Preview - Risen 3: Titan Lords : Zurück zu den Wurzeln?

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„Aller guten Dinge sind drei“ gehört nicht gerade zu den Standardsprüchen bei Piranha Bytes. Mit Gothic 3 begann der Niedergang der Reihe, der vierte Teil aus anderem Hause schaufelte schließlich endgültig ihr Grab. Doch vielleicht klappt es dieses Mal ja besser. Etwas überraschend kündigte das Studio kürzlich den dritten Teil des Ruhrpott-Rollenspiels Risen an, der bereits im August erscheinen soll. Publisher Deep Silver ließ es sich nicht nehmen, uns mit einer ersten Version des Spiels in unseren heiligen Hallen zu beglücken.

Um die Reihe weiter in die durchaus nicht unerfolgreiche Spur zu bringen, will Piranha Bytes zurück zu den Wurzeln. Mittelalter-Fantasy statt Arrrrrrr-Piraten, düsterer und offener soll es sein, weniger linear und mit mehr Freiheiten. Die Erkundung soll wieder mehr im Vordergrund stehen und spielerische Freiheit sowieso. Scheint, als haben die Entwickler auf dem Dachboden herumgewühlt und die alten Gothic-Rezepte nun doch wieder hervorgekramt. Erneut steigen wir in die Stiefel eines namenlosen Helden, jedoch gehören sie einem anderen als noch im Vorgänger. Aber auch er steht vor schier unlösbaren Problemen.

Typisch Piranha Bytes

Während die Titanen in der Spielwelt weiterhin munter Krieg führen und damit die Verbindung zu den anderen Serienteilen herstellen, gerät der Namenlose in die Fänge seltsamer Schattenkreaturen. Die machen sich unter der Führung von Schattenlords in der gesamten Spielwelt breit, hervorströmend aus schädelförmigen Höhlen, die sich aus der Erde erheben. Unschön für unseren Namenlosen: Die Kreaturen rauben ihm seine Seele. Damit findet er sich natürlich nicht ab, er will seine Seele zurückhaben. Auf geht es also zum neuen Refugium der Magier auf der Insel Taranis, wohin die Truppe vor der Inquisition geflüchtet ist. Wenn da nur nicht dauernd diese seltsamen Träume wären, die mal hilfreiche Informationen geben, mal eher verwirren.

Schon bei den ersten Schritten bemerkt man die typische Handschrift von Piranha Bytes mit ihrem rauen, aber immer wieder charmanten und eigenständigen Stil. Technisch reißt Risen 3: Titan Lords keine Bäume aus, aber die handgearbeiteten Umgebungen wirken bodenständig und authentisch, keine Spur von generischer Fließbandarbeit. Die Spielwelt soll dabei allerlei Abwechslung zu bieten haben: von Küsten über Wälder und bergige Regionen mit Minen und Höhlen bis hin zu den Schattenlanden, aus denen die neue Bedrohung stammt. Und natürlich verfügen die Bewohner der Spielwelt wieder über ihre eigenen Tagesabläufe und reagieren auf die Aktionen des Spielers. Ein unbefugter Besuch in einem Wohnhaus wird wie gewohnt mit dem Ruf nach den Wachen quittiert.

Handlung mit Konsequenzen

Die Charaktere verfügen ebenfalls über den Piranha-Bytes-typischen Charme. Hübsche, etwas farbenfrohere Klamotten, raue, erdige Dialoge. Und endlich eine verbesserte Gestik, die dafür sorgt, dass die seltsamen Gestalten, auf die man trifft, nicht mehr ganz so durchgeknallt wirken. NPCs spielen natürlich eine große Rolle, zumal man sich Gilden und Fraktionen wieder mehr oder minder anschließen kann - oder man macht sie sich durch unbedachte Taten zum Feind. Eigene Aktionen wirken sich übrigens auf den Seelenzustand des Helden aus, der dadurch mal eher zum Menschlichen, mal zum Dämonischen tendiert. Das soll Konsequenzen für das Verhalten der NPCs haben, die sich zum Beispiel von einem abwenden können. Klingt gut.

Natürlich besteht euer Heldenleben aus einer ganzen Reihe an Quests. Die jedoch sollen weitaus weniger linear aneinandergereiht werden, sondern euch deutlich mehr Freiheiten bieten. Das gilt sowohl für die Reihenfolge als auch die Lösungswege. Wobei all dies Konsequenzen haben soll. Um beispielsweise Einlass bei den Magiern zu erhalten, könnt ihr Aufgaben für deren Wachgeneral erledigen oder aber alternative Wege ins Gebäude suchen, wobei mitunter auch Klettern oder Schwimmen zu euren sportlichen Betätigungen gehören. Dass ihr auf einige Figuren aus den ersten beiden Teilen treffen werdet, ist fast schon selbstverständlich.

Bekannte Elemente

Ansonsten entdeckt man viele bekannte Elemente aus den Vorgängern. Ihr sammelt Ruhmpunkte, um eure Fähigkeiten zu verbessern. Interface und Inventar ähneln sehr denen aus Risen 2. Das HUD bietet Minikarte, zwei Waffen-Slots und auf den Tasten 1 bis 10 weitere frei belegbare Fertigkeiten und Optionen. Im Kampf nutzt ihr per Maus und Tastatur leichte und harte Schläge, Paraden, Konter oder Angriffe mit einer Zweitwaffe wie einer Pistole. Ausweichmanöver gehören ebenso zum Repertoire wie ein leichtes Kombosystem. Das Kampfsystem wurde von Grund auf neu gestaltet und muss sich natürlich erst in der praktischen Anwendung beweisen. Zumindest die Animationen zeigen auf den ersten Blick deutliche Fortschritte. Elementarmagie darf natürlich auch nicht fehlen und am Lagerfeuer bastelt ihr aus Fleisch und Gemüse Proviant.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp

Es war nur ein kurzer Abstecher in die Welt von Risen 3, doch der stimmt uns optimistisch. Nach dem noch etwas wackligen ersten Teil und dem Abstecher in die Welt der Piraten widmet sich der dritte Ableger wieder mehr der düsteren Fantasy, gewohnt erdig und bodenständig, handgemacht, wenn auch ohne technische Finessen. Sollte es so sein, dass die Handlung überzeugt, die Charaktere im Gedächtnis bleiben und die so heiß geliebten spielerischen Freiheiten früherer Piranha-Bytes-Titel wieder mehr zum Tragen kommen, steht langen Rollenspielnächten im August nichts mehr entgegen. Großartige Innovationen dürfen wir sicherlich nicht erwarten, aber wenn Piranha Bytes es wirklich schafft, sich auf all die alten Stärken zu besinnen, können wir uns freuen. Umso mehr im Hinblick auf die Tatsache, dass das Rollenspielgenre derzeit nicht gerade stark bestückt ist und The Witcher 3 noch lange auf sich warten lässt. Den ersten Eindrücken nach könnte Risen 3: Titan Lords durchaus der stärkste der drei Teile werden.

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