Test - Richard Burns Rally : Richard Burns Rally

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Nur noch wenige Sekunden bis zum Start, die Anspannung steigt. Endlich, die Freigabe, Vollgas und los geht’s. Mein Kopilot kündigt die erste Kurve an, kein Problem, kurz die Handbremse antippen und die Kiste herumzirkeln und mit Vollgas weiter ... *krachschepper*. Oops, was ist den jetzt passiert? Neuer Versuch, andere Strecke. Eine schöne lange Gerade auf Schotter mit einer leichten Biegung - na das gehen wir doch mit Vollgas an. Der Tacho steigt auf 170, nun leicht reinlenken ... *krachschepper*. So was, da hab ich doch die Kontrolle über den Wagen verloren. Kann es etwa sein, dass ich es hier mit einer Simulation zu tun habe?

So oder so ähnlich dürften wohl die ersten Gehversuche der meisten Spieler aussehen, die sich 'Richard Burns Rally' vorknöpfen und meinen, mit ihren 'Colin 04'- oder 'RalliSport Challenge 2'-Erfahrungen meistern sie jedes Rallye-Spiel. Doch daraus wird hier nichts, denn im Vergleich zu 'Richard Burns Rally' entpuppt sich auch 'Colin' als bodenständiges Arcade-Spiel und 'RSC 2' als Spiel für Rentner mit Gicht. Was die Entwickler von Warthog hier vorlegen, hat auch einen ganz anderen Anspruch, denn es handelt sich hier definitiv um eine beinharte und ultrarealistische Simulation des Rallye-Sports, ohne Wenn und Aber.

Realismus pur

In Sachen Fahrphysik haben die Entwickler in jedem Fall ganze Arbeit geleistet. Nie war ein Rallye-Spiel realistischer, aber auch schwerer. Auf losem Untergrund habt ihr selbst auf geraden Abschnitten schon reichlich zu tun, um den Wagen auf der Piste zu halten, denn jede Unebenheit beeinträchtigt die stabile Lage des Autos und bereits leichte Lenkmanöver können euch in den Graben schicken. Und das Kurven fahren will erst recht gelernt sein. Wer à la 'Colin' kurz vor der Kurve mit Wucht an der Handbremse zerrt, um den Wagen flugs mal um die Ecke zu zirkeln, der erlebt eine böse Überraschung und landet prompt im nächstbesten Gebüsch. Und das gar nicht mal wegen der Kurve selbst, sondern bereits das scharfe Bremsen sorgt dafür, dass ihr Ruckzuck die Kontrolle über das Fahrzeug verliert. Hier ist Gas geben und Bremsen mit viel, sehr viel Gefühl und Voraussicht angesagt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Lenkung ebenfalls sehr sensibel reagiert. Wohl dem, der ein Force Feedback-Lenkrad für seine Konsole zu Hause hat, denn die Lenkrad-Steuerung wurde exzellent implementiert und geht deutlich besser von der Hand, als die Steuerung mit dem Pad. Interessanterweise gibt sich die PS2-Version etwas zahmer als die Xbox-Version, irgendwie wirkt die Lenkung weniger sensibel und dafür direkter.

Leider bewirkt dieser immense Realismus auch, dass 'Richard Burns Rally' eine lange Einarbeitungszeit fordert, bis ihr konkurrenzfähige Zeiten abliefern könnt. Die sehr gelungene Rallye-Schule hilft dabei zwar etwas, aber eigentlich gibt es nur eine Methode zum Erfolg: üben, üben und nochmals üben, bis ihr jede Schraube eures Wagens und jeden Kiesel auf der Piste blind kennt. Bis dahin werdet ihr die Piste sicher einige Male wie ein Opa mit Hut beim Sonntagsausflug entlang fahren. Die besagte Rallye-Schule ist übrigens weit mehr als nur eine spaßige Dreingabe, denn hier könnt ihr in der Tat die Fahrmanöver der Profis von der Pike auf erlernen und das tut zum Teil auch Not.

Bis zur kleinsten Feder simuliert

Es lohnt sich auch durchaus, einen tieferen Blick auf das Tuning zu werfen. An Tuning-Möglichkeiten wird immens viel Tiefgang geboten. Vom Differential bis zur Federkraft jeder einzelnen Feder und dem Reifendruck gibt es so ziemlich nichts, was ihr nicht am Fahrzeug einstellen könnt, um das Fahrverhalten zu optimieren und den Wagen zu stabilisieren. Das will natürlich auch erst mal gelernt sein und technische Laien starren wohl zunächst mit tief gefurchter Stirn auf den Tuning-Bereich. Glücklicherweise werden alle Tuning-Optionen im Handbuch recht umfassend erklärt, dennoch gibt es hier viel Raum fürs Experimentieren und das Sammeln eigener Erfahrungen, wie sich welche Einstellung auf das Fahrzeug auswirkt. Wer sich allerdings die Zeit nimmt, übt und auf die Optionen einlässt, bekommt ein Rallye-Erlebnis geboten, wie es derzeit kein anderes Spiel bieten kann.

Doch damit nicht genug, denn neben Fahrphysik und Tuning sorgt auch das detaillierte Schadensmodell für Schweiß auf der Stirn. Selbiges geht enorm in die Tiefe und es gibt quasi kein Teil am Fahrzeug, das nicht irgendwie beschädigt werden kann. Auch ist das System sehr sensibel und realistisch: wer sein Auto mit aller Gewalt über die Piste jagt und keinen Holzklotz auslässt, der kommt nicht weit. Wenn ein wichtiges Teil des Wagens beschädigt wird, kann bereits eine unglückliche Kollision ausreichen, um euch am Erreichen des Etappenzieles zu hindern,. Das ist zwar realistisch, kann aber auch zu Frustmomenten führen, wenn ein einziger blöder Fahrfehler euren Boliden ins virtuelle Auto-Jenseits schickt. Glücklicherweise gibt es mehrere Basis-Einstellungen für das Schadensmodell.

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