Special - 20 Jahre Resident Evil 2 : Matze und Sascha erinnern sich – ein Gespräch

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Resident Evil machte den Survival-Horror groß, aber erst Resident Evil 2 machte den eigenen Namen groß. Vor 20 Jahren sind wir zum ersten mal als Leon S. Kennedy oder Claire Redfield durch die von Zombies überrannten Ruinen Raccoon Citys gelaufen. Die Fans Sascha und Matze denken zurück.

Matze: Sascha, diese Jahr wird Resident Evil 2, das für viele einer der besten Teile der Reihe ist, 20 Jahre alt. Wie fühlt man sich dabei in deinem Alter? Schlurfst du auch schon ächzend durch die Bürokorridore?

Sascha: Mindestens so sehr wie die Untoten damals, mindestens! Allmählich fault es auch an der einen oder anderen Stelle. Okay, genug von meinen Wehwehchen! Kaum zu glauben, dass Resident Evil 2 ganze 20 Jahre auf dem Zombiebuckel hat! Für mich ist die Erinnerung noch ganz frisch, zumal ich gestehen muss, erst Teil 2 und dann den Vorgänger gespielt zu haben. Warst du eigentlich schon geboren, als das Spiel erschien?

Matze: Als zartbesaiteter Zweitklässler lag es mir natürlich noch fern, Zombieköpfe zum Platzen zu bringen. Damals habe ich noch meinen Bruder dafür bewundert, dass er Super Mario Land durchspielen konnte, wohingegen ich in der vierten Welt immer scheiterte. Ich muss gestehen, dass mein erster Berührungspunkt mit Resident Evil ausgerechnet die Verfilmung war. Einer meiner Onkel hatte uns eine “Sicherungskopie” zur Verwahrung überlassen. Das war gut vier Jahre nach Resi 2. Aber mir gefiel die Thematik und schnell fand ich heraus, dass viel mehr als Heike Makatsch hinter dem Namen stand. Ich spielte den Nintendo-DS-Port des Erstlings und verschlang die Bücher zu den Spielen.

Mein nächstes Resi war Resident Evil 0 für den GameCube. Ein Spiel, das ich bis heute mit meiner ersten Negativbewertung auf eBay assoziiere, da ich es als ungeduldiger Teenager gewagt hatte, dem Verkäufer auf die Nüsse zu gehen, weil er, ohne Bescheid zu geben, in den Urlaub gefahren war und drei Wochen nichts verschickt hatte. Auch Resident Evil 4 wanderte durch meinen älteren Bruder in meinen Besitz. Ich weiß noch genau, wie uns die Kassiererin des Elektrofachmarkts misstrauisch beäugte, als er mir, kaum hatten wir die Kasse passiert, das Spiel in die Hand drückte. Resi 2, 3 und Code Veronica X waren in meinem Alter als indizierte Spiele lange Zeit nicht leicht zu bekommen, bis ich sie mir einfach irgendwann aus UK liefern ließ.

Sascha: Ziemlich krass, welche Umwege du gehen musstest. Bei mir lief es ganz anders – und ganz einfach: Rein in den Media Markt, das Spiel gepackt und an der Kasse bezahlt. Soll ich erwähnen, dass ich damals schlanke 15 Jahre alt war und den Titel gar nicht hätte bekommen dürfen? Die Sache mit der Altersprüfung war wohl noch nicht so wichtig … Tatsächlich hatte ich etwas Muffe vor dem Game. Ich kannte zwar schon Alone in the Dark: Jack is back, doch Resident Evil 2 würde eine ganz andere Hausnummer sein. Und so war es auch! Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du ans Spiel selbst denkst?

Matze: Ich weiß noch, wie befremdlich ich es fand, mich nach Resi 1 und 0, die beide auf begrenzten Anlagen spielten, plötzlich in einer vergleichsweise offenen Stadt zu befinden. Jetzt konnten die Mutierten wirklich aus jeder Ecke kommen. Doch viel faszinierender war für mich, wie genau sich der Roman, den ich zuvor gelesen hatte, an die Vorlage hielt. So war Resident Evil 2 für mich ein viel immersiveres Erlebnis, da zu den Darstellungen auf dem Röhrenfernseher auch noch meine Fantasie kam, wie ich mir einiges beim Lesen vorgestellt hatte. Das ist der erste Gedanke, der mir kommt, wenn ich an dieses Spiel denke.

Besonders krass war das im Raccoon City Police Department. Diese beklemmende Atmosphäre, gepaart mit den glockenähnlichen Klängen des Soundtracks, und die erste Begegnung mit einem Licker. Das hat mir damals wirklich den Schweiß runterlaufen lassen. Auch die Zombies, die an engen Passagen auf einmal durch eine Scheibe nach Leon griffen, waren ein übler Moment, der die alten Narben der Zombiehunde aus Teil 1 wieder aufreißen ließ. Damals waren Jump-Scares immerhin noch nicht so verbraucht. Was waren deine eindringlichsten Erlebnisse?

Sascha: Der Beginn! Diese krasse Zwischensequenz! Dann durch die Straßen voller Zombies zu rennen. Das sah aus wie echt! Ab in den Waffenladen und direkt die Schrotflinte holen! Ich habe gedacht: Besser kann kein anderes Spiel mehr sein! Ich war glücklich.

Mindestens genau so gut sind mir die beiden Charaktere in Erinnerung geblieben: Leon S. Kennedy und Claire Redfield, zumal ihre Geschichten unterschiedlich verliefen. Dass es das bereits im ersten Teil gab, wusste ich zu der Zeit gar nicht.

Matze: Da stellt sich mir gleich die Frage: Mit wem hast du zuerst gespielt? Claire oder Leon? Ich weiß noch, wie es mich eigentlich in den Fingern juckte, mit Claire nach ihrem Bruder Chris zu suchen, aber der auf den ersten Blick besser ausgerüstete Polizeigrünschnabel Leon vermittelte mir in dieser düsteren Welt doch eher das Gefühl, diesen Albtraum überleben zu können.

Sascha: Ich weiß genau, was du meinst! Ich hatte die gleichen Gedanken und hab auch mit Leon angefangen. An ihm hat mich gereizt, dass er, wie du schon sagst, komplett frisch war. Claire hatte den Bezug zu Chris aus Teil 1, auch wenn ich den wie erwähnt noch nicht kannte. Außerdem mochte ich das Polizeioutfit von Leon sehr!

Doch lass uns mal ins spielerische Detail gehen. Sag mal, hat dir eigentlich die damals schon träge Steuerung nichts ausgemacht?

Resident Evil - Video History - Teil 1
Resident Evil gehört nicht nur zu den wichtigsten Spielen im Survival-Horror-Genre. Die ganze Reihe zählt zu den größten Videospiel-Reihen überhaupt.

Matze: Es ging eigentlich. Klar, wenn man direkte Bewegungseingaben gewohnt ist, dauert es eine Weile, sich an die Panzermanöver in Resident Evil zu gewöhnen. Tatsächlich hatte ich mehr Schwierigkeiten, mich zurechtzufinden, als ich vor ein paar Jahren die HD-Remaster anspielte. Dort lässt sich die Steuerung ja inzwischen anpassen. Auch wenn es heute alles andere als zeitgemäß ist, machte das für mich einen gewissen Reiz aus, da das Umdenken Teil des Schwierigkeitsgrades war. Gerade in den hektischen Kämpfen gegen Bosse wie Tyrant oder in Teil 2 eben Birkin war das echt knackig.

Aber wo wir schon das Thema Neuauflagen angerissen haben. Ein komplett überarbeitetes Remake ist ja bereits in Arbeit. Einen Release-Termin gibt es aber ebenso wenig wie konkrete Details. Auch den 21. Januar, den runden Geburtstag, hat Capcom ohne ein Wort verstreichen lassen. Was sind deine größten Hoffnungen und Befürchtungen für das Remake? Mit Resident Evil 7 hat die Reihe ja immerhin wieder zu sich selbst gefunden.

Sascha: Ganz zuerst braucht es eine runderneuerte Optik! So geil Resi 2 damals auch aussah, heute sieht das nur noch faulig aus. Dazu bitte die Steuerung aus den bisherigen Remakes, gerne mit der Option, zur alten Panzerkontrolle umzuschalten. Dann merkt man erst mal, wie gut es einem inzwischen geht. Ansonsten darf alles bleiben, wie es war. Ich wünsche mir sogar einen Verzicht auf neue Speicherfunktionen, damit das alte Spielgefühl erhalten bleibt. Farbbänder, Schreibmaschinen, du weißt schon. Was muss das Remake für dich unbedingt bieten? Außer, dass es auch für Switch erscheint.

Matze: Jetzt hast du mir aber den Wind aus den Segeln genommen! Ich stimme mit deinen Wünschen überein. Was ich aber nicht hoffe, ist, dass zu viele neue Handlungselemente hinzugefügt werden. Resident Evil besteht für mich zu weiten Teilen immer noch daraus, selbst zu erkunden und sich seine Informationen zusammenzusuchen. Neue Elemente bergen außerdem immer die Gefahr, dass es zu Ungereimtheiten in der übergeordneten Handlung kommt. Moderne Technik, aktuelle Steuerung und das Beibehalten so elementarer Dinge wie die Schreibmaschinen – und ich bin glücklich. Natürlich nur, solange es auch für Switch erscheint! ;)

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