Special - Pokémon: War früher alles besser? : War Gen. 1 wirklich so gut?

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Inzwischen blickt das Pokémon-Franchise auf stolze 722 Taschenmonster. Einige davon besitzen sogar mehrere Formen oder Mega-Entwicklungen. Neue Monster-Designs stoßen nicht immer auf Wohlwollen. Häufig wird die erste Welle Pokémon als das Nonplusultra der Marke bezeichnet. Aber trifft das wirklich zu? War die Fauna aus Kanto tatsächlich über jeden Zweifel erhaben?

Natürlichkeit im Vordergrund

1996 waren erst 150 beziehungsweise 151 Pokémon-Arten bekannt. Natürliche, an die reale Welt angelehntes Designs standen im Vordergrund. Pokémon sollten das Pendant zu den Tieren unserer Welt darstellen, denen allerdings besondere Kräfte innewohnten. Es war die Zeit, als Spiele mit zähmbaren Kreaturen kaum etabliert waren. Insofern war der Wunsch nach Haustieren, die man gegeneinander kämpfen lassen und miteinander tauschen konnte, noch unverbraucht. Es lag nahe, sich für dieses besondere Bedürfnis Inspiration bei Wesen zu holen, die uns schon vertraut waren.

Also gestaltete The Pokémon Company unter anderem mit der Hilfe des Illustrators Ken Sugimori Tiere, die jeweils einem bestimmten Element zugeordnet wurden, und verpasste ihnen einen besonderen Hingucker, der sie vom realen Vorbild abhob. So entstanden Salamander mit brennenden Schwänzen, Enten mit Lauchstangen in der Hand oder Kaulquappen mit einem hypnotischen Kringel auf dem Bauch. Die Pokémon der ersten Generation waren neu und daher etwas Besonderes. Jeder, der den Hype um die Taschenmonster Ende der 90er-Jahre miterlebte und zelebrierte, hatte ein Wesen, das er sich als Haustier wünschte. Positive Erfahrungen haben unser Bild dieser Spiele und all ihrer Figuren beeinflusst.

So ist es nicht verwerflich, Kanto und jedes einzelne Pokémon, das die Rote, Blaue und Gelbe Edition hervorgebracht haben, zu lieben und diesen Teil der Kindheitserinnerung auch zu schützen. Es gibt allerdings auch Menschen, für die Pokémon bereits mit Gold und Silber gestorben war. Die die neuen Taschenmonster nicht als Teil des Ganzen anerkennen wollen und deren Designs kritisieren. Das ist so lange legitim, wie nicht versucht wird, diese persönliche Meinung als allgemein gültige Tatsache des Franchises zu betrachten. So genannte „Genwunner“ (von „Gen Oner“) lassen nichts über die ersten Abenteuer in Kanto gehen und machen bestimmte Kreaturen anderen Spielern madig. Aber auch Gen. 1 war nicht durchweg kreativ.

Pannen gibt es überall

Egal ob Sinnoh, Hoenn, Einall, Johto, Kalos oder Kanto - in jeder Region der Pokémon-Welt gibt es Monster, deren Design dem Geschmack der Allgemeinheit nach nicht mit der Qualität der restlichen Kreaturen aus der gleichen Welle mithalten kann. Unratütox sowie dessen Entwicklung Deponitox und die Entwicklungsreihe um Gelatini werden oftmals als Paradebeispiel für misslungenes Pokémon-Design herangezogen. Sie stellen nicht länger Tiere dar, sondern Müll- oder Eiscreme-Tüten mit Gesicht. Pokémon wie diese werden oft als Anlass genommen, um Game Freak und der Pokémon Company mangelnde Kreativität vorzuwerfen, wo es doch so viele Tierarten gibt, die noch nicht in der fiktiven Welt repräsentiert wurden.

Schon in Kanto haben sich Sleima, Voltobal oder Ditto nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Auch sie stellten zum Teil Müll oder Gegenstände dar, denen ein Paar Augen und ein Mund verpasst wurde. Aber wir lieben und verteidigen sie trotzdem. So viele grandiose Designs jedes neue Spiel mitbringt, so viele Reinfälle gibt es in der Regel auch. Beispielsweise zeugen Calamanero oder viele legendäre Pokémon, die auf echten, uns oft unbekannten Mythen basieren, von mehr Kreativität als eine lilafarbene Ratte. Monargoras (siehe Bild unten) oder Zebritz versprühen unserer Meinung nach den gleichen natürlichen Charme mit besonderer Note wie ihre Kollegen von vor 20 Jahren.

Zu viel des Guten

Natürlich ist nicht alles Neue toll. Seit einigen Jahren lässt sich ein Hang zu Over-Designs beobachten, die vielen Pokémon ihren ursprünglichen Charakter nehmen. Das Schwarze und Weiße Kyurem mit seinen Schläuchen, Elementen von Kyurem und Zekrom/ Reshiram und dem speziellen Schwanz ist ein gutes Beispiel hierfür. Einige Mega-Entwicklungen sind ebenfalls davon betroffen. Das sind aber Ausnahmen, die die Regel nur bestätigen. Dafür hat sich wiederum Generation 5 trotz aller Kritik wie eine Neuinterpretation von 1996 angefühlt. Trotz der offensichtlichen Orientierung an Generation 1 boten die Einall-Pokémon vollkommen neue Ideen.

Genauso wie sich ein Bisaknosp auf Level 32 zu Bisaflor entwickelt, entwickelt sich auch das Franchise selbst weiter. Es wäre doch langweilig, wenn wir hinter jedem Spiel das immer gleiche Muster erkennen würden. Generation 1 war die Basis, der Anfang. Johtos Monster bauten auf dieser Basis auf. Mit Rubin und Saphir versuchten sich die Designer an plakativerem Aussehen mit weniger Details. In Sinnoh wurden alle bisherigen Ideen vereint und erweitert. Einall wollte etwas vollkommen Neues sein, sich aber trotzdem auf die Ursprünge beziehen. Und mit den neuesten Spielen wurde The Pokémon Company wieder experimentierfreudiger.

Pokémon Rot, Blau und Gelb waren nur die Initialzündung für viele weitere Ideen. Die Pokémon der ersten Stunde sind nicht besser oder schlechter, viele von uns haben nur einen engeren Bezug zu ihnen. Jede Generation hatte ihre Stars und ihre weniger ruhmreichen Vertreter. Davon muss sich keiner angegriffen fühlen: Schließlich hat bisher jedes Spiel die Möglichkeit geboten, ab einem bestimmten Zeitpunkt seine Favoriten zu fangen.