Test - Silent Hunter 4 : Auf Tauchfahrt mit Ubisoft

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Also zieht man nach dem ersten Angriff schleunigst sein Sehrohr wieder ein und macht sich per Schleichfahrt aus dem Staub. Das bedingt allerdings, dass man nur wenig vom Gefechtsgeschehen sieht – und die exzellente 3D-Grafik von 'Silent Hunter 4' kaum zur Geltung kommt. Daher kann man per Optionsmenü eine frei schwenkbare externe Kamera und eine Ereigniskamera zuschalten – die zum Beispiel immer dann aktiv wird, wenn ein Torpedo sein Ziel erreicht. Das ist dann zwar nicht mehr absolut realistisch, macht aber Spaß. Ohnehin ist der Schwierigkeits- und Realismusgrad von 'Silent Hunter 4' sehr flexibel. Einsteiger dürfen zahlreiche Hilfen zuschalten, Profis hingegen wählen Optionen an wie "realistische Nachladezeiten" und "Blindgänger". Dann kann es vorkommen, dass selbst der am besten geplante Angriff scheitert, weil die Torpedos nicht explodieren.

Überhaupt ist 'Silent Hunter 4' von der Atmosphäre her sehr realistisch, erhebt aber nicht den Anspruch, eine schraubengenaue U-Boot-Simulation der Kategorie "Zielgruppe: Maschinenbau-Studenten" zu sein. Das liegt nicht nur an den flexiblen Optionen, sondern vor allem daran, dass der Schwerpunkt des Spiels auf dem Management von U-Boot und Besatzung liegt, nicht auf der Bedienung der einzelnen Systeme. Sicher, wer will, darf Kurs, Geschwindigkeit und Entfernung eines anvisierten Schiffes per Hand in den Torpedodatencomputer eingeben, der daraus den notwendigen Vorhalt berechnet. Die meisten Spieler werden diese Aufgabe jedoch dem Computer überlassen.

Schöner Schiffe versenken

Der Realismus dieses Spiels setzt also weniger bei der Simulation der einzelnen Stationen an, sondern bei der Einsatztaktik und der gesamten Spielatmosphäre. Grafik und Sound vermitteln dem Spieler wirklich den Eindruck, mittendrin zu sein im Pazifik-Seekrieg: Wellen schwappen über den Bug des Schiffes, Unwetter ziehen sich am Horizont zusammen, Explosionen spiegeln sich auf der Wasseroberfläche – keine andere U-Boot-Simulation bringt das so überzeugend rüber. Na ja, das ist zugegebenermaßen nicht schwierig, denn außer der 'Silent-Hunter'-Reihe und dem thematisch in der Gegenwart angesiedelten 'Dangerous Waters' gibt es keine weiteren Vertreter dieses Genres. Das soll das Lob jedoch nicht schmälern: Bei 'Silent Hunter 4' macht es Spaß, einfach nur zuzusehen, wie sich Schiffe durchs Meer bewegen – ganz zu schweigen von den Dutzenden von Arten, wie sie Schlagseite bekommen, auseinander brechen, explodieren und versinken. Sogar die detailliert gestaltete Unterwasserwelt mit Sand, Steinen und Seegras bekommt man zu sehen, wenn man in flachem Gewässer operiert. Das ist aus taktischer Perspektive natürlich eine ungünstige Situation, da man nicht schnell wegtauchen kann – aber es sieht trotzdem gut aus.

Hardware-Hunger wie eine Flugsimulation

Den Preis für die schöne Optik bezahlt man bei den Hardware-Anforderungen: Ein Pentium 4 mit 3 GHz oder Gleichwertiges sollte mindestens im Rechner stecken, ebenso eine flotte 3D-Grafikkarte und vor allem: viel Arbeitsspeicher. 1 GB sind Pflicht, 2 GB sind besser.

Die Verkaufsversion von 'Silent Hunter 4' kommt in zwei Varianten daher: Die Standard-Version mit DVD, kleinem Handbuch und Tastaturbelegungskarte sowie die Collectors Edition, die 10 Euro mehr kostet und zusätzlich noch das Identifizierungshandbuch für alle Schiffstypen enthält – nett, aber nicht zwingend notwendig, da man dieses auch aus der Sehrohr-Sicht im Spiel aufrufen kann.

Beiden Versionen ist gemeinsam, dass die Verkaufsversion noch etwas unfertig ist. Einige Features funktionieren nicht recht und die deutsche Sprachausgabe ist noch nicht auf der DVD enthalten. Das beheben zwei Patches, die Ubisoft schon zur Veröffentlichung bereitstellte: Der eine (120 MB) behebt die Bugs, der andere (160 MB) fügt die deutsche Sprachausgabe hinzu. Wer sein amerikanisches U-Boot lieber mit Englisch sprechender Besatzung fährt, braucht den Sprach-Patch nicht installieren.

Fazit

von Jan Mandler
Am bewährten Spielprinzip von 'Silent Hunter 3' hat sich nicht viel geändert: Viel Realismus, aber per Optionsmenü dosierbar und nicht schraubengenau bei allen Systemen. Dazu schicke Grafik, stimmungsvolle Sound-Untermalung, taktischer Tiefgang und eine dynamische Kampagne mit vielen Wendungen, die für (je nach Zeitraffer-Einstellung) tausende Stunden auf spannender Feindfahrt sorgt. Wer U-Boot-Simulationen mag, kommt um 'Silent Hunter 4' nicht herum. (Anm.d.Red.: Die Wertung bezieht sich auf die gepatchte Version. Für die ungepatchte Retailversion ist ein Abzug aufgrund der Vielzahl der Bugs angebracht.)

Überblick

Pro

  • überzeugender Realismus
  • spannende Atmosphäre
  • motivierende Kampagne

Contra

  • hohe Hardware-Anforderungen

Wertung

  • PC
    86
    %

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