Test - Sonic Forces : Bunte Tierchen spielen Krieg

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Im Zuge der Ankündigung des bereits erschienenen Sonic Mania kündigte das japanische Sonic-Team auch seinen neuen Beitrag zur Spielreihe an: Sonic Forces. Das soll wieder grob in die Kerbe eines Sonic Generations schlagen, aber vor allem neue Level und Features mitbringen, um die die Serie nach vorne zu bringen. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob der Titel mit seinem hochgelobten 2-D-Vorgänger mithalten kann.

Die kurze Antwort lautet: nein. Die etwas längere Antwort: Nein, aber das heißt nicht, dass Sonic Forces ein schlechtes Spiel ist. Klar, die Story, die sich wieder wie in den „guten“ alten Zeiten viel zu ernst nimmt, sollte man entweder komplett ignorieren oder mit einer gehörigen Portion Humor nehmen. Aber es gibt zum Glück genügend andere Bereiche, in denen das Spiel punkten kann.

Serienantagonist Dr. Eggman hat es schlussendlich doch mal geschafft, die Welt zu erobern, Sonic wird (zumindest kurzzeitig) für tot erklärt, Sidekick Tails verfällt in Pseudodepressionen und geht auf einen Selbstfindungstrip und der Rest der neonfarbenen Crew zieht in einen Guerillakrieg gegen den Doktor und seine neue Erfindung „Infinite“. Ja, das ist die völlig ernstgemeinte Handlung. Und, ja, es ist vollkommen in Ordnung, sich darüber lustig zu machen, besonders wenn man vor Augen hat, dass diese Kriegsthematik von regenbogenfarbenen Tieräquivalenten vermittelt wird.

Zumindest sorgt das Widerstandsthema für eine der größten Neuerungen innerhalb der Reihe. Gleich anfangs stößt nämlich ein neuer Rekrut beziehungsweise eine neue Rekrutin auf die bekannte Heldengruppe. Dies ist euer Spieleravatar, den ihr nicht nur selbst erstellen, sondern im Verlauf des Spiels auch nach und nach euren eigenen Wünschen anpassen könnt.

Sonic zum Selbstbasteln

Im Charaktereditor könnt ihr die Spezies, die Farbe und eure Siegespose am Ende des Levels individuell anpassen. Jede Spezies verfügt über ganz eigene Fähigkeiten. Die grundlegenden Optionen sind zwar etwas dürftig, werden aber durch Massen an Kleidungsstücken und Accessoires, die man nach fast jeder abgeschlossenen Mission erhält, ordentlich erweitert.

Der Avatar spielt sich recht ähnlich zu dem Sonic aus Sonic Generations. Statt der mittlerweile serienbekannten Boost-Mechanik stehen dem Rekruten allerdings die sogenannten Wispons zur Verfügung, die euch nicht nur verschiedene Angriffsmöglichkeiten gegen Gegnergruppen bieten, sondern euch mit passiven Skills auch das Leben erleichtern.

Apropos Wisps: Die kleinen Alienhelfer kehren in Sonic Forces ebenfalls zurück, wenn auch nicht so prominent wie in Sonic Colours. Während Sonic wieder auf die Boost-Wisps zurückgreift, um seine Turboleiste aufzufüllen, bleiben die Element-Wisps dem Avatar vorbehalten. Diese verleihen euch für einen kurzen Moment besondere Fähigkeiten, um einige verstecktere Stellen in den Levels zu erreichen.

Der Avatar ist eine willkommene Neuerung in der Serie. Nach kurzer Eingewöhnungszeit spielt er sich zwar ähnlich wie Sonic, aber dennoch anders genug, um sich von den üblichen Kloncharakteren wie Shadow und Blaze abzuheben. Neben dem neuen Sonic und dem Avatar dürft ihr aber in einigen Abschnitten den klassischen Sonic spielen, der dieses Mal direkt aus der Sonic-Mania-Dimension ins aktuelle Spiel rutscht. Die Jagd auf den Phantomrubin geht nämlich in Sonic Forces weiter. Richtig gehört: Sonic Forces ist ein direktes Sequel zu Sonic Mania.

Ein kleiner Schritt für einen Igel

Das tut im Großen und Ganzen natürlich nichts zur Sache, denn der Fokus liegt wie immer auf dem Gameplay und dem Leveldesign. Spieler, die sich an dieser Stelle Neuerungen wünschten, dürfen - zumindest ein wenig - aufatmen. Zwar spielt der Großteil der mehr als 30 Level immer noch in bekannten Ortschaften wie Green Hill oder Chemical Plant, allerdings wurden diese fast alle derart stark abgeändert, dass sie kaum noch zu erkennen sind.

Die Green Hill Zone besteht zum Beispiel nicht nur aus dem serienbekannten Grasland, sondern beherbergt nun auch eine Wüste mitsamt Pyramiden, die allesamt erkundet werden wollen. Das sorgt zumindest in der Optik für die lange überfällige Abwechslung, auch wenn sich das Gameplay, bis auf die genannten Avatarabschnitte, auf bekannten Pfaden bewegt.

Die 3-D-Abschnitte, die man mit dem modernen Sonic absolviert, fühlen sich immer noch fantastisch an und sorgen mal wieder für ein berauschendes Geschwindigkeitsgefühl. Sie werden in Sonic Forces zwischendurch von filmischeren Abschnitten unterbrochen, in denen ihr teilweise kurze Quick-Time-Events ausführen müsst. Das klingt schlimmer, als es tatsächlich ist, denn diese Momente sind glücklicherweise recht selten, sehen aber immerhin gut aus.

Ab und an muss man mit dem modernen Sonic auch kurze 2-D-Areale bewältigen. Hier hätte noch mal Hand angelegt werden sollen, denn obwohl man sich irgendwann einigermaßen daran gewöhnt, fehlt letztlich das entscheidende Gefühl, die Kontrolle über seinen Charakter zu haben, und landet gerne mal in einem endlosen Abgrund. Das Gleiche gilt für den Avatar, auch wenn sich seine 2-D-Steuerung etwas besser anfühlt als die des blauen Igels.

Anders verhält es sich beim klassischen Sonic. Er bewegt sich ausschließlich in 2-D-Levels und wurde im direkten Vergleich zu Sonic Generations glücklicherweise verbessert. Nicht nur der Drop Dash aus Sonic Mania feiert seine Rückkehr, auch die gesamte Physik des Charakters fühlt sich besser an als in Generations. Auch wenn sich das Gameplay noch nicht ganz so gut anfühlt wie in den klassischen Teilen, war es doch ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Sonic Forces - Launch Trailer
Anlässlich des morgigen Release von Sonic Forces könnt ihr euch hier schonmal den Launch-Trailer ansehen.

Klingt besser, als es aussieht

Neben der Grafik, die erwartungsgemäß zwar keine neuen Maßstäbe setzt, aber dennoch recht ansehnlich aussieht, war der wichtigste Faktor schon immer der Soundtrack. In diesem Punkt hat das Sonic-Team nicht nur ganze Arbeit geleistet, sondern wahrscheinlich auch einen der besten und abwechslungsreichsten Soundtracks der gesamten Serie abgeliefert.

Die Mischung aus Rock, Pop, Metal, Electro und Mega-Drive-Chiptunes passt zu jeder Stage wie die Faust aufs Auge und das Hauptthema „Fist Bump“ gehört definitiv zu den besten der Serie. Der Entwickler hat sich sogar endlich wieder dazu entschieden, mehr Stücke mit Gesang für viele der Level zu nutzen, was nach Sonic Adventure 2 leider immer vernachlässigt wurde. Selbst wenn man mit Sonic im Allgemeinen nichts anfangen kann, sollte man sich den Soundtrack zumindest mal anhören.

Leider sorgt die Technik für gemischte Gefühle. Während das Spiel auf der PlayStation 4 und Xbox One mehr oder weniger konstant mit 60 Bildern pro Sekunde stabil läuft, ist die PC-Version von einigen Problemchen geplagt. Ein großer Fehler, dessentwegen das Spiel mit aktiver Internetverbindung immer wieder abstürzte, wurde zum Glück sehr flott behoben. Allerdings gibt es an vergleichsweise vielen Stellen noch grundlose Performanceeinbrüche. Die Switch-Version läuft erwartungsgemäß zwar nur in 30 fps, die Performance ist hier aber größtenteils immerhin stabil.

Dass die PC-Version diese Probleme hat, ist ein Jammer, besonders nach dem fantastischen Port von Sonic Generations. PC-Spieler möchten vielleicht noch auf den einen oder anderen Patch warten. Alle anderen Interessierten können aber bedenkenlos zugreifen, denn Sonic Forces ist überraschenderweise nicht mal ein Vollpreistitel. Für knapp 40 Euro erhaltet ihr einen definitiv nicht perfekten, aber netten Plattformer, der zumindest einige Stunden für eine gute Zeit sorgt.

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