Preview - Sinner: Sacrifice for Redemption : Dark Souls aus China: Kongenial oder einfach nur dreist?

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Zum Image der chinesischen Wirtschaft gehört das Klischee, dass dort westliche Produkte billig nachgeahmt werden – oder auf Deutsch gesagt: dreist kopiert. Wer je eines der Souls-Spiele gespielt hat und sich den Trailer von Sinner: Sacrifice for Redemption ansieht, dürfte Déjà-Vus am laufenden Band erfahren: Sinner ist mehr als ein eineiiger Zwilling der From-Software-Familie, das Spiel ist ein reinrassiger Klon.

Der erste Boss von Sinner: der Turmritter. Aus Demon's Souls. Und zwar genau so. Die strahlende Rüstung, der mächtige Schild, das Stampfen mit den Füßen. Während sich andere Entwickler in der Regel wenigstens noch bemühen, das Copy & Paste vom großen Vorbild noch als ein „inspired by“ auszugeben, geben sich die chinesischen Entwickler von Dark Star (keine Ahnung, von denen haben wir auch noch nie gehört) nicht einmal mehr den Anschein, etwas Eigenes zu schaffen.

Der nächste Boss sieht aus wie eine Mischung aus Priscilla, dem Boss in der "Gemalten Welt" von Dark Souls, und Mergos Amme in Bloodborne. Eine Sense, die tödliche Schwünge austeilt, Äxte, die rotieren, sowie fliegende Totenköpfe – wie bei Märtyrer Logarius. Der nächste Boss: Nito. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen, denn er ist es. Im Großen und Ganzen.

Sinner: Sacrifice for Redemption - Announcement Trailer
Fans von Action-Rollenspielen sollen im kommenden Jahr auf den Plattformen PC, PS4 und Xbox One mit Sinner: Sacrifice for Redemption einen neuen Genre-Vertreter

Acht Bosse soll es insgesamt geben. Jeder von ihnen repräsentiert eine der sieben Todsünden, um die sich irgendwie die Geschichte dreht, von der aber noch nicht viel bekannt ist. Wie es sich für ein billiges „Made in China“-Plagiat gehört, gibt es außer diesen acht Bossen … nicht viel. Die Level hat man nämlich einfach weggelassen. Stören ja nur. Es gibt lediglich einen kurzen Weg, meist über eine Brücke, Treppe oder dergleichen, auf dem man einem, vielleicht mal zwei, maximal vier oder fünf Gegnern begegnet. Quasi wie in den Souls-Spielen beim Weg vom letzten Leuchtfeuer zum Boss. Nur kürzer. Das war's.

Aber das war's dann doch noch nicht

Bis hierhin war das viel Lästerei, und wäre das schon alles, was sich über Sinner: Sacrifice for Redemption sagen ließe, wir hätten eher geschwiegen, als euch mit diesem Artikel die Zeit zu stehlen. Doch trotz all der dreisten Abkupferei hat das Plagiat ein gewisses Etwas, das es wert ist, den Titel im Auge zu behalten.

So könnt ihr sämtliche Bosse – über Keilsteine, also wie in Demon's Souls – direkt von Anfang an aufsuchen und in beliebiger Reihenfolge angehen. Der Kniff dabei: Um den Boss „freizuschalten“ müsst ihr jeweils eines eurer Items opfern. Ihr solltet euch also vorher einen Plan machen, in welcher Reihenfolge ihr die Bosse erledigen wollt, denn mit fortschreitendem Spielverlauf werden sie entsprechend schwerer – nicht, weil sie selbst stärker werden, sondern weil eurer Charakter immer schwächer wird. Sinner wird dergestalt zu einer Art "Anti-Rollenspiel": einem, in dem man seinen Charakter nicht auf-, sondern eher ablevelt. Wer schließlich dem finalen Boss ohne seinen Ring der Gesundheit oder gegen Magie-resistenten Schild gegenübersteht, hat es zweifelsohne schwerer als jemand, der ihn gleich zu Beginn erledigt hat.

Denn: Rollenspiel-System mit Leveln und Looten? Gibt es auch nicht. Sinner konzentriert sich einzig und allein auf die Bosskämpfe, soll – je nach Spieler-Skill – vier bis sechs Stunden Spielzeit bieten und entsprechend auch nicht zum Vollpreis erscheinen. Vielleicht ist es gerade diese Beschränkung auf das Wesentliche, die Sinner: Sacrifice for Redemption zum gelungenen Zwischendurch-Snack für Souls-Fans werden lassen könnte.

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