Test - Sonic und der schwarze Ritter : Kumpel, so geht das nicht

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Ihr wisst doch, wie das mit guten Freunden im Leben so ist: Man versteht sich blind, ein Date mit einer heißen Schnitte wird für ein Feierabendbier mit den Jungs kurzerhand abgesagt und man nimmt es ihnen auch nie wirklich übel, wenn sie wieder einmal Kokolores erzählen. Nach vier Bieren sollte schließlich jeder Mann das Recht haben, von absoluten Schwachsinnsideen überzeugt zu sein. Aber manchmal, ja, manchmal kommt ihr in die Situation, in der ihr euren Kumpel sachte zur Seite nehmen und ihm die Meinung geigen müsst ...

Und bei mir ist heute die Zeit gekommen, in der ich zu einem meiner ältesten Kumpel leider sagen muss: "Du, Sonic, das war ja mal überhaupt nichts!" Versteht mich jetzt nicht falsch. Sonic und ich hatten viele schöne Zeiten. Wir haben Dr. Robotnik das Maul gestopft, den frech-forschen Knuckels in seine Schranken gewiesen und auf der Dreamcast gemeinsam den Sprung in die dritte Dimension gewagt. Trotzdem: Die Erinnerung an bessere Zeiten kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein neuestes Abenteuer Sonic und der schwarze Ritter des schnellsten Igels der Videospielgeschichte einfach unwürdig ist.

Die Artussage

Das Spiel erzählt eine alternative Version der bekannten Artussage, bei der dunkle Wolken das Land in Schatten hüllen. Was war passiert? König Artus ist die direkte Nähe zu dem sagenumwobenen Schwert Exkalibur und die damit verbundene Aussicht auf unendliches Leben zu Kopf gestiegen, weswegen er nun die Armeen der Finsternis beschwört und sein einst prächtiges Königreich mit Leid und Schrecken überzieht. Aufhalten kann ihn natürlich nur Sonic, der von Merlina, der Enkelin des fast gleichnamigen Zauberers, zu Hilfe gerufen wird und sich nach der sehr schön in Szene gesetzten Introsequenz gleich ans Werk macht.

Sonic und der Schwarze Ritter - Trailer
Sonic lässt sich auch in Sonic und der Schwarze Ritter nichts gefallen!

In der mehrere Dutzend Missionen umfassenden Geschichte ist es nun eure Aufgabe, Artus vom Bann des magischen Schwertes zu befreien und so sein Reich vor den finsteren Kräften der Dunkelheit zu bewahren. Auf eurer Reise trefft ihr dabei freilich auch auf die Ritter der Tafelrunde, die euch je nach Gesinnung bei eurem Vorhaben unterstützen oder euch Knüppel zwischen die pfeilschnellen Beine werfen. Das Witzige dabei: Die Ritter weisen eine frappierende Ähnlichkeit zu Knuckles & Co auf. Dadurch gelingt es dem Spiel schon nach wenigen Minuten, die Sonic-typische Atmosphäre zu erzeugen und den blauen Igel nicht wie einen comicartigen Fremdkörper in der Artussage zurückzulassen.

Rennen, rennen, rennen

Das eigentliche Spielprinzip folgt den Gesetzen der Serie. Ihr rast wie ein D-Zug auf Schienen mit einem Höllentempo durch die unzähligen Levels, sammelt Ringe ein und weicht mit geschickten Sprüngen Gegnern und Hindernissen aus. Das hatten wir schon zur Genüge. Die einzige nennenswerte Neuerung im Spielablauf ist zugleich auch das größte Problem des Spiels. Sonic ist nämlich erstmals mit einem dicken Schwert bewaffnet, mit dem er Feinden während des Runs kräftig zusetzt. Ausgeführt werden die Hiebe mit der Wii-Fernbedienung, während ihr mit dem Steuerkreuz des Nunchucks die Bewegungsrichtung des Igels vorgebt. Klingt einfacher, als es sich in der Praxis darstellt.

Zwar existieren im Spiel theoretisch mehrere (von Sonic erlernbare) Schlagvarianten, de facto bleibt euch allerdings keine Zeit, diese sauber auszuführen - schließlich müsst ihr in jedem Level unzählige Gegner mit dem Schwert attackieren. Da ihr, um auch wirklich erfolgreich zu sein, die Hiebe zudem stets im richtigen Moment ausführen müsst, werden selbst strebsame Spieler schon nach wenigen Minuten allenfalls noch spastisch die Wii-Fernbedienung von oben nach unten schwingen. Das Programm setzt die Bewegung dann - nach einer unnötigen Verzögerung - ohnehin immer in einen einigermaßen passablen Hieb um. Fürs Durchspielen reicht das allemal.

Überhaupt drückt das vermurkste Kampfsystem trotz der brauchbaren Special-Moves, bei denen ihr in Zeitlupe eure Widersacher zerlegen dürft, ordentlich auf die Spielspaßbremse. Die ständigen Schwerthiebe wirken irgendwie losgelöst von den schnellen Jump'n'Run-Passagen, nehmen das Tempo aus dem Programm und unterbrechen damit den Spielverlauf ziemlich heftig. Weitere Minuspunkte fährt Sonic und der schwarze Ritter für die streng linear aufgebauten Levels und die katastrophale Kameraperspektive ein, die bisweilen selbst eure Gegner im toten Winkel belässt. Etwas versöhnlich stimmen hingegen die niedliche Comic-Präsentation, die optisch nett gestalteten Levels und der brauchbare Soundtrack! >>


Fazit

von Michael Beer
Es ist ein Jammer! Sonic sollte eigentlich für Sega das sein, was Mario für Nintendo ist: Ein Vorzeigemaskottchen, dem innovative Spielkonzepte auf den Leib geschneidert werden. Aber während sich Mario regelmäßig neu erfinden darf, muss Sonic im Halbjahresrhythmus für halbgare Variationen eines 15 Jahre alten Spielprinzips herhalten. Dass das des schnellen Igels einfach unwürdig ist, beweist Sonic und der schwarze Ritter mit seiner katastrophalen Schwert-Neuerung. Also Sega: Gebt Sonic das, was er verdammt noch einmal verdient hat, oder schläfert den Igel endlich ein!

Überblick

Pro

  • nette Story rund um die Artussage
  • Sonic-Feeling
  • niedliche Comic-Präsentation
  • ordentliche Grafik

Contra

  • Schwertattacken sind wie vom Spiel losgelöst ...
  • … und unterbrechen den Spielfluss
  • katastrophale Kameraperspektive
  • Levels sehr linear
  • Bosskämpfe sind frustrierend

Wertung

  • Wii
    56
    %

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