Special - ConCrafter im Interview : Arbeitstier

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    Für die meisten YouTuber mit über einer Million Abonnenten ist die Arbeit für den eigenen Kanal ein Vollzeit-Job. ConCrafter, bürgerlich Luca, macht es aber anders. Er unterhält täglich eine große Masse an Zuschauern, stellt aber sein Studium in den Vordergrund. Im Interview erklärt er uns, wie er das alles schafft und was er von der deutschen YouTube-Szene hält.

    Hi Luca, vielen Dank für deine Zeit. Stell dich bitte kurz vor.

    Ich bin Luca, ich bin 20 Jahre alt und ich studiere aktuell und mache nebenbei YouTube-Videos - vor allem, weil mir das Spaß macht. Aktuell versuche ich, das Studentenleben, Lernen und YouTube unter einen Hut zu kriegen.

    Du hast vor rund fünf Jahren mit YouTube angefangen, dementsprechend warst du noch sehr jung. Hast du dir das alles selbst beigebracht oder wie konntest du bereits so früh starten?

    Ich habe damals YouTube entdeckt und bin auf Gronkh gestoßen. Ich glaube, das war damals bei vielen der erste Kontakt. Ich hab mir dann einfach gedacht: „Hey, du spielst auch gerne selber, du redest selber, du probierst das auch einfach mal.“ Zu Beginn war das Ganze ziemlich schwer, weil ich natürlich noch ein Amateur war. Mit der Zeit habe ich dann immer mehr in professionelle Ausrüstung investiert. Lehrgänge oder Tutorials habe ich fast nie genutzt. Da hab ich einfach immer so lange probiert, bis es geklappt hat.

    Bekommst du YouTube und dein Studium gleichzeitig hin oder würdest du sagen, dass eines von beiden aktuell leidet?

    Ich würde sagen, aktuell leidet eher YouTube darunter. Ich würde gerne noch mehr Zeit da reinstecken, das klappt nur nicht so gut. Gerade absolviere ich noch ein Praktikum, da bin ich dann den Tag über komplett ausgebucht. Danach muss ich dann für die Uni lernen und eben Videos produzieren. Da kommt auch Schlafen leider sehr kurz, aber das ist das, wofür ich mich entschieden habe. Zwischen meinem Abi und dem Studium hatte ich eine Zeit, in der ich nur Videos gemacht habe. Da hab ich für mich aber gemerkt, dass ich mehr brauche als „nur“ YouTube.

    Soll es nach deinem Studium hauptberuflich mit YouTube weitergehen oder hast du andere Pläne?

    Ich hab mir darüber schon ein paar Mal Gedanken gemacht. Einen richtigen Plan gibt es aktuell aber noch nicht. Die Sache ist: YouTube macht mir aktuell sehr viel Spaß. Ich möchte aber nicht, dass es aufhört, mir Spaß zu machen. Der Erfolg auf der Videoplattform kann von heute auf morgen vorbei sein. Dementsprechend lächerlich finde ich es, wenn ich mitkriege, dass Leute ihre Schule oder ihre Ausbildung für YouTube abbrechen. Wenn ich plötzlich keinen Spaß mehr haben sollte, kann ich einfach aufhören, ohne finanziell von den Videos abhängig zu sein.

    Gibt es etwas, was dir an deinem Hobby keinen Spaß macht?

    Was mich aktuell etwas nervt, ist, dass ich durch das Studium und das Praktikum abends sehr ausgelaugt bin und nicht die Kraft in die Videos stecken kann, die ich gerne hätte. Was ich im Nachhinein etwas bereue, ist, dass ich mich in meinen Videos „gezeigt“ habe. Wenn man dann auf Messen wie den Videodays erkannt wird, ist das vollkommen okay. Wenn man dann aber auf der Straße erkannt wird und Leute hinter einem herlaufen, das muss nicht unbedingt sein.

    Gibt es YouTuber, mit denen du auf keinen Fall zusammenarbeiten würdest?

    Ja, da gibt es sicherlich einige Leute. Mich regt generell der Content aus Deutschland auf. Da gibt es viele Dinge, die ich kritisch finde. Namen nenne ich jetzt selbstverständlich nicht. Wer jedoch auf die Straße geht, Leuten auf den Arsch haut und danach sagt „Haha, das ist nur ein Prank“, mit dem möchte ich nichts zu tun haben. Ich habe viele Freunde auf YouTube gefunden, deren Content ich schätze. Es gibt aber auch viele Kanäle, die sich ihre Inhalte regelrecht zusammenklauen. Da gibt es also genug YouTuber, die für mich nicht infrage kommen würden.

    Hast du eine Erklärung dafür, dass Content-Klau und übertriebene Inhalte vor allem in deutschen Videos vermehrt auftauchen?

    Content-Klau ist eine krasse Sache. Die Grenze zwischen Inspiration und Klauen ist sicherlich schwer. Ich lasse mich auch regelmäßig von großen, internationalen Inhalten inspirieren, bringe aber dennoch eigene Ideen mit und habe einen eigenen Stil entwickelt. Bei einigen Kanälen bekommt man alleine schon bei den Titeln der einzelnen Videos das Gefühl, dass sie sich in eine Pornoplattform entwickeln. Andere laufen einfach schreiend über die Straße und sehen sowas dann als Unterhaltung an.

    Das sehe ich dann und denke mir: „Da steckt doch keine Arbeit drin.“ Das finde ich schade. Warum das in der deutschen YouTube-Szene so extrem ist, kann ich nicht sagen. Wenn man es wüsste, könnte man es auch verhindern. Es macht den Eindruck, dass aktuell nicht mehr Inhalt überzeugt, sondern einfach nur wer sich am meisten zum Affen auf der Straße macht. Das finde ich traurig.

    Vielen Dank für das Gespräch.

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