Test - Resident Evil 7: Biohazard : Alte Flamme neu entfacht

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Resident Evil hat sich in den letzten Jahren von den Vorstellungen der Fans entfernt. In unserem Test hat sich herausgestellt: Resident Evil 7 ist sich seiner Wurzeln bewusster denn je und schafft es, neue Impulse gekonnt mit dem zu vereinen, was den König des Survival-Horrors einst auf seinen Thron hievte. In unserem Test erfahrt ihr, warum ich in Hochstimmung bin.

Ist der Survival-Horror-König zurück? - Video-Review zu Resident Evil 7: Biohazard
Mit Resident Evil 7: Biohazard will Capcom zurück zu den Survival-Horror-Wurzeln der Reihe. Ob es gelingt, sagen wir euch in unserem Videotest.

Die Sache zwischen mir und Resident Evil ist wie eine Liebesbeziehung. Es war einmal wirklich etwas Ernstes. Tag und Nacht verbrachte ich mit meinem Schatz und seinen Geheimnissen um das T-Virus, die Umbrella Corporation und die vielen Mutationen. Ich wollte jede Kleinigkeit über meine Liebe wissen, verschlang begleitende Bücher und kannte jedes noch so winzige Detail. Doch jeder kennt das: Nach einigen Jahren merkt man, dass sich das Gegenüber, dass man sich selbst verändert, sich auseinandergelebt und schließlich nichts Nettes mehr zu sagen hat. Ja, so ging es mir mit Resident Evil. Aus der Verliebtheit der ersten drei Teile wurde ein Eheversprechen mit Teil 4.

Doch dann fühlte ich mich betrogen. Ich erwischte Chris Redfield, Leon S. Kennedy, Ada Wong und all die anderen in flagranti im Bett mit dem Action-Shooter. Irgendwie hielten wir es noch miteinander aus, doch das Vertrauen war zerstört. Ja, es gab wieder Annäherungsversuche in Form von Resident Evil Revelations, aber hinterher wurden alte Narben aufgerissen, als Umbrella Corps das Licht der Welt erblickte. Nun, 2017 kann ich sagen, dass wir unsere Differenzen überwunden haben und dank Resident Evil 7: Biohazard einen zweiten Frühling erleben. Das hat gute Gründe.

Vollbremsung, dann Schrittgeschwindigkeit

Dass Resident Evil ab dem vierten Hauptteil immer weniger mit Horror zu tun hatte, ist hinlänglich bekannt und muss nicht noch mal durchgekaut werden. Umso begeisterter war ich, dass Capcom im Rahmen der E3 2016 die Notbremse zog und sich neu orientierte. Aus „immer größer, immer explosiver“ wurde „langsam und mit Bedacht“. Zumindest bezüglich des Gameplays gewann Capcom meine Aufmerksamkeit. Nur hatte ich noch meine Zweifel, was es mit der Familie Baker auf sich hatte. Sie rückte Resident Evil 7 in ein Licht, das zu sehr inspiriert von andersgearteten Horrorspielen und -filmen wirkte.

Wie ihr in meiner Resident Evil 7 Vorschau lesen konntet, merkte ich, dass die Texas-Chainsaw-Massacre-Attitüde nur Fassade ist und sich dahinter ein waschechter Serienableger versteckt. Die Handlung beginnt damit, dass der Protagonist Ethan seine Frau Mia sucht, die seit drei Jahren in Louisiana verschollen ist. Durch einen Hinweis gelangt er zu ihrem Aufenthaltsort: dem Haus der Bakers. Dort findet er schließlich Mia, mit der jedoch offensichtlich etwas nicht stimmt. Und damit ist sie nicht die einzige. Die Bewohner des Hauses, Jack, Marguerite, Lucas und zwei weitere, scheinen ihr menschliches Dasein hinter sich gelassen zu haben.

Im Gegensatz zu den Vorgängern wird euch euer Ziel nicht erst nach und nach durch Erkundung des Schauplatzes klar. Es steht diesmal von Anfang an fest: Ihr wollt nur weg von diesen hochgradig verrückten Leuten. Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine Enthüllungen geben wird. Die Bakers sind auf flüchtige Gefangene bestens vorbereitet, sodass kein Weg an ihnen vorbeiführt. Sie bewegen sich ganz normal durch ihr großzügiges, verwinkeltes Anwesen, das sehr an die alte Villa aus Resident Evil 1 erinnert. Wo auch immer ich langgehe, sie könnten genau um die Ecke sein.

(Un)angenehme Déjà-vus

Auch wenn es Jahre her ist und soweit es in dem vergammelten Gemäuer überhaupt möglich ist, fühle ich mich sofort im Heim der Bakers zu Hause. Es ist genauso wenig geradlinig wie das alte Anwesen von damals. An allen Ecken gibt es Details entdecken, die mein Resi-Herz höher schlagen lassen. Das große Gelände besteht aus mehreren Gebäuden, durch besondere Tiertüren, für die ein spezieller Schlüssel benötigt wird, erschließen sich nach und nach immer mehr Räume. Klar, daraus ergeben sich notwendigerweise mehrere Gänge von A nach B zu A. Mir jedenfalls fielen sie nie störend auf, da es dazwischen immer Neues zu entdecken gibt und mir ja schließlich jederzeit ein Baker über den Weg laufen kann.

Beeindruckend ist, dass niemals auch nur einmal ein Ladebildschirm zu sehen ist. Dafür fallen die Ladezeiten leider umso länger aus, sobald mich der Bildschirmtod ereilt oder ich das Spiel neu starte – aber das ist nun mal der Preis dafür, das gesamte Spiel wie aus einem Guss erleben zu dürfen. Die Vision der alten Türbildschirme mit ihrer Ungewissheit über das, was dahinterstecken mag, ist dennoch nicht im Mindesten abhandengekommen.

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