Special - Kuriose Spiele aus Fernost : Alles andere als Mainstream

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    Dates mit Tauben, Fische mit Menschenköpfen und ganz viele Fragezeichen. In Japan schaffen es oft „mutige“ Konzepte auf den Markt, die hierzulande für Verwirrung und Unverständnis sorgen würden. Im Land der aufgehenden Sonne geht Erfindungsreichtum eben vor.

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    Wo im Westen aufgrund moralischer Bedenken und abzusehender miserabler Verkaufszahlen von der Entwicklung und Veröffentlichung abwegiger Spielkonzepte abgesehen wird, fängt in Japan erst der Mainstream an. Im Inselstaat bewerben nicht nur lächelnde Cartoon-Exkremente ein Mittel gegen Durchfall oder spielen junge Damen in Maid-Cafés Kroko Doc mit 40-Jährigen, es ist auch das Land der seltsamsten Videospiele.

    Tierliebe

    Nirgendwo sonst florieren Dating-Simulationen so sehr wie in Japan. Sogar auf den oftmals als Familienplattformen bezeichneten Konsolen von Nintendo sind sie wahre Verkaufsschlager. Darunter gibt es ein ganz besonders kurioses Spiel. Die Simulation für Liebessuchende, von der die Rede ist, nimmt das Konzept auf den Arm beziehungsweise Flügel und führt euch in die fremde Welt ungesunder Tierliebe. Hatoful Boyfriend versetzt euch in die nicht ganz alltägliche Situation, der einzige Mensch am St. PigeoNation's Institute, einer schicken Schule für Tauben, zu sein. Ihr flirtet mit gefiederten Mitschülern und löst ein Mysterium, während einige männliche Tauben darum wetteifern, euch einen funkelnden Ring um die Kralle zu legen.

    Hatoful Boyfriend wurde überraschenderweise komplett ins Englische übersetzt und im Jahr 2012 für den PC veröffentlicht. Offenbar konnten die Japaner von der gefiederten Romanze nicht genug bekommen, weswegen 2013 sogar ein zweiter Teil, Hatoful Boyfriend HolidayStar, veröffentlicht wurde. Das wohl kurioseste Spiel, in dem man gut zu Vögeln ist. Es gibt natürlich noch weitere Vertreter unter den Dating-Sims, die durch einen ungewöhnlichen Dreh für Stirnrunzeln sorgen. In School Days etwa hängt es von euren Entscheidungen ab, ob ihr am Ende einen Harem aus Schulmädchen um euch versammelt oder Mord, Vergewaltigungen und Selbstmorde zu sehen bekommt.

    Fischflüsterer

    Reichlich ausgefallene Spielideen aus Japan sind aber keineswegs erst eine neuere Entwicklung. Was aus romantischen Verbindungen zwischen Mensch und Tier wie in Hatoful Boyfriend hervorgehen kann, zeigte schon Seaman für die Dreamcast Ende der 90er. Darin kommuniziert ihr per Mikrofon mit einem Fisch mit Menschengesicht. Eure Aufgabe besteht darin, euch um die rätselhaften Wesen zu kümmern und alles über sie herauszufinden. Seamen durchlaufen dabei einen interessanten Lebenszyklus und verwandeln sich immer weiter in amphibische Wesen. Als wäre das nicht kurios genug, diskutiert das Fischwesen mit der Stimme von Leonard Nimoy mit euch über höchst triviale Themen.

    Seaman war eines der wenigen Spiele für SEGAs Dreamcast, das vom offiziellen Mikrofonzubehör Gebrauch machte. Mit fast 400.000 verkauften Kopien bis Anfang 2004 gilt es als das am dritthäufigsten verkaufte Spiel der Konsole. Sogar eine Wiederveröffentlichung auf der weit erfolgreicheren PlayStation 2 erfolgte 2001. Noch heute gilt Seaman als eines der seltsamsten Spiele, die je auf einem Bildschirm zu sehen waren.

    Touch My Katamari

    Situationen aus dem Alltag

    Wenn letztere Beispiele – falls überhaupt – hierzulande Bekanntheit erlangen, dann liegt das in der Regel an der Beliebtheit unter YouTubern, die diese Software-Experimente auf ihren Kanälen behandeln. Eine kuriose Spielreihe ist allerdings auch bei uns recht bekannt. Die Rede ist von Katamari. Dessen Story: Der King of All Cosmos hat sich einen genehmigt und im betrunkenen Zustand sämtliche Sterne und Planeten zerstört. In der Folge schickt er seinen Filius auf die Erde, um mithilfe einer klebrigen Kugel Materialien aufzusammeln und neue Sternkörper zu bilden. Die Idee und das Spiel-Design waren ungewöhnlich, aber noch bodenständig genug, um ohne Hilfe von außen auf westlichem Boden Fuß zu fassen.

    Wie kommt der geneigte Entwickler eigentlich auf derartige Einfälle? Katamari zum Beispiel könnte durchaus daraus entstanden sein, einen Knetball über einen Tisch gerollt zu haben. Die Entstehungsgeschichte hinter Seaman können wir uns aber beim besten Willen nicht herleiten. Manchmal sind alltägliche Situationen so banal und gerade deswegen verrückt genug, um daraus ein Spiel zu entwickeln. So könnte es im Fall von Super Table Flip geschehen sein.

    Viele kennen das: Ein gestresster Vater sitzt am Esstisch. Der Sohn bringt ein schlechtes Zeugnis nach Hause, die Tochter erzählt von ihren vorehelichen körperlichen Aktivitäten und die Ader an der Schläfe des Familienoberhauptes pulsiert wie verrückt. Dann eskaliert die Situation: „Solange ihr die Füße unter meinem Tisch habt ...“ Genau das passiert im eben genannten Arcade-Spiel. Vor euch steht eine Tischplatte als Eingabegerät. Während das Essen kalt serviert wird oder der Nachwuchs sich unflätig benimmt, heißt es ordentlich auf den Tisch hauen, um seine Argumente zu untermauern. Hilft das alles nicht, wird der Tisch der Ehefrau im richtigen Moment entgegengeschleudert. Nur in Japan wird man häusliche Gewalt als zentrales Spielthema finden.

    Die Faszination des Unbekannten

    Warum solche Konzepte so faszinierend auf uns wirken? Einerseits lässt sich das bestimmt mit der gelegentlichen Grenzüberschreitung erklären. Viele Themen werden in westlichen Produktionen im Hinblick auf Jugendschutzbeschränkungen nicht einmal angeschnitten. Zum anderen sind die Ideen im Vergleich zu den endlosen Sequels, die wir im Westen vermehrt vorgesetzt bekommen, frisch und unverbraucht. Und mal ehrlich: Wer hat noch nicht darüber nachgedacht, eine Taube zu daten?

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