Preview - Siren: Blood Curse : Asia-Horror im Häppchenformat

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Schleichtour gegen Shibitos

Insgesamt sieben verschiedene Charaktere steuert man je nach Kapitel, wobei jede Episode aus mehreren Kapiteln besteht. Oft seid ihr allerdings nicht allein auf weiter Flur, sondern habt einen Leidensgenossen oder Leidensgenossin zur Seite, die mehr oder eher weniger gut automatisch vom Spiel gesteuert wird. Und da sind dann natürlich noch die Shibitos - so nennt man die zombieähnlichen Gesellen. Diese sind alles andere als leicht tot zu kriegen. Ihr dürft aber allerlei Waffen aufklauben und gegen die Monster einsetzen - von der Schaufel über eine Sichel bis hin zu Metallrohr und diversen Wummen. Jede Schlagwaffe kommt mit zwei Schlagstärken daher, außerdem verfügt jede über eine blutige Finishing-Bewegung. Beispielsweise wird ein Spaten durch den Torso eines Japano-Zombies gestoßen - nicht nur für Gärtner interessant.

Doch außer den Kämpfen steht noch anderes auf der Tagesordnung. Da die Shibito nicht nur zäh, sondern auch noch sehr angriffslustig sind, empfiehlt es sich oftmals, an den etwas tumben Feinden vorbeizuschleichen. Also Taschenlampe aus und in der Hocke an ihnen vorbeipirschen. Werdet ihr doch entdeckt, solltet ihr euch nach einem Versteck umsehen oder eine Falle, etwa ein Treteisen, aufstellen. Kommt es knüppeldick, könnt ihr immer noch versuchen zu fliehen oder verzweifelt per Six-Axis-Gerüttel eine Tür zuzuhalten. Springt euch ein Gegner an und will euch anknabbern, ist ebenfalls Six-Axis-Gerüttel angesagt. Gleiches gilt für das Nachladen der Schusswaffen. Insgesamt ist die Steuerung durchaus passabel und orientiert sich an den Vorgängern, die Bewegung der Spielfiguren ist aber in unserer Vorabfassung noch ziemlich hakelig.

Ich seh' was

Wie schon erwähnt, ist 'Siren: Blood Curse' im Grunde ein Stealth-Horrorspiel wie schon seine Vorgänger. Das zentrale Feature der bisherigen Teile ist ebenfalls wieder mit an Bord: Die Sight-Jack-Funktion. Die spielbaren Charaktere verfügen alle über die Gabe, mittels Konzentration ihre Sinne wandern zu lassen und wie mit einem Radar die "Sichtsignale" aller Personen in der Umgebung zu empfangen. Die Spielfigur ist dann zwar gar nicht oder neuerdings eingeschränkt steuerbar, dafür sieht man aus der Ego-Perspektive, was Freund und Feind gerade erblicken. Logisch, dass man so vermuten kann, wo sich der Gegner gerade befindet, mit was er gerade beschäftigt ist, wohin er guckt und ob ihr sicher vorbeischleichen könnt. Mittels Split-Screen und zuweilen automatischem Sight Jack ist das System komfortabler ausgefallen als in den Vorgängern, überdies könnt ihr rascher zwischen der Sicht verschiedener Charaktere hin und herschalten.

Überhaupt fällt auf, dass das PS3-'Siren' zumindest in den ersten drei Episoden deutlich einsteigerfreundlicher ist als die bisherigen Titel der Serie. Viele Tutorial-Tipps sagen einem sehr deutlich, was man zu tun hat, darüber hinaus laufen die ersten Missionen linearer ab als jemals zuvor. Zugleich zeigt eine jederzeit aufrufbare Karte, wie das Gelände beschaffen ist, wo ihr als Nächstes hin sollt und was es zu tun gilt. Immerhin gibt es bereits in diesem Anfangspart hin und wieder alternative Möglichkeiten, zum Ziel zu gelangen. Es wird sich zeigen, wie einfach oder schwierig und wie linear die restlichen Episoden von 'Siren: Blood Curse' gestaltet sind.

Eines sei zu den Episoden aber noch erwähnt: Wäre das Spiel wirklich eine TV-Serie, wäre sie möglicherweise schon nach der Pilotfolge eingestellt worden: Die erste Episode ist mit etwa 5 Minuten Spielzeit nicht nur unverschämt kurz, sondern darüber hinaus auch noch sehr verwirrend, stressig, viel zu linear und erlaubt ohne Sight-Jack-Möglichkeit noch nicht einmal, sich mit dem Hauptfeature der Spielmechanik anzufreunden. Zum Glück machen Episode zwei und drei mehr Spaß und haben mit jeweils etwa 25 bis 40 Minuten Länge einen passablen Umfang. Zusätzlich motivieren freischaltbare Achievements in Form von unzähligen Hintergrundinfos. So könnt ihr beispielsweise Tonbandaufnahmen, Fotos, Handy-Messages, Dokumente und vieles mehr rund um die Spielcharaktere, die Menschenopferzeremonie und sonstiges erfahren, das sich zu einem stimmigen Horrorstory-Bild zusammenfügt.

Vertraut fremd

Technisch folgt das Gruselspiel seinen Vorgängern: Die Weitsicht ist sehr beschränkt, meist spielt sich das Geschehen im Schein eurer Taschenlampe ab und Grieselfilter sorgen für eine Amateurfilmatmosphäre mit 'Blair Witch Project'-Touch. Die Texturen und überhaupt der visuelle Gesamteindruck schwanken in der Vorabfassung noch stark zwischen unspektakulär und unheimlich-realistisch.

Die Szenarios in den ersten drei Episoden sind nicht wahnsinnig originell: Ihr flieht beispielsweise vor einem wild um sich schießenden Zombie-Cop in eine Waldhütte, durchstreift ein vom Wasser geflutetes Dorf, versteckt euch in einem maroden Krankenhaus und erlebt Unheimliches in einem Bergwerk. Der modernde, eklige, unheimliche, mystische und vor allem exotisch-asiatische Touch, der über dem gesamten Spiel wie ein Nebel liegt und im Hinblick auf 'Silent Hill' zwar vertraut, aber zugleich auch wieder düster-fremd wirkt, macht nach wie vor einen beträchtlichen Teil des Charmes von 'Siren' aus.

Der Sound hingegen überzeugt schon jetzt mit schaurig exotischen Klängen, dem gruseligen Gebrabbel der Shibito und einer ordentlichen englischen Sprachausgabe (mit deutschen Untertiteln). Hervorzuheben ist noch der hervorragende 7.1-Surround-Sound, der vor allem in den Zwischensequenzen brilliert, zum Beispiel wenn heftiger Regen und Donner ertönt.

Fazit

von David Stöckli
Sperrig, schwierig, in Dunkelheit und Verworrenheit versunken – so präsentierten sich die beiden bisherigen ’Forbidden Siren’-Spiele auf der PS2. Sie machten es dem Horror-Fan alles andere als leicht, den Einstieg zu finden. Sicher, vor allem dank des Asia-Horror-Szenarios und vielleicht noch wegen des interessanten Stealth-Aspekts waren die bisherigen Episoden überhaupt von Interesse für westliche Spieler. Das PS3-Abenteuer orientiert sich zwar spielerisch stark an den Vorgängern, scheint aber merklich zugänglicher auszufallen. Dies betrifft nicht nur die Art, wie die vernetzten Handlungen der verschiedenen Protagonisten erzählt werden, sondern auch das eigentliche Gameplay sowie das Leveldesign. Die Episodenaufteilung macht gerade bei ’Siren’ viel Sinn. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob die restlichen Episoden der finalen Fassung zu überzeugen wissen und was es wirklich mit der Menschenopferzeremonie im Dorf Hanuda auf sich hat. Die zweite und dritte Episode des ersten Kapitels machten auf jeden Fall schon mal Lust auf mehr Asia-Gruselkost.

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