Test - Raven's Cry : Kanonenfutter für Piraten-Fans?

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Raven's Cry galt lange als Geheimtipp unter den Computerspielern, die Spiele mit Piraten mögen. Bereits 2012 durften wir uns einen ersten Eindruck von dem Titel machen, der damals als reinrassiges Action-Adventure angekündigt wurde. Seitdem ist viel Zeit vergangen und vermutlich auch viel Rum die Kehlen durstiger Piraten hinuntergelaufen. Doch scheinbar hat auch der Entwickler ein wenig am Fläschchen genippt ...

Seit 2012, als Raven's Cry das erste Mal angekündigt wurde, wurde der Titel nicht nur einmal einem kompletten Redesign unterzogen. Zu Beginn wurde das Spiel von Octane Games entwickelt und sollte ursprünglich Ende 2012 oder Anfang 2013 erscheinen. Daraus wurde nichts, eine Zeit lang hörte man gar nichts mehr vom Freibeuterspiel - bis zur Meldung, dass die Entwicklung an ein anderes Studio abgegeben wurde. Reality Pump sollte sich ab sofort um das Spiel kümmern und spätestens Anfang 2014 wurde nun als Release-Datum genannt. Doch auch daraus wurde nichts und Publisher TopWare Interactive verschob das Spiel ein ums andere Mal.

Sogar wenige Tage vor dem Release im Januar 2015 verschob man den Titel erneut, auch wenn es sich diesmal nur um vier weitere Tage handelte. Vor Kurzem war es dann so weit und Raven's Cry wurde endlich veröffentlicht. Zumindest die digitale Version gibt es jetzt, unter anderem auf Steam. Ob und wann die Retail-Fassung folgt, die ja auch für diverse Konsolen erscheinen soll, steht jedoch nach wie vor nicht fest. Das ist aber nicht so schlimm, denn statt des erhofften Geheimtipps, der das Spiel ja einst war, bekommt ihr ein Piratenabenteuer, das durch Bugs und eine Kanonade von Schimpfwörtern glänzt. Viel mehr solltet ihr nicht erwarten.

Raven sinnt nach Rache

Aber worum geht es in Raven's Cry eigentlich? Ihr schlüpft in die Rolle von Christopher Raven. Der kennt nur einen Lebensinhalt: Rache. An wem? An denjenigen, die seine Familie vor seinen Augen ausgelöscht haben. Dass Raven damals auch noch seine linke Hand verlor, ist nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seit vielen Jahren ist Christopher Raven hinter denen her, die für all dies verantwortlich sind. Inzwischen ist aus dem kleinen Jungen von einst ein raubeiniger Pirat geworden, der alle aus dem Weg räumt, die sich seinem Racheplan entgegenstellen. Das klingt gar nicht mal schlecht und auch die weiteren Versprechungen seitens des Entwicklers können sich hören lassen: Offene Welt, zahlreiche Nebenmissionen, fesselnde Story – zu finden war in den Spielstunden, die wir hinter uns haben, davon leider nichts.

Die ersten Stunden des Spiels durften manche gleich mehrfach erleben. Nachdem es zu Beginn durch diverse Bugs dazu kommen konnte, dass man Aufgaben nicht abschließen und damit auch die Hauptstory nicht fortsetzen konnte, wurde recht schnell ein Patch nachgeschoben. Der sorgt dafür, dass diese Fehler nicht mehr vorkommen. Zwar durften wir den alten Spielstand weiterhin benutzen, die verbuggte Quest ließ sich jedoch auch jetzt nicht beenden. Der Verweis in den Patch-Informationen, dass dies passieren kann und man dann doch bitte noch einmal neu starten soll, ließ uns zumindest wissen, was zu tun ist.

Raven's Cry - Ingame Trailer
Ein neuer Trailer zu Raven's Cry versorgt euch mit neuen Ingame-Sequenzen.

Im erneuten Anlauf klappte dann alles so, wie es sich die Entwickler vorgestellt haben, und die Quests können von nun an beendet werden. Damit ist Raven's Cry zumindest spielbar, was vorher nicht zwingend der Fall war. Die ersten Sekunden im Spiel denkt ihr zwar noch, dass euch hier eine hübsche Piratenwelt präsentiert wird, schon kurz danach fallen euch aber an allen Ecken und Enden die vielen kleinen Dinge auf, die den Spielspaß schon in dieser frühen Phase drücken: Pop-ups der Umgebungsgrafik, matschige Texturen, abgehackte Animationen oder NPCs, die einfach still und steif in der Gegend herumstehen. Eine lebendige Welt sieht anders aus.

Auch von der versprochenen offenen Welt ist nicht viel zu sehen. Schaut ihr euch die Karte der Region an, in der ihr euch gerade befindet, denkt ihr noch, dass es hier jede Menge zu entdecken und erkunden gibt. Wollt ihr das dann jedoch machen, gelangt ihr immer wieder an unpassierbare Stellen oder unsichtbare Mauern, die euch einfach nicht weitergehen lassen. Damit wird der Erkundungsdrang schon früh im Keim erstickt. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn von den vielen Nebenquests ist kaum etwas zu sehen. Hin und wieder stoßt ihr auf einen Charakter, der euch eine kleine Aufgabe anvertraut, das passiert jedoch viel zu selten.

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