everquest 2 eruiert. Als Grundlage zählten 11.000 Accounts, die auf ihre geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Levelaufstieg hin analysiert wurden.

    Das wenig überraschende Ergebnis: Frauen sind genau so schnell beziehungsweise langsam beim Aufleveln wie ihre Mitspieler mit Y-Chromosom. Warum die Zuständigen die Studie überhaupt für notwendig hielten? Sie ist angeblich die erste, die sich langfristig mit der Spielweise von weiblichen und männlichen Spielern in Multiplayer-Games auseinandergesetzt hat. Bis dahin wurden, so die Forscher, nur Untersuchungen bezüglich des Spielverhaltens von Männern und Frauen in Reaktions- und Arcade-Spielen durchgeführt, die laut der Assistenzprofessorin Culhua Shen ungenau seien. Sie hätten Erfahrungsunterschiede und Vorzüge der Geschlechter nicht berücksichtigt.

    Praktische Vorreiter

    Um die Aussagekraft der Studie zu untermauern, wird zudem die kulturübergreifende Auswahl der Probanden angeführt. Shen zufolge sind aktuell nur 20 Prozent der Online-Rollenspiel-Fans weiblich. Sie befürchtet sogar, dass der Anteil schrumpfen könnte, wenn die vorherrschenden Vorurteile sich zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickeln würden. Aber ist nicht genau das Gegenteil der Fall? Sind weibliche Spieler inzwischen nicht vor allem durch ihre Fähigkeiten vermehrt auffallend präsent in der Gaming-Community? Was zum Beispiel ist mit der koreanischen Spielerin Gegury, die sich in Overwatch mit Zarya derart gut schlägt, dass sie sogar eine offizielle Cheating-Überprüfung durch Blizzard über sich ergehen lassen musste?

    Überhaupt ist das weibliche Geschlecht längst in der Mitte der Gaming-Community angekommen. Frauen wie SchviftyFive oder Jendenise streamen mit fundiertem Hintergrundwissen und Skill, spielen ebenso querbeet wie Männer und sind mehr als vollbusige Messe-Babes, die abgesehen von der Gage für eine Veranstaltung vielleicht keine Anreize an der Thematik entdecken. Egal wie gut oder schlecht sie zocken, Frauen werden trotzdem häufig mit harschem Sexismus bombardiert, wie die lesenswerte Kolumne von Phylicia Whitney aufzeigt.

    Frauen, die öffentlich zu ihrem Hobby stehen, sagen mehr über die weibliche Zockerqualitäten aus als die Geschwindigkeit des Levelanstiegs. Gekünstelte Vergleiche, die lediglich rein quantitativ versuchen Klischees zu widerlegen, trüben eher den guten Ruf, den sich Spielerinnen mühsam erarbeiten, als dass sie ihn untermauern.

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