Test - S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl : Total verstrahlt oder strahlender Hit?

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Artefakt-Jagd in Tschernobyl

Natürlich verfügt 'S.T.A.L.K.E.R' auch über einen Multiplayer-Modus, der vom Umfang her allerdings eher schmückendes Beiwerk ist. Drei Spielmodi – Deathmatch, Teamspiel und Jagd auf das Artefakt – erwarten insgesamt bis zu 32 Spieler. In Jagd auf das Artefakt geht es darum, dass zwei Gruppen von Spielern versuchen, ein zufällig erscheinendes Artefakt einzusammeln und sicher zur Basis zu bringen. Die Ausstattung für das Gefecht wird ähnlich wie in 'Counter-Strike' gehandhabt, das heißt, zu Beginn könnt ihr euch per Kauf-Menü mit dem Nötigsten ausrüsten. Zusätzliches Geld erwerbt ihr durch eure „Leistungen“ im Gefecht.

Die zehn Maps bieten unterschiedliche Umgebungen und sind zudem für unterschiedliche Spielerzahlen ausgelegt, sodass auch weniger gut besuchte Sessions nicht in öder Suche nach dem Gegner ausarten. Lobenswert: Eine Option für die Einrichtung eines dedizierten Servers ist enthalten. Sehr schön ist, dass die Umweltauswirkungen wie Wetter, Tageszeit oder Anomalien auch hier ihre Auswirkung haben, was hin und wieder die Taktiken der Spieler beeinflussen dürfte. Die Maps sind im Großen und Ganzen gut designt und bieten viele taktische Möglichkeiten.

Verseuchung, Rost und Plattenbauten

Sehr viel Mühe hat sich GSC bei der grafischen Darstellung des Spiels gegeben. Die Charaktere sehen durchweg ansprechend aus, die Animationen wirken gelungen. Die Mutationen, die sich in der Zone tummeln, wirken einfallsreich. Das eigentliche Highlight ist aber die authentisch wirkende Spielwelt, was nicht zuletzt den realistischen und sehr plastisch wirkenden Texturen insbesondere bei den Gebäuden zu verdanken ist und den zahlreichen Animationen und Details. Staubwolken wehen durch die Gegend, Raben kreisen am Himmel und das Gras wogt im Wind. Alles wirkt zerfallen, ungesund und verseucht. Dazu kommen schicke Effekte beim Auftreten der Anomalien, fließende Tag-/Nacht- und Wetterwechsel, gute Ausleuchtung und feine Schattenwürfe. Da verzeiht man gern, dass man hier und da der Engine das betagte Alter schon etwas anmerkt. Fast schon peinlich sind dagegen die zahlreichen Clipping-Fehler, immer wieder sieht man Waffen oder Körperteile durch Wände ragen.

Im Hinblick auf die Systemleistung gibt sich 'S.T.A.L.K.E.R.' nicht gerade genügsam. Auf unserem Testrechner, immerhin mit einer GeForce 7900 und 2 GB RAM ausgestattet, blieb das Spiel bei 1280x1024 und vollen Details zwar spielbar, von einer wirklich flüssigen Framerate konnte man allerdings nicht reden. Probleme gab es bei der Verwendung einer ATI X1800XT auf einem Rechner, der zu den berüchtigten VPU Recovers neigt. Diese traten dort regelmäßig wenige Sekunden nach Spielstart auf, ganz im Gegensatz zu sporadischen Problemen bei anderen Titeln. Glücklicherweise bietet das Spiel eine Unmenge von Optionen, um die Performance an den eigenen Rechner anzupassen.

Ein weiteres Schmuckstück ist die tolle Audiokulisse. Zwar wurden nicht alle Dialoge mit deutscher Sprache unterlegt, doch da, wo es der Fall ist, sind die Sprecher durch die Bank sehr gut. Von unwichtigen NPCs hört ihr russische Gesprächsfetzen. Die Vergabe von Aufträgen bei den NPCs wird allerdings leider nicht mit Sprache verschönt. Die Hintergrundmusik gibt sich sehr dezent und versucht eher, Atmosphäre und ein gewisses Unbehagen beim Spieler zu erzeugen. Dazu sind immer wieder Geräusche von Kreaturen zu hören, entfernte Feuergefechte oder Schreie, was insgesamt eine beunruhigende Stimmung aufkommen lässt. Schwach hingegen sind die Geräusche von Schritten oder heftiges Atmen der Charaktere, diese klingen wie auf einem schlechten Synthesizer generiert. Sehr gelungen und kräftig sind dafür die Waffensounds.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
'Gothic' meets 'Far Cry' meets 'Fallout' – so könnte man dieses Spiel mit wenigen Worten beschreiben. Eine authentisch wirkende, lebendige und ungemein atmosphärische Spielwelt, in der man viele Freiheiten hat, trifft auf spannende Shooter-Action mit packenden Kämpfen und dazu gibt es viel zu erkunden und zu erleben in dem düsteren Szenario. 'S.T.A.L.K.E.R.' ist nicht perfekt, beileibe nicht. Immer wieder stolpert man über kleine unschöne Patzer, die man eigentlich nach der langen Entwicklungszeit nicht mehr erwarten würde, und nicht selten hat man das Gefühl, dass die Entwickler mit mehr Zeit NOCH mehr aus dem Spiel hätten herausholen können. Aber dennoch ist 'S.T.A.L.K.E.R.' ein famoser Shooter, der in einigen Bereichen seinesgleichen sucht, insbesondere bei der durchweg bedrückenden Atmosphäre. Bevor dieses Spiel von meinem Rechner fliegt, wird noch viel Zeit ins Land ziehen, erst will ich jeden Meter der „Zone“ erkundet haben.

Überblick

Pro

  • allgemein sehr gute KI
  • tolle Atmosphäre
  • lebendige Spielwelt
  • sehr freies Gameplay
  • unzählige Missionen
  • sehr informatives Journal
  • sehr viele Aufgaben
  • immens viele Gegenstände
  • überzeugende Grafik

Contra

  • gelegentliche KI-Aussetzer
  • viele Clipping-Fehler
  • keine nutzbaren Fahrzeuge
  • Physiksystem nur kosmetisch
  • nur 3 Spielmodi im Multiplayer
  • häufige Ladehaker
  • Nebenmissionen wiederholen sich

Wertung

  • PC
    85
    %

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