Test - Planet Coaster : Perfekte Inszenierung ohne Herausforderung

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Es ist fast so, als hätten Die Sims und das uralte Theme Park ein gemeinsames Kind gezeugt. Und was für ein Kind! Wunderschön bis in die Haarspitzen, mit einem Editor, den kein Themepark-Manager je zuvor gesehen hat. Überall springen bunte Figuren mit überzeichneter Mimik durch fantastische Parks. Planet Coaster schießt ein nahezu perfektes Grafikfeuerwerk in den Himmel, das hinter der Fassade aber den Erwartungen nicht gerecht wird. Doch der Reihe nach.

Am Anfang des Spiels glotzen wir auf leere Wüsten-, Wiesen- oder Berglandschaften. Schnell folgen jedoch die ersten vorgefertigten Fahrgeschäfte, die wir mit verschieden breiten Wegen und Brücken verbinden. Wir pflastern kleine Stände neben die Hauptpfade, um Besucher mit Getränken wie "Gulpee", Pommes oder Burger abzuzocken. Danach folgt die erste Dekoration in Form eines riesigen Piratenschiffs mit schießenden Piratenrobotern auf dem Deck. Eingestellte Reinigungskräfte patrouillieren wenig später auf den Wegen, damit die Kundschaft nicht durch ihren eigenen Dreck schwimmen muss. Auch eine Toilette muss für das gepflegte Kotzen nach unserer Achterbahnrundfahrt der Kategorie "Genickbrecher" her, sonst liegt im Park bald überall Erbrochenes herum.

Spielmodi: Grenzenlose Geldfluten

Schnell entsteht eine kleine Parklandschaft, deren Besucher mit Geld nur so um sich werfen. Dieses Verhalten zeigt sich bei allen drei verfügbaren Modi, lediglich die Zielsetzung unterscheidet sich etwas: Bei den Szenarien trefft ihr auf vorgefertigte Vergnügungsparks, in denen ihr bestimmte Haupt- und Nebenaufgaben erledigen müsst, zum Beispiel den Bau einer langsamen Achterbahn. Schwer sind diese kleinen Missionen nur ganz selten, lediglich ein paar Achterbahnvorgaben werden selbst für erfahrene Spieler knifflig.

Interessanter geht es im Herausforderungsmodus zu, in dem ihr als Herrscher einer ausreichend großen Karte Parks ohne Zielsetzung erschaffen dürft. Fahrgeschäfte müssen vor dem Bau allerdings erforscht werden, außerdem gibt es drei Schwierigkeitsgrade. In der Praxis unterscheidet sich "leicht" von "schwer" aber nur bei den Anfangshürden, ab einer bestimmten Schwelle wird der Park so oder so zum Selbstläufer – dazu gleich mehr.

Im Sandboxmodus stehen euch alle Fahrgeschäfte und Gegenstände dagegen von Anfang an frei zur Verfügung, ferner könnt ihr auf unbegrenzte Geldreserven zugreifen. Übrigens: Ein Tutorial sucht ihr vergebens, bis auf drei Videos herrscht gähnende Leere. Am besten lernt ihr den Parkbau im Feldversuch, über YouTube-Videos von Fans oder Twitch.tv.

Editor: So viele Möglichkeiten!

Bereits nach den ersten Mausklicks werden zwei der drei Hauptstärken des Spiels deutlich: die perfekt inszenierte Atmosphäre und der umfassende Editor. Vor allem diese beiden Dinge sind es, die Planet Coaster ausmachen – und bei Steam für überaus positive Bewertungen sorgen. Jede hübsche Deko kann in Kleinteilen punktgenau gerastert in die Landschaft geworfen werden.

Das Arsenal reicht von winzigen Dynamitstangen über leuchtenden Shop-Schilder bis hin zu Fenstern, Wänden, Verkleidungen und Düsen, aus denen Feuer und Rauch zischt. Selbst Roboter wie Wasser spuckende Seemonster, die regelmäßig brüllend aus den Tümpeln rauschen und Besucher erschrecken, dürft ihr in Gewässern verstecken. Insgesamt Tausende Einzelteile dürft ihr per Editor für eure Theaterkulisse kombinieren, als Themengebiete stehen Märchen, Piraten, Western und Science-Fiction bereit.

Planet Coaster - Launch Trailer
Pünktlich zum Release von Planet Coaster für den PC gibt es hier den Launch-Trailer für euch.

Zum Deko-Editor kommt ein ebenso gelungener Achterbahneditor hinzu. Satte 27 völlig unterschiedliche Modelle warten auf euch, genauso wie zwei Wasserbahnen und Schienenverkehr mit Bahnhöfen. Die Schienen verlegt ihr in der Regel Stück für Stück, auf ihnen könnt ihr dann Bremsen und Aufzüge anschweißen oder sie für mehr G-Effekte anheben und anwinkeln. Vorgefertigte Teilstücke wie Loopings und Schrauben vereinfachen den Bau. Grenzen werden euch hier kaum gesetzt, selbst unterirdisch oder durch selbst erschaffene Berge darf der Zug brettern – dafür liefert der Entwickler übrigens ein perfektes Terraform-Werkzeug. Überdies lassen sich Explosionen und Anderes auslösen, sobald die Bahn über einen bestimmten Punkt rattert.

Nervenkitzel bis zum Erbrechen

Ihr müsst allerdings die Balance aus "Spaß", "Nervenkitzel" und "Übelkeit" finden, sofern ihr mit der Bahn Geld verdienen wollt. Kotzen sich die Fahrgäste die Seele aus dem Leib, werden die Besucher ausbleiben. Gleiches gilt für langweilige Fahrgeschäfte. Tatsächlich ist nicht etwa die Geldbeschaffung die größte Herausforderung in Planet Coaster, sondern die Ausbalancierung der Achterbahnen.

Die endlosen Editormöglichkeiten verpackt der Entwickler Frontier Developments in die besagte toll animierte und bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Grafik. Dieser Comic-Auftritt mit seinen Sims-artigen Figuren sorgt dafür, dass wir vor lauter Beobachten fast schon den Parkbau vergessen. Auf euren Achterbahnen könnt ihr sogar in verschiedenen Kameraperspektiven mitfahren und aus den Gesichtern der Besucher ablesen, ob sie sich gerade freuen, vor Angst in die Hose machen oder kurz vor der Kotzeritis stehen. Jede Zielgruppe (Kinder, Jugendliche, Erwachsene) steht übrigens auf unterschiedliche Fahrgeschäfte, auch darauf müsst ihr bei der Gestaltung achten.

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