Test - Reality Fighters : Augmented Fatality

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Einen Kämpfer mit dem eigenen Gesicht als Prügelspielheld? Was auf dem Papier lustig klingt, wurde in Reality Fighters leider nur halbherzig umgesetzt. Die Zauberworte Augmented Reality geistern seit Jahren durch die Spielszene. Auch Sony versucht zum Start der PS Vita, das Spielen unter Einbeziehen der realen Umgebung salonfähig zu machen. Der Titel heißt Reality Fighters, ein Prügelspiel, bei dem sich das eigene Gesicht auf dem Körper eines Kämpfers platzieren lässt. Das Platzieren funktioniert dabei ganz gut, das Kämpfen leider weniger.

Höhepunkt des Spiels ist dann auch die Charaktererschaffung. Mit der Kamera der PS Vita fotografiert ihr euer Gesicht, wobei Augen und Mund in der Vorschau an einer bestimmten Stelle positioniert sein müssen. Dabei erkennt das Spiel, wie ihr vor der Kamera posiert und lässt euch nur dann den Auslöseknopf drücken, wenn die Positionierung stimmt. Sekunden später habt ihr einen Prügler mit eurem Gesicht, das zusätzlich auch noch exzellent aussieht.

Ebenfalls witzig ist der Shop, wo ihr das Alter Ego mit einer enormen Anzahl von Frisuren und Kleidern individualisieren könnt. Während verschiedene Handschuhe die Schlagstärke bestimmen, definieren die Schuhe, wie schnell ihr euch bewegt. Kopfbedeckungen, Jacken oder Hosen vermindern den eingesteckten Schaden an den entsprechenden Körperstellen. Unter den Items sind zum Beispiel Boxhelme, aber auch abgefahrenere Dinge wie Roboterbeine zu finden. Die meisten Gegenstände müssen zuerst mit in Kämpfen ergatterten Punkten freigeschaltet werden. Im weiteren Verlauf des Spiels gibt es auch über 200 Waffen zu finden.

Grauenhafter Kampflehrer

Sobald das eigentliche Spiel beginnt, geht es leider bergab. Im Karrieremodus geratet ihr unter die Fittiche eines asiatischen Kampflehrers, der mit pseudolustigen Sprüchen in pseudoasiatischem Akzent die Zeit zwischen den Gefechten überbrückt. Antreten müsst ihr schließlich gegen einen italienischen Discotänzer, einen als Ballerina verkleideten Franzosen und sogar gegen einen bayrischen Muskelberg, der laut Beschreibung jeden Tag eine ganze Kuh verspeist. Kein Klischee, kein Vorurteil ist zu platt, um im Spiel nicht als Grund dafür herzuhalten, jemanden zu vermöbeln.

Die Kämpfe selbst entpuppen sich als wenig mehr als wildes Tastengedrücke. Zwar lassen sich je nach gewähltem Stil - darunter Boxer, Wrestler, aber auch Zombie oder Superheld - rund 20 verschiedene Aktionen ausführen. Am einfachsten und leider auch effektivsten ist es jedoch, die Gegner mit schnellen Fausthieben zu Boden zu bringen. Ein ausgetüfteltes Kampfsystem sieht anders aus.

Technik top, Spiel flop

Eigentlich schade, denn ansonsten funktioniert die Augmented-Reality-Einbindung sehr gut. Als Hintergrund lassen sich sowohl das eigene Wohnzimmer als auch verschiedene vom Spiel vorgegebene Umgebungen benutzen, etwa ein Waldrand oder einen Strand. Egal wohin man dabei die PS Vita und dementsprechend die von der Kamera eingefangene Umgebung schwenkt, die Kämpfer bleiben an ihrem Platz im "echten" Hintergrund. Leider haben sich die Entwickler hier mehr um die Technik als um das eigentliche Spiel gekümmert.

Fazit

Martin Steiner - Portraitvon Martin Steiner
Augmented Reality und entsprechende Technik reichen nicht, um aus einer witzigen Idee ein gutes Spiel zu machen. Während das Beigemüse mit freischaltbaren Gegenständen und verschiedenen Kampfstilen eigentlich stimmt, versagt das Spiel bei der Hauptdisziplin. Das Kampfsystem ist viel zu dünn und die Duelle verkommen so zu reinen Tastenhämmereien ohne jeglichen Anspruch. Reality Fighters ist zwar weit davon entfernt, ein Totalausfall zu sein, aber wenn ihr die Erwartungen etwas herunterschraubt, könnt ihr für einige Stunden Spaß haben – nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Überblick

Pro

  • spaßige und gut funktionierende Charaktererschaffung
  • riesige Anzahl an Gegenständen und Waffen
  • gelungene Augmented-Reality-Elemente

Contra

  • flaches Kampfsystem lädt zu simplem Tastenprügeln ein
  • Kampflehrer mit peinlichem Akzent
  • aufgesetzter Humor

Wertung

  • PSV
    64
    %

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