Test - Resident Evil 7: Not a Hero & End of Zoe : Die Bakers sind tot. Es leben die Bakers!

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Im Januar dieses Jahres zeigte sich Resident Evil wieder in altem, vermodertem Glanz. Knapp ein Jahr später reicht Capcom nun einen Schwung DLCs nach. So ganz werden Not a Hero und End of Zoe den hohen Erwartungen aber nicht gerecht. Vorsicht: Die folgende Review enthält Spoiler zur Handlung von Resident Evil 7.

Was sorgte das Auftreten von Chris Redfield am Ende von Resident Evil 7 nicht für wilde Spekulationen. Es verband das Schicksal der verschimmelten Familie Baker mit dem gesamten Universum der Survival-Horror-Reihe. Gleichzeitig gab es aber reichlich Grund zur Skepsis, ob es sich wirklich um Redfield und nicht um eine andere Person handelt, die sich für den Bioterrorbekämpfer ausgibt. Schließlich sah er in Teil 7 völlig anders aus und wurde außerdem mit der Umbrella Corporation in Verbindung gebracht. Doch Capcom bestätigte schnell, dass es sich wirklich um Chris handelte. Und hier fängt der erste neue DLC, Not a Hero, an.

Warum eigentlich kein Held?

Falls ihr euch nach dem rätselhaften Ende des Hauptspiels eine Erklärung über die Hintergründe von Chris und der neu formierten Umbrella Corporation erhofft habt, müssen wir euch sogleich enttäuschen. Chris jagt den sadistischen Lucas Baker, der uns schon im Rahmen der Haupthandlung das Leben zur Hölle gemacht hat. Dieser hält einige Umbrella-Mitarbeiter gefangen, weswegen es Chris' Aufgabe ist, sie zu befreien. Warum der engagierte Bioterrorgegner auf einmal mit den Bösen zusammenarbeitet, wird nicht erklärt. Insofern hinterlässt Not a Hero schon wegen der Handlung einen bitteren Beigeschmack. Möglicherweise hebt sich Capcom die Hintergründe für dieses Zusammenspiel für Resident Evil 8 auf.

Die Handlung steht aber ohnehin nicht im Mittelpunkt Chris' DLC-Episode. Not a Hero ist genau das geworden, was Resident Evil 7 noch tunlichst vermeiden wollte: Statt entschleunigten, atmosphärischen Horrors gibt es schnelle Actionkost, die nicht unheimlich, lediglich bedrückend ist. Wir bekommen zwar ein paar neue Orte zu sehen, aber über weite Strecken versucht der DLC durch wenig Licht und blind machende Sporen zu verstecken, dass der Hauptort, die Salzminen, die es schon im Hauptspiel gab, lediglich neu arrangiert wurde. Dabei stellen sich euch etwas schwerere Versionen der schon bekannten Moldeds in den Weg, die sich aufgrund eurer stärkeren Feuerkraft eher wie wandelnde Zielscheiben denn als echte Bedrohung anfühlen.

Am Ende bleibt für mich die Frage offen: Warum heißt der DLC überhaupt Not a Hero? Aus der Perspektive von Chris – für welche Seite er nun auch immer stehen mag – vollbringen wir durchaus einige ziemlich heldenhafte Dinge. Jedoch erschließt sich mir im Rahmen der zwei bis drei Stunden, die sich ziemlich ziehen, nicht, warum Chris jetzt zu den bösen Buben gehören soll. Da schürte das Ende definitiv höhere Erwartungen. Not a Hero ist nicht schlecht, kann aber mit dem, was Resident Evil 7 aufgebaut hat, nicht mithalten. Wer Teil 5 und 6 für die Höhepunkte der Serie hält, wird seinen Spaß haben. Alle anderen werden froh sein, dass der DLC kostenlos ist.

End of Zoe

In End of Zoe spielen wir nicht die wiederauferstandene, kalzifizierte Baker-Tochter Zoe, sondern Jacks bislang unbekannten Bruder Joe, der in den angrenzenden Sümpfen als Survival-Eremit haust, sich bevorzugt von Käfern und Ähnlichem ernährt und sich mit Rangeleien mit Alligatoren bei Laune hält. Er möchte Zoe doch noch retten, was allerdings bedeutet, dass er sich durch einen von Molded und Sumpfmonstern behausten Morast schlagen muss. Und das ist durchaus wörtlich gemeint, denn im Gegensatz zu Chris Redfield prügelt sich Joe Baker durch seine DLC-Episode. In End of Zoe erhaltet ihr keine einzige Waffe, sondern müsst die Gegner mit den blanken Fäusten erledigen.

Ich kam mir zeitweise vor wie in der bizarren Version eines Westerns mit Bud Spencer und Terence Hill vor. Dass es ein befriedigendes Erlebnis ist, die eigentlich übermächtigen Molded ohne Hilfsmittel zu erledigen, will ich gar nicht abstreiten. Wird es doch einmal eng, kann sich Joe einige heilende Substanzen aus ein paar Raupen zusammenmischen. Das alles fühlt sich aberwitzig an, ist aber immerhin etwas Neues.

Unglücklicherweise leidet End of Zoe an einem enttäuschenden Leveldesign. Kein Vergleich zu dem verwinkelten Baker-Haus mit den angrenzenden Gebäuden. Was habe ich mich über eine Stelle aufgeregt, an der ich einen baufälligen Steg über Alligatoren hinweglaufen musste, während mir ständig Moldeds die Sicht versperrten. Ich wollte beinahe schon meine eigenen Fäuste nutzen, um etwas kurz und klein zu schlagen. Abgesehen davon fehlt es dieser Episode aber einfach an erinnerungswürdigen Umgebungen. Alles in allem bleibt außerdem die Frage des Wertes: Vom Umfang her liegen Not a Hero und End of Zoe dicht beieinander. Warum der eine aber kostenlos ist, während der andere 15 Euro kostet, erschließt sich mir nicht ganz.

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