Test

Reign: Conflict of Nations

Totalausfall statt Total War

  • PC

Nach Aggression: Reign over Europe schafft es ein weiteres Spiel der russischen Lesta Studios mit gehöriger Verspätung in die Strategie-Abteilung der Händlerregale. Reign: Conflict of Nations geht dabei trotz interessanten Szenarios gegen aktuelle Konkurrenz wie Hearts of Iron, Total War: Shogun 2 und Civilization V gnadenlos unter.

Was sich hierzulande nach staubtrockenen Unterrichtsstunden im Schulfach Geschichte anhört, ist besonders für Osteuropa eine prägende Zeit gewesen. Die Zeit zwischen 1350 bis 1650 war vor allen Dingen von Konflikten und Neuordnungen der vielen zersplitterten Nationen bestimmt, aus denen später das heutige Russland, Polen und die baltischen Staaten hervorgingen. In den drei Szenarien, die jeweils ein Jahrhundert umfassen, sowie dem freien Spiel finden sich Hobby-Strategen genau in dieser Zeitepoche wieder.

Nicht nur aller Anfang ist schwer

Egal für welchen der drei Schwierigkeitsstufen ihr euch entscheidet, große Unterschiede im hohen Anspruch sind nicht vorhanden und auch die lange Einarbeitungszeit ist überall gleich. Nachdem eine von 26 Nationen mitsamt Anfangscharakter und speziellen Einheiten ausgewählt wurde, führt ein Tutorial in die Spielmechanik ein. Doch anstatt den Spieler behutsam an die Hand zu nehmen, schubst euch diese spielbare Einführung unangenehm ins kalte Wasser. Folglich sollte man bereits umfassende Erfahrung mit diesem Genre gemacht haben. Anhand eingeblendeter Textfenster wird nur Grundlegendes in Diplomatie, Wirtschaft, Forschung sowie Kriegsführung in oberflächlichster Art und Weise erklärt.

Wer trotzdem den harten Weg zum möglichen Lerneffekt einschlägt, muss besonders anfangs mit unzähligen Misserfolgsnachrichten zurechtkommen. Zumindest ist der Strategiebrocken in der Verkaufsversion auch komplett mit deutschen Texten spielbar, was bei der ein Jahr älteren Steam-Version noch nicht der Fall war. Eine automatische Speicherfunktion hilft beim schwierigen Echtzeitgeplänkel ebenso wie zwei Geschwindigkeitsstufen und die Pause-Taste.

Reign: Conflict of Nations - Intro Trailer

Letztere benötigt man unter anderem dann, wenn der Stratege mit den vielen offenen Fragen konfrontiert wird, die die Funktionen der verschachtelten Untermenüs aufwerfen. Wie viel Geld bringt diese Aktion in die Staatskasse? Wieso reagiert der potenzielle Diplomatiepartner so und nicht anders? Und warum motiviert die Forschung so wenig? Letztere Frage kann noch einfach beantwortet werden: Es gibt schlicht zu wenige Technologien und verfügbare Optionen.

Kein Schlachtenmeister

Auch wenn die malerische Osteuropakarte mit Zoomfunktion trotz Wolkendarstellung nicht gerade mit Details und Animationsvielfalt protzt, erinnert sie doch in ihrer Gestaltung ein wenig an Civilization V. Da hören die Gemeinsamkeiten aber fast schon auf, denn qualitativ bestehen sehr große Unterschiede. Grenzen könnten trotz farblicher Unterscheidung der Fraktionen noch deutlicher sichtbar sein und die Einheiten gehen im optischen Einheitsbrei nicht selten verloren, was der Übersicht schadet. Größte Spielspaßschikane sind aber ausgerechnet die Schlachten, quasi der Todesstoß für einen Vertreter des Genres. Und das ist schon lange vor den eigentlichen Scharmützeln absehbar.

Fraktionen sowie Spezialeinheiten unterscheiden sich zu wenig voneinander und alle wichtigen Ereignisse werden sowieso in hässlichen Textfenstern eingeblendet. Da stellen auch die sogenannten Schlachten keine Ausnahme dar, die ohnehin von einer viel zu aggressiven und vorhersehbaren künstlichen Intelligenz geschlagen werden. Währenddessen hat der Spieler keine Einflussmöglichkeiten mehr, die bietet Reign: Conflict of Nations nur vor Beginn mit rudimentären Befehlen an. Einzig das Erfahrungspunktesystem scheint einigermaßen gelungen. Und immerhin: Die stimmungsvolle Musik passt doch ganz manierlich zum Thema. Leider überwiegen die negativen Aspekte für einen wirklich gelungenen Genre-Vertreter deutlich.

Fazit

Reign: Conflict of Nations kommt, passend zum Szenario, einige gefühlte Jahrhunderte zu spät und spricht nur absolute Hardcore-Strategen an.Sagen wir es so, wie es ist: Reign: Conflict of Nations kommt, passend zum Szenario, einige gefühlte Jahrhunderte zu spät und spricht nur absolute Hardcore-Strategen an. Aber auch die ärgern sich über viele Mängel, wie vollkommen verkorkste Schlachten, fehlende Informationen und den nicht vorhandenen Mehrspielermodus. Das unverbrauchte Osteuropaszenario von 1350 bis 1650 macht den Titel nur oberflächlich interessant.

Überblick

Pro

  • stimmungsvolle Musik
  • drei Schwierigkeitsgrade
  • unverbrauchtes Szenario
  • Autosave-Funktion
  • komplexe Strategie für Taktiker

Contra

  • schwaches Tutorial
  • kein Mehrspielermodus
  • sterile Optik
  • misslungene Schlachten
  • fehlende Informationen
  • keine Sprachausgabe
  • einschläfernde Präsentation
  • viele kleine Mängel

Wertung

  • PC
    55
    %