Test - Pokémon Tekken : Gelungene Symbiose?

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Das letzte reine Kampfspiel aus dem Pokémon-Universum liegt schon eine Weile zurück. Pokémon: Battle Revolution war alles andere als eine Revolution für das Franchise. Das ändert nun Pokémon Tekken mit einem Schlag. Echtzeitkämpfe, Action, schnelles Gameplay, wunderschöne Grafik und viel mehr Tekken, als man vielleicht erwartet hätte. Das alles trifft in dem neuen Titel zusammen. Haben sich Faust und Auge mit den zwei Marken gefunden?

Um die Revolution nach der Evolution zu verstehen, ist es notwendig, die indirekten Vorgänger von Pokémon Tekken zu beleuchten. Zur Zeit des großen Pokémon-Hypes um die Jahrtausendwende war es ein atemberaubendes Gefühl, Pokémon in 3-D auf dem großen Bildschirm bestaunen zu können. Pokémon Stadium und seine Fortsetzung schlossen seinerzeit eine Lücke, auch wenn das Kampfgeschehen sich im Wesentlichen nicht von dem der Game-Boy-Titel unterschied.

Auf dem Gamecube wurde das Konzept erweitert und zum Teil der Wunsch der Fans erhört, ein klassisches Pokémon-RPG in der dritten Dimension genießen zu können. Die Weiterentwicklung wurde durch das Konzept der Crypto-Pokémon komplettiert. Es folgte der Stillstand auf der Wii: Battle Revolution bot kaum Abwechslung und zeigte, dass das Stadium-Konzept auf dem TV-Bildschirm nicht mehr funktionierte. Nachdem die Kernreihe der Taschenmonster mit X und Y den Sprung zur 3-D-Grafik vollzogen hatte, bot ein reines Kampfspiel keinen Mehrwert mehr. Und genau das wurde mit Pokémon Tekken erkannt.

Dynamisch wie nie

Pokkén Tournament, im deutschen Sprachraum aufgrund der phonetischen Verwechslungsgefahr mit der Krankheit Pokémon Tekken genannt, erschien bereits im vergangenen Jahr in japanischen Arcade-Hallen. Nun hat es das Beat 'em up auf der Wii U zu uns geschafft. Schon nach der ersten Runde stellt sich die Gewissheit ein: Das hier ist mehr Beat 'em up als man im Vorhinein vermutet hätte. Wer ein einfaches, aber eingängiges Kampfsystem wie in Super Smash Bros. erwartet, wird enttäuscht. Die Tekken-Einschläge sind deutlich spürbar. Ihr übernehmt die Kontrolle über das Taschenmonster selbst und erteilt ihm nicht nur Befehle. Die Tastenbelegung ist auf einer Vielzahl von Controllern frei wählbar.

Pokémon Tekken - Chandelure (Skelabra) Gameplay Trailer (jap.)
Dieses Video aus dem fernen Japan hält frische Spielszenen aus Pokémon Tekken für euch bereit.

Während ihr euch mit dem Steuerkreuz oder dem Analogstick bewegt, vollführt ihr mit B Sprünge. Y, X und A lösen je nach Phase (dazu gleich mehr) Fernangriffe, leichte Angriffe, Anlaufattacken, starke Angriffe und Poké-Kombos aus. Mit den Schultertasten blockt ihr und ruft Unterstützer-Pokémon herbei. Angriffe lassen sich zu recht komplexen Kombos reihen. Einige davon werden euch nur mit viel Übung gelingen, da sie exaktes Timing voraussetzen und keine Fehler verzeihen. Insofern ist Pokémon Tekken anspruchsvoll genug, um auch erfahrenen Spielern Anreize zu bieten. Wie immer können aber auch Neulinge durch reines Button-Mashing mit etwas Glück gegen Kombo-Meister gewinnen. Durch Griffe und Konter wird das Aktionsportfolio komplettiert.

Anfangs werdet ihr kaum um die vielen Tutorials herumkommen. Sie vermitteln eine zunächst unüberschaubare Informationsflut, die sich nach Anwendung in der Praxis immer weniger überfordernd anfühlt. Dadurch stellt sich im Kombo-System eine steile Lernkurve ein. Bestimmte Attacken lösen mitten im Kampf einen Phasenwechsel aus. Es gibt eine Feld- und eine Duellphase, die, wie erwähnt, die Aktionen der Tasten ändern. Während der Feldphase könnt ihr euch frei in der Arena bewegen. Gerade diese Freiheit fühlt sich so dynamisch an, wie man sich früher immer schon einen Pokémon-Kampf vorgestellt hat.

Wird die Duellphase ausgelöst, stehen sich beide Kontrahenten direkt gegenüber und das Geschehen findet in der klassischen Kampfspielperspektive statt. Die Wechsel fallen vor allem anfangs störend, besser gesagt, irritierend auf, da sie eben ein Umdenken in Sachen Steuerung erfordern. Sobald ihr die Knopfbelegung und die Kombos jedoch verinnerlicht habt, verliert sich die Ablenkung. Außerdem füllt der Wechsel die Resonanzleiste des Pokémon ein wenig. Sie steigt auch mit verteilten und eingesteckten Angriffen. Bei voller Leiste lässt sich der Limit-Modus auslösen, in dem euer Pokémon kurzfristig stärker wird. Die meisten Monster führen dabei die Mega-Entwicklung durch. Neue Kombos und ein eindrucksvoller Finisher sind zusätzliche Effekte.