Test - Richard Burns Rally : Richard Burns Rally

  • PS2
  • Xbox
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Bei allem Realismus in Sachen Fahrphysik und Schadensmodell fällt allerdings auf, dass die Entwickler gepatzt haben und ein Problem, das wir bereits beim Preview-Event in Newcastle bemängelt haben, nicht behoben haben. Die Fahrzeuge an sich wirken nämlich bei weitem zu leicht und hoppeln bei stärkeren Unebenheiten oder Unfällen mit Überschlag wie eine getretene Cola-Dose durch die Gegend, was das ohnehin schon knackige Fahrzeug-Handling alles andere als erleichtert. Sehr ärgerlich, denn dieser Patzer vermurkst so einiges, nämlich das Gefühl des Realismus und die Nachvollziehbarkeit des Fahrzeugverhaltens in bestimmten Situationen.

Klasse statt Masse

Vom reinen Umfang her haut einen 'Richard Burns Rally' nicht unbedingt aus den Socken. 36 Strecken werden geboten, jeweils sechs in den sechs verschiedenen Ländern, von denen jeweils nur eine Piste zu Beginn verfügbar ist, der Rest will erst freigeschaltet werden. Auch bei den Fahrzeugen ist nicht gerade Umfang Trumpf. Ganze acht Boliden, allesamt typische lizenzierte Wagen wie Subaru Imprezza oder Mitsubishi Lancer EVO warten auf euch, von denen zu Beginn auch nur drei verfügbar sind. Unterm Strich macht sich der vergleichsweise magere Umfang aber nicht negativ bemerkbar, denn ihr werdet mehr Zeit damit verbringen, die Fahranforderungen zu meistern, als munter mit 186 Fahrzeugen auf 2535 verschiedenen Strecken rumzubrettern.

Die Spiel-Modi umfassen ebenfalls nur den üblichen Standard. Ihr könnt Einzelrennen absolvieren, mit freigeschalteten Wagen und Strecken natürlich, letztere mit verschiedenen Wetterbedingungen. Des Weiteren wartet ein Saison-Modus auf euch, in welchem ihr euch vom Anfänger bis zum Meister hocharbeiten könnt. Im Multiplayer-Modus tretet ihr offline abwechselnd gegen bis zu drei weitere Mitspieler an und ringt um die Bestzeiten. Ein Online-Modus ist übrigens nicht vorhanden, auf der Xbox könnt ihr lediglich eure Bestzeiten für ein Ranking uploaden. Den Abschluss bildet eine Challenge, in welcher ihr gegen das Ghostcar von Richard Burns selbst antretet.

Schicker Sound und schöne Strecken

Visuell hat Warthog gute Arbeit geleistet. Die Strecken und Umgebungen wirken fast schon fotorealistisch und sind damit allerdings auch farblich etwas trister als die bunten Pisten von 'Colin' oder 'RalliSport Challenge'. Nette kleine Animationen wie von der Strecke rennende Zuschauer sorgen für Leben auf und an der Piste. Auch ist schön zu sehen, dass Objekte in der Umgebung bei einer Kollision nicht wie einbetoniert liegen bleiben, denn Zäune zerbröseln oder Holzstücke fliegen durch die Gegend. Die Fahrzeug-Modelle wirken ebenfalls detailliert und gelungen, bis hin zum optisch gut umgesetzten Schadensmodell. Einzig die Nahansicht von Objekten auf den Strecken bietet erschreckend grobe und verwaschene Texturen. Insgesamt werden übrigens drei Kamera-Perspektiven geboten, Verfolger, Cockpit (ohne Armaturen) und Stoßstange. In den Replays könnt ihr übrigens jederzeit zwischen den Perspektiven umschalten. Die PS2-Version wirkt insgesamt etwas unschärfer, muss sich aber hinter der Xbox-Version nicht verstecken und sieht für PS2-Verhältnisse gut aus. Erfreulich bei beiden Konsolen ist die recht stabile Framerate.

So richtig geil wird es beim Sound. Die Musik bietet erfreulich schicke Tracks, die sich wohltuend vom üblichen Gedudel bei Rallye-Spielen unterscheiden. Absolut überzeugen kann der Ingame-Sound. Die Fahrzeuge klingen abhängig von Perspektive, Umgebung und Fahrzeugzustand so richtig fett und rotzig, dass es eine wahre Wonne ist und man freiwillig den Motoren-Sound lauter stellt. Letzteres entsteht dadurch, dass Warthog einen Mischsound kreiert, der sich aus den Sounds verschiedener Komponenten des Wagens zusammensetzt, so dass auch Schäden bestimmter Fahrzeugteile sofort hörbar sind. Besser geht es nicht, und da kommt derzeit auch kein anderes Rallye-Spiel heran. Auch die Beifahrer gehen mit ihren akkuraten Ansagen in Ordnung, beim deutschen Kopiloten müsst ihr euch allerdings erst etwas an die im Handbuch erklärten Formulierungen gewöhnen, denn diese unterscheiden sich deutlich von denen anderer Rallye-Spiele.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Ich muss gestehen, dass ich mich bei 'Richard Burns Rally' etwas mit der Wertung schwer tue. Auf der einen Seite ist das Spiel eine visuell gelungene und gnadenlos realistische Simulation mit nur wenigen Macken, an der Rallye-Profis ihre helle Freude haben werden. Auf der anderen Seite ist es ein bockeschweres Spiel mit einer langen Lernphase, das immens viel Geduld und Lernbereitschaft fordert, jeden Fehler gnadenlos bestraft und den Gelegenheits-Zocker und Sonntagsfahrer schlichtweg überfordert. Aber ein als Simulation konzipiertes Spiel sollte man auch als solches bewerten und so ringe ich mich als Belohnung für das realistischste Rallye-Spiel aller Zeiten zu einer 87%-Wertung durch. Durchschnittszocker und diejenigen, für die 'Colin 04' und 'RalliSport Challenge 2' das Nonplusultra des Rallye-Spiels darstellen, dürfen davon getrost 10-15% abziehen und das Ding zur Schonung von Gebiss und Tischkante im Laden stehen lassen.

Überblick

Pro

  • enorm realistisches Schadensmodell
  • sehr realistische Fahrphysik
  • viele Tuning-Möglichkeiten
  • gelungene Rallye-Schule
  • grafisch sehr authentisch
  • anspruchsvolle Strecken
  • klasse Sound

Contra

  • Fahrzeuge wirken zu leicht
  • lange Ladezeiten
  • extrem schwer
  • lange Lernphase
  • wenige Strecken und Fahrzeuge

Wertung

  • PS2
    86
    %
  • Xbox
    87
    %

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