Vorschau - Civilization: Beyond Earth : Interstellar

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Es war schön hier. Etliche Jahre hat uns dieses Stück Erde ausgehalten und als Bewohner akzeptiert. Dieser Ort wurde unser Zuhause und zugleich Schauplatz für unzählige Weltwunder. Doch die Erde ist erschöpft und uns allmählich leid. Schmelzende Polarkappen, eine dichter werdende Ozonschicht und steigende Radioaktivität lassen unser Zuhause zu einem gefährlichen Habitat verkommen. Sid Meier's Civilization: Beyond Earth zeichnet jene Zukunft, vor der wir uns fürchten - der Verbleib auf der Erde ist nicht mehr länger möglich. Wir müssen in die Weiten des Weltraums und uns eine neue Heimat suchen. Dass dieses Vorhaben schwierig und vor allem gefährlich wird, hat uns der neue Civilization-Ableger bereits in den ersten Minuten klargemacht.

Bevor wir die Reise in den Weltraum antreten, stellen wir zunächst die Kolonie zusammen, mit der wir unsere ersten Schritte in eine neue Heimat wagen. Hierbei können wir eine Auswahl von Ausrüstungen und Kolonisten zusammenstellen, die uns bei unserer Neuansiedlung von Nutzen sein werden. Ihr sollt jeden Spielstart individuell beginnen und mit anderen Ausrüstungssets sowie Einheiten bestreiten können. Mit diesem Design-Element soll ein wichtiger konzeptioneller Bestandteil von Beyond Earth eingeführt werden: die Entscheidungsfreiheit. Demnach werdet ihr stets vor Situationen gestellt, die sich auf unterschiedliche Weise lösen lassen.

Sei weise

An dieser Stelle greift auch das neue Questsystem. Im Laufe des Spiels erscheinen diverse Einblendungen, die eine Situation und mehrere mögliche Lösungsansätze beschreiben. So möchten sich beispielsweise zwei Forschungsunternehmen in der Nähe eurer Kolonie ansiedeln – beide Einrichtungen verfolgen einen anderen Forschungsansatz und würden eurer Siedlung je nach Ausrichtung beispielsweise Boni im Rüstungs- oder Biotechnikbereich verschaffen. Aufgrund des Platzmangels könnt ihr euch selbstverständlich nur für eine Einrichtung entscheiden. Wie sieht eure Wahl aus?

Das Questsystem erinnerte uns stark an die Handlungsmechanik des Indie-Hits FTL, wo dem Spieler in jedem neuen Sektor zufallsgenerierte Handlungssituationen samt multiplen Entscheidungsmöglichkeiten vorgesetzt wurden. Durch das Questsystem erhält Beyond Earth einen gewissen Grad an Dynamik und wird in seinen strickt rundenbasierten Zügen aufgelockert. Darüber hinaus bieten die einzelnen Quests keine plumpen Schwarz-Weiß-Entscheidungen, sondern fallen je nach Betrachtungsweise gut oder schlecht aus. Die Entwickler gehen sogar so weit und sagen, dass ihr im klassischen Sinn keine schlechten Entscheidungen treffen könnt, sondern „nur gute“. Wie gut, entscheidet ihr selbst.

Sid Meier's Civilization: Beyond Earth - PAX East 2014 Announcement Trailer
Auf der PAX East in Boston wurde Civilization: Beyond Earth offiziell angekündigt; wir zeigen euch den ersten deutschsprachigen Trailer.

Never change a winning team

Was die grundsätzliche Spielweise von Beyond Earth angeht, hat sich Entwickler Firaxis auf das bewährte System von Civilization V verlassen. Die Karte ist wieder in Hexfelder aufgeteilt. Auf diesen Feldern könnt ihr pro Runde Einheiten befehligen, Land erweitern oder beackern, um anschließend weitere Einrichtungen oder gar eine neue Siedlung zu errichten. Da wir uns jedoch nicht auf der Erde befinden, ist bei jedem Zug Vorsicht geboten. Einige Felder werden von einer Art giftigem Nebel begleitet, der eure Einheiten pro Runde eine ordentliche Anzahl Energiepunkte kostet.

Darüber hinaus tummelten sich auf unserer Karte unzählige außerirdische Wühlwürmer, die zwar nicht auf direktem Konfrontationskurs mit uns waren, dennoch alles kurz und klein schlugen, was ihnen in die Quere kam – unsere Siedlung und Einrichtungen eingeschlossen. Den Würmern mit der nächstbesten Einheit Einhalt zu gebieten, stellte sich als nicht sonderlich klug heraus, zumal die außerirdischen Kreaturen einiges wegstecken konnten und wir sie mit unseren Angriffen nur zusätzlich reizten.

Wichtig zu wissen: Jede außerirdische Lebensform illustriert mit einem Symbol über der grafischen Einheit den aktuellen Reizzustand. Während ein grünes Symbol auf friedlich eingestellte Außerirdische hinweist, solltet ihr euch vor Aliens mit orangefarbenen oder roten Symbolen in Acht nehmen: Diese sind nicht zu Scherzen aufgelegt und greifen euch bei der nächstbesten Gelegenheit an. Angreifen könnt ihr wie schon in Civilization V mit jeder Einheit – für Gefechte werden aber natürlich die dafür trainierten Einheiten empfohlen. Sind die nicht in Reichweite, könnt ihr auf die nächste Neuerung in Beyond Earth zurückgreifen: die „orbitale Ebene“.

Meta-Ebene

Zur der normalen Landkarte verläuft parallel die orbitale Ebene, auf der ihr beispielsweise Satelliten platziert. Diese können militärischer Natur sein und euren Bodentruppen zusätzliche Feuerkraft liefern. Allerdings könnt ihr Satelliten auch volkswirtschaftlich einsetzen und direkt über eurer Stadt positionieren. Dadurch greift ihr Boni im Bereich der Landwirtschaft ab und verzeichnet einen schnelleren Zuwachs an Ressourcen. Die orbitale Ebene konnten wir während unserer Spielzeit leider nicht ausprobieren, dennoch zeigt sich das Konzept dahinter als äußerst ausgeklügelt. Es könnte einen schönen Mehrwert bieten.

Fazit

Ilyass Alaoui - Portraitvon Ilyass Alaoui

Civilization V war eine Meisterleistung. Dementsprechend ist es von Entwickler Firaxis nur klug, auf dem bewährten System aufzubauen und es für einen neuen Ableger konsequent weiterzuentwickeln. In Beyond Earth werdet ihr alles finden, was ihr in der Serie lieben gelernt habt: rundenbasierte Züge, extrem umfangreiche Forschungs- und Produktionsbäume sowie viel Raum für die Interaktion mit der Umwelt und anderen Fraktionen. Hinzu kommt der nicht zu übersehene Alpha-Centauri-Einschlag, der jedem Fan wohl die Freudentränen ins Gesicht treibt. Das Zukunftsszenario zeigt sich alles andere als deplatziert und reiht sich nahezu fließend in das Hexagon-System von Civilization V ein. Zusätzlich kommen sinnvolle und interessante Neuerungen wie das Questsystem oder die orbitale Ebene, die dem Spiel zusätzliche Tiefe und Dynamik verleihen. Zwar durfte ich nur knapp 50 Runden mit Beyond Earth verbringen, dennoch hat sich der berüchtigte Suchteffekt relativ schnell eingestellt, sodass ich locker noch weitere 50 Runden hätte spielen können. Im dritten Quartal 2014 soll es endlich so weit sein und das nächste Kapitel der Civ-Reihe beginnen. Ich sehe mich schon die Nächte durchmachen. Schon wieder.