Test - Portal Knights : Das Minecraft-RPG

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Was für eine Erfolgsgeschichte! Auf allen Systemen verbreitet, von vielen Medien bereits parodiert, hat kaum ein Spiel der letzten Jahre solch hohe Wellen geschlagen wie Minecraft. Portal Knights sucht ganz offensichtlich sowohl optisch als auch inhaltlich die Verwandtschaft zum Baukastenmeilenstein. Die PC-Version von Portal Knights ist bereits seit einiger Zeit online. Nun folgen die Konsolenversionen für Xbox One und PS4. Erwartet uns ein Minecraft-Kinder-RPG oder doch mehr?

Vom Start weg habt ihr zwei Möglichkeiten, um in die Welt von Portal Knights einzutauchen. Entweder ihr spielt in der Offline- oder der Online-Welt. So oder so werden für euch jedes Mal zufällige Spielwelten kreiert. Für jeden Spieler gibt es somit eine andere Erfahrung beim Spielbeginn. Der Charakterbaukasten ist simpel: Ihr wählt aus zwei Geschlechtern sowie drei Klassen (Krieger, Magier, Waldläufer) und bestimmt das Aussehen mit dem minimalistischen Editor – schon geht es los.

Die Hintergrundgeschichte: Ein Bruch riss die idyllische Welt von Portal Knights entzwei. Portale aber verbinden die beiden Welten, die von Helden wiedererweckt werden wollen. Ihr startet in einer unberührten Welt mit einigen Wesen darin und geht auf Entdeckungsreise. Eine Aufgabe jagt die nächste. Ihr müsste Blöcke, Bäume, Büsche und alles Mögliche abbauen, Werkbänke erstellen, um Werkzeuge zu erschaffen oder euch Waffen und Ausrüstung anzufertigen. So weit, so bekannt, alles wie in Minecraft eben.

In der Vielfalt liegt das Crafting

300 Rohstoffe lassen sich zu neuen Gegenständen kombinieren. Das Entdecken neuer Areale, in denen es neue Rohstoffe gibt, motiviert stets, immer wieder auf Abenteuerreise zu gehen. Je nachdem in welchen Bereich ihr gelangt, erhaltet ihr neue Aufgaben, die entweder an bestimmten Orten auftauchen oder durch die rar gesäten NPCs vergeben werden. Was mir gefehlt hat, war eine kleine Richtlinie oder eine Hilfestellung, wie ich die gesuchten Rohstoffe finden kann. Ihr entdeckt lediglich Hinweise darauf, in welchen Arealen sie zu finden sind. Doch was ich als störend empfand, mag für manch anderen Spieler ein großes Plus sein.

Denn in der eigenen Ahnungslosigkeit liegt zugleich der Reiz des Spiels. Ihr müsst euch selbst überlegen, woher ihr die gesuchten Rohstoffe bekommt. Bis ich beispielsweise einen Strauch gefunden habe, der mir die gesuchte Baumwolle eingebracht hat, dauerte es eine ganze Weile. Die Möglichkeiten, Rohstoffe zu finden, sind zudem wahrlich vielfältig. Ihr könnt Samen pflanzen, um Bäume zu züchten. In Minen findet ihr Erze. Fällt ihr Bäume, erhaltet ihr Holz und so weiter und so fort, alles wie in Minecraft eben. Die Suche nach Rohstoffquellen und das Verarbeiten der Rohstoffe macht Spaß. Doch was kommt danach, wenn ihr die Welt erschlossen und eure erste Werkbank aufgebaut habt?

Ab in den Keller

Dungeons! Wie in einer primitiven Variante von Zelda steigt ihr in der ersten Spielwelt beispielsweise in ein dunkles Verlies oder eine Mine hinab und bekämpft dort ein übergroßes Skelett oder einen anderen Wächter, der einen Schatz bewacht. Dieser beinhaltet dann wertvolle Rohstoffe, die ihr sonst nicht so einfach erhaltet. Die Kämpfe mit den Wächtern oder den anderen Figuren der Spielwelt sind simpel geraten und wenig tiefgründig. Der Magier verschießt Zaubergeschosse, Krieger schlagen mit dem Schwert zu und der Waldläufer nimmt die Feinde mit dem Bogen ins Visier.

Ihr levelt auf, sammelt Erfahrungspunkte, erlernt Fähigkeiten, verbessert Attribute, wie man es von Rollenspielen eben kennt. Das Ganze motiviert in Verbindung mit dem Crafting-System gerade genug, um bei Laune zu halten. Interessant ist, dass ihr mithilfe einiger klassenspezifischer Fähigkeiten Zugang zu neuen Bereichen der Spielwelten erlangt.

Ziel der ganzen Sammelei ist es, Portalsteine zu erbauen. Deren Bestandteile erhaltet ihr, indem ihr Feinde besiegt und jene anschließend in die zugehörigen Portale einsetzt. Die titelgebenden Portale verbinden Bereiche der Spielwelt miteinander. Diese könnt ihr fortan bereisen und somit immer wieder neue Gegenstände, Feinde und Dungeons entdecken. In einigen dieser Spielwelten müsst ihr in mächtigen Bossfights die Portalhüter bezwingen, die die einzelnen Welten beherrschen. Damit befreit ihr die Welten.

Die einzelnen Spielabschnitte von Portal Knights werden dynamisch erstellt. Steigt ihr beispielsweise in der Stufe auf, dann kommen neue Monster hinzu, die es vorher noch nicht gab. Gelegentlich erwarten euch auch Wetterumschwünge oder Invasionen von ganzen Scharen unliebsamer Wesen. Auch die anderen Spielwelten, die ihr durch die Portale betretet, sind alles andere als eintönig. Grüne Wiesen, Sandwüsten, hügelige Regionen. Unterschiedlichste Klimazonen werden geboten.

Allein, allein ... oder doch nicht?

Ganz selten trefft ihr auch mal auf NPCs. Doch mit denen gibt es kaum richtige Dialoge zu führen, nur sinnloses Geplausche oder gelegentliches Handeln von Rohstoffen. Manche haben auch Quests für euch, die etwas Abwechslung bringen, aber nicht das Zentrum des Spiels darstellen. Die Aufgaben sind aufs Einfachste beschränkt. Sammelt dies, tötet das, baut dies. Wir wünschten uns in diesem Bereich deutlich mehr. Sehr viel Spaß macht es jedoch, wenn ihr einen Gefährten mit ins Boot holt und euch im Koop-Modus auf die Reise begebt.

Portal Knights - Launch Trailer
Das preisgekrönte Portal Knights ist ab sofort für PC, PS4 und Xbox One erhältlich; eine Switch-Umsetzung folgt später in 2017.

Im Verbund mit einem anderen Spieler die Welt zu entdecken, macht besonders Laune, da ihr so gemeinsam Pläne schmieden, große Bauprojekte umsetzen und effektiver die Welt bereisen könnt. Wenn ihr online geht, dann habt ihr sogar die Möglichkeit, mit bis zu vier Spielern loszulegen. Besucht die Welten eurer Freunde oder ladet sie in eure eigene Welt ein. Wer absolut keine Lust auf einen menschlichen Kompagnon hat, der kann sich auch ein Haustier zur Seite stellen. Mehr als schmuckes Beiwerk ist das aber nicht.

Zwischen der PC- und der Konsolenversion gibt es nur kleine Unterschiede, lediglich die Größe der Spielwelt soll sich etwas unterscheiden. Warum sollten die Macher, die Frankfurt Keen Studios, auch etwas ändern? Schließlich hat das PC-Original 2016 den Deutschen Entwicklerpreis als bestes Online-Spiel bekommen.

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