Test - ReCore : Mega Man trifft Metroid Prime?

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Ebenfalls ähnlich wie in Metroid Prime könnt ihr mit dem Steuerkreuz jederzeit die Farbe eurer Waffe ändern. Das erlaubt euch nicht nur, die Gegner mit Statuseffekten zu belegen, sondern sorgt auch für erhöhten Schaden, wenn die Farbe der Waffe mit der des Gegners übereinstimmt. Euer Begleiter hilft euch automatisch im Kampf, kann aber auch mit Spezialattacken anvisierte Gegner angreifen. Das systematische Wechseln der Waffenfarbe und die volle Bewegungsfreiheit sorgen dafür, dass die Kämpfe gegen Gegnerwellen nur selten langweilig werden.

Bevor ihr einen Feind besiegt, könnt ihr ihm mithilfe eines kleinen Tauzieh-Minispiels seinen Kern entnehmen, verzichtet dann aber auf die Beute, die der Gegner normalerweise fallen lassen würde. So müsst ihr immer wieder entscheiden, ob ihr lieber den Kern behaltet, um die Statuswerte eurer Begleiter zu erhöhen, oder ob ihr die Materialien mitnehmt, um neue Bauteile für eure Kern-Bots herzustellen. Für jeden besiegten Gegner erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die sowohl das Level eurer Waffe als auch das eurer Begleiter erhöhen.

Wenn euch die Story-Dungeons und deren Bosse, die während des Kampfes ihre Farbe ändern und Hilfe herbeirufen, zu einfach sind, könnt ihr euch an die Herausforderungsdungeons wagen, die euch unter anderem mit wirklich knackigen Platforming-Abschnitten oder Kampfarenen konfrontieren, aber auch mit hochwertiger Beute und prismatischen Kernen belohnen. Diese Herausforderungen sind mehr oder weniger optional, womit wir auch zu einem der größten Probleme von ReCore kommen.

Spielzeitstreckung und technisches Mittelmaß

Denn so optional sind die Herausforderungen leider nicht. Während man in der ersten Hälfte des Spiels recht gleichmäßig mit prismatischen Kernen versorgt wird, um Zutritt zu den restlichen Story-Dungeons zu erhalten, wird man ab der zweiten Hälfte auf eine erzwungene Erkundungstour geschickt. Die Voraussetzungen für die Verliese ziehen so stark an, dass man gar nicht darum herumkommt, auch die eigentlich optionalen Dungeons abzuschließen.

So wird recht offensichtlich die Spielzeit ordentlich gestreckt. Denn auch wenn die Story wirklich spannend ist, wäre sie ohne Nebenquests in gut sechs Stunden erzählt. Spielern, die sowieso jede Ecke der Welt erkunden, wird das recht sein. Wer allerdings nur die Story erleben möchte, könnte sich von dieser künstlichen Verlängerung recht schnell abschrecken lassen.

Auch die technische Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Besonders die Konsolenversion wird von viel zu langen Ladezeiten geplagt. Wenn die Protagonistin mal das Zeitliche segnet, kann das ganz schnell frustrieren. Die Texturqualität lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Selbst auf höchsten Qualitätseinstellungen in der PC-Version sieht man häufig, aber vor allem an den Charaktermodellen, viel zu niedrig aufgelöste Texturen. Zudem sind die Außenabschnitte von argen Pop-in-Problemen geplagt, die einen unschönen Eindruck vermitteln.

Doch ansonsten wurde die PC-Version immerhin sehr ordentlich optimiert. Die Ladezeiten sind zwar recht lang, aber mit einer ganz ordentlichen Anzahl an Grafikoptionen kann man das Spiel auch auf schwächeren Systemen gut zum Laufen bringen. Ihr müsst nur beachten, dass die „Play-Anywhere“-Version nur auf Windows-10-Systemen mit installiertem Anniversary-Update funktioniert und sich nur digital beziehen lässt. Mit der Xbox-One-Retail-Version zu ReCore habt ihr keinen Zugriff auf die PC-Version.

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Es bleibt zu hoffen, dass zumindest die technischen Probleme mit einem baldigen Patch behoben werden. Ob die Entwickler aber noch ein Textur-Update oder einen Gameplay-Patch herausbringen, der die Voraussetzungen für spätere Story-Dungeons etwas abmildert, wagen wir zu bezweifeln.

Greift zu, wenn...

… ihr auf viel Action mit einem ordentlichen Schuss Platforming steht und in Spielen keine Ecke unerkundet lasst.

Spart es euch, wenn...

… technische Probleme, mittelmäßige Grafik und erzwungene Erkundungspassagen euch den Spielspaß verderben.

Fazit

Dennis Kröner - Portraitvon Dennis Kröner
Verschenktes Potenzial

Mittlerweile bekomme ich das Gefühl, dass jedes Spiel, in das Keiji Inafune in letzter Zeit involviert ist, zwar ordentlich Potenzial hat, dieses aber nie richtig ausgenutzt wird. Das ist nach Mighty No. 9 bei ReCore leider auch nicht anders, obwohl der Director der Metroid-Prime-Serie hier auch die Zügel in der Hand hatte. Dabei ist das Spiel an sich gar nicht mal schlecht, denn das Gameplay macht irre viel Spaß, die Dungeons sind interessant gestaltet und die Herausforderungen sind richtig knackig. Dennoch verliert sich das Spiel ab der Hälfte der Spielzeit ein wenig in belanglosen Sammeleien.

HInzu kommen noch viele, viele technische Schwierigkeiten, die den Spielspaß ordentlich trüben können. Allen voran die Ladezeiten, die besonders auf der Xbox One viel zu lang sind - besonders wenn man die grafische Qualität des Spiels im Hinterkopf behält. Alles in allem hatte ich durchaus Spaß mit ReCore, hoffe aber inständig, dass das Potenzial in einem zukünftigen Titel dann auch mal richtig ausgenutzt wird.

Überblick

Pro

  • sehr flüssiges und flottes Gameplay
  • spaßig designte Dungeons und Platforming-Abschnitte
  • knackige optionale Herausforderungen
  • kurze, aber spannende Story
  • verschiedene Begleiter sorgen für Abwechslung

Contra

  • viel zu lange Ladezeiten
  • mittelmäßige Texturqualität
  • viele Pop-ins und Grafik-Glitches
  • Spielzeitstreckung durch erzwungenes Backtracking
  • Upgrades nur für die Begleiter
  • Konsolenversion trotz Grafikqualität nur mit maximal 30 fps

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