Test - Rocket League : Der Überraschungs-Multiplayer-Hit

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Wenn plötzlich und ohne große Vorwarnung sowohl die Steam- als auch die PSN-Server zu qualmen beginnen, kann das eigentlich nur am Release eines lange erwarteten Blockbusters liegen. Oder es handelt sich – wie in diesem Fall – um einen absoluten Überraschungs-Hit, den zuvor niemand wirklich auf der Rechnung hatte. Rocket League!

Einige von euch dürften sicherlich die Auto-Ball-WM kennen, die Stefan Raab bereits mehrfach bei Pro Sieben veranstaltet hat. Mehrere Autos machen auf einem großen Spielfeld Jagd auf einen ebenfalls nicht gerade klein dimensionierten Ball und versuchen, diesen ins gegnerische Tor zu bugsieren. Behaltet dieses Bild vor eurem geistigen Auge und garniert es jetzt noch mit einer gehörigen Portion Tempo sowie abgedrehten Sprungeinlagen sowie anderen spektakulären Aktionen. Das Ergebnis kommt dem recht nahe, was ihr in Rocket League erlebt.

Auto-Ball auf Droge

Das Spielprinzip ist in der Tat so simpel, wie es sich im ersten Moment anhört, In verschiedenen Arenen treten mindestens zwei bis maximal acht Spieler gegeneinander an, um eine auf fünf Minuten begrenzte Partie Power-Auto-Fußball auszutragen. Der Ball ist ungefähr so groß wie die Autos, verhält sich aufgrund seiner Masse etwas träge, folgt dabei aber einer stets nachvollziehbaren Physik. Nur wer die Flugbahn und das Sprungverhalten des Balls in seine Aktionen einbezieht, wird letztendlich ein erfolgreicher Auto-Ball-Spieler.

Doch einfach nur die Kugel ins Tor zu schubsen, wäre ziemlich schnell eintönig. Glücklicherweise könnt ihr eurem Auto nicht nur per Nachbrenner einen ordentlichen Schub verpassen, sondern ihr dürft zu Sprüngen, Rollen in alle erdenkliche Richtungen und Fahrten an der Spielfeldbegrenzung ansetzen. Die Steuerung ist ebenso simpel wie zugänglich. Es zählt stets nur das Können des Spielers und nicht etwa irgendwelche Werte einzelner Autos.

Tatsächlich bietet Rocket League diesbezüglich enorm viel Tiefgang. Geübte Spieler setzen zu unglaublichen Salto-Sprüngen mit anschließendem Torschuss an, während gute Teams sogar einstudierte Spielzüge durchziehen. Es ist der schiere Wahnsinn, was emsige Spieler bereits kurze Zeit nach dem Release von Rocket League an Kunststücken abliefern.

Wenig drin, aber dennoch klasse

Doch keine Angst, denn Einsteiger werden hier nicht von Beginn an in Grund und Boden gestampft. Ein relativ gut gelungenes Matchmaking-System sorgt dafür, dass ihr in den meisten Fällen gegen Spieler desselben Niveaus antretet. Nur selten hatten wir bei unseren Testpartien Probleme mit zu unausgeglichenen Partien. Für zusätzliche Motivation sorgt ein Level-System, das auf Toren, Vorlagen, Paraden und anderen Aktionen basiert. Allerdings schaltet ihr auf diese Weise ausschließlich kosmetische Extras frei – die Autos spielen sich allesamt gleich. Das sorgt für Chancengleichheit.

Am meisten Spaß macht Rocket League natürlich im Multiplayer-Modus, auf Wunsch auch im Splitscreen mit bis zu vier Spielern gleichzeitig auf der heimischen Couch. Zwar könnt ihr auch alleine auf Torejagd gehen, doch dann stehen euch lediglich ein Training, Freundschaftsspiele sowie eine etwas öde Saison zur Auswahl.

Rocket League - Splitscreen Multiplayer Trailer
Hier seht ihr den neuen Multiplayer-Trailer zu Rocket League mit Szenen aus dem Splitscreen-Modus.

Okay, größer ist die Vielfalt im Online-Part dann auch wieder nicht – hier gibt es nur Playlists und Ranking-Partien zur Auswahl. Doch wenn sich zwei Vierer-Teams in einem Online-Match gegenüberstehen, geht es richtig zur Sache und das Spielgeschehen läuft zu seiner Höchstform auf – Zeit zum Verschnaufen gibt es keine. Nach jeder Partie gibt es Statistiken, die leider sämtliche Modi in einen Topf stecken – etwas blöd.

Allem Multiplayer-Spaß zum Trotz haben wir auch Kritik an Rocket League. Neben der geringen Anzahl an Spielmodi, ist auch die Auswahl an Arenen (vier Stück) ziemlich überschaubar. Diese sehen zwar hübsch aus, dürften aber gerne noch etwas mehr Interaktivität bieten. Außerdem waren die Server bei unseren Testpartien vor allem in den Abendstunden oftmals überlastet, was zu langen Wartezeiten geführt hat. Auch die Grafik setzt nicht gerade zu Höhenflügen an und ist eher zweckmäßig gehalten. Wirklich schlecht ist die Optik deswegen keinesfalls, aber man erkennt deutlich, dass es sich nicht um eine Big-Budget-Produktion handelt.

Fazit

André Linken - Portraitvon André Linken
Hier zündet die Spielspaß-Rakete

Es gibt sie also noch immer: Diese Spiele, die man vorher absolut nicht auf der Rechnung hat, und die sich als Spaßgranate entpuppen. In den vergangenen Jahren hatte ich selten so viel Freude an Multiplayer-Partien wie bei Rocket League. Es ist genauso simpel wie es gleichzeitig auch faszinierend ist. Was im ersten Moment nach einem heillosen Durcheinander aussieht, entwickelt sich nach etwas Eingewöhnung zu einem echten Knaller.

Wer mal sehen will, zu welchen Aktionen die geübten Spieler bereits fähig sind, sollte sich mal diverse Live-Streams bei Twitch & Co. angucken. Klar, der Umfang von Rocket League ist insgesamt gesehen etwas mager, die Grafik nicht überwältigend und die Server-Probleme nervig. Doch es ist dieser Kurzzeit-Boost an Spielspaß, der euch immer wieder zum Controller greifen lässt. Wer auf schnelle Multiplayer-Action steht, kommt voll auf seine Kosten.

Überblick

Pro

  • leicht zugänglich
  • Können des Spielers entscheidet und kein Skillsystem
  • temporeiches Spielgeschehen
  • Ranglistenspiele
  • sowohl Splitscreen- als auch Online-Modus

Contra

  • geringer Umfang
  • optisch kein Überflieger
  • zeitweise überlastete Server

Wertung

  • PS4
    8.0
    /10

Awards

  • Mehrspieler
    • PS4

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