03.08.2011 - Tim Hopmann
Der Tiefpunkt schien letztes Jahr erreicht, als selbst viele hartgesottene Pro-Evo-Jünger mit dem 2011er-Update haderten. In unserem Video-Interview gab Jon Murphy mehr oder weniger zu, dass man auch bei Konami mit dem Spiel nicht sonderlich glücklich war. Um bei der obigen Analogie zu bleiben, hätte PES damit den Punkt erreicht, an dem es nun wieder aufwärtsgehen muss. Nach ausgedehnten Sitzungen mit der neuen Auflage scheint dies eine durchaus realistische Hoffnung zu sein.
Größte und wichtigste Neuerung von PES 2012 ist zweifelsohne das Off-the-Ball-System. Wer schon immer mal die Zuverlässigkeit seiner Hand-Augen-Koordination prüfen wollte, hat jetzt die Gelegenheit dazu. Während ihr mit dem linken Analog-Stick wie gehabt den ballführenden Spieler steuert, könnt ihr mit dem rechten Pendant einen zweiten Spieler kontrollieren. Hierzu bewegt ihr den rechten Stick in die Richtung des gewünschten Mitspielers und drückt R3. Klingt kompliziert, klappt nach kurzer Zeit aber bereits erstaunlich gut. Am Anfang neigten wir oft noch dazu, den ballführenden Spieler zu vernachlässigen, während wir uns mit einem weiteren Kicker freiliefen. Doch mit mehr Praxis lernt man das Feature sehr zu schätzen. Auf lange Sicht muss es sich allerdings noch bewähren.
Neben dem bewussten Suchen von Lücken und gezielten Vorstößen in die Spitze lassen sich auch geschickt Lücken in die gegnerische Verteidigung reißen. Lauft einfach mit dem zweiten Spieler los und täuscht ein Abspiel an, während ihr mit dem ballführenden Akteur den so entstehenden Raum nutzt. Das neue System kommt auch bei Standardsituationen zum Einsatz. Bei Ecke, Einwurf, Abstoß und Freistoß habt ihr nun mehr Kontrolle über die Mitspieler. Gerade bei Ecken ein sehr logischer Schritt, schließlich spielen die im Strafraum lauernden Kopfballspezialisten hier eine größere Rolle als der eigentliche Eckballschütze. Jon Murphy vergleicht diese Situationen mit einem Katz-und-Maus-Spiel und liegt damit sehr richtig. Das neue System bringt deutlich mehr Dynamik und Finesse in festgefahrene Standardmechaniken.
Als ebenso revolutionär preist Konami das Active-AI-System an. Demzufolge agieren die von der KI gesteuerten Team-Kollegen cleverer als je zuvor und passen sich flexibler an die Spielverhältnisse an. Sie laufen sich besser frei, kreuzen und fordern aktiv Zuspiele an. Auch die Defensive soll dank zusätzlichen Hirnschmalzes glänzen. Mittelfeld und Abwehr sollen sich besser abstimmen und die Räume eng machen. Entscheidend ist freilich, wie viel man davon auf dem Platz merkt. Zunächst nicht so viel, was aber auch damit zu tun hat, dass man mit der Kontrolle seines eigenen Spielers - beziehungsweise seiner zwei Spieler - genug zu tun hat. Aber als passiver Betrachter lassen sich die feinen Veränderungen sehr gut beobachten und leisten ihren Teil, um PES noch näher an den echten Fußball heranzubringen.
Was beim Vorgänger selbst routinierte PES-Spieler abschreckte, war das schwer zu beherrschende und kaum verzeihende Passsystem. Wer die Zuspiele nicht haargenau dosierte, musste damit rechnen, dass der Ball den Mitspieler teils meilenweit verfehlte. Spielfluss kam so kaum auf. PES 2012 erlaubt es, die Passgenauigkeit in sechs Stufen einzustellen. Kommen die Bälle mit der größten Unterstützung fast wie an der Schnur gezogen, ist es auf der höchsten Stufe wieder genauso wie beim Vorgänger. So ist für jeden Spielertyp und jede Erfahrungsstufe etwas dabei.
Die Zeiten, in denen die Präsentation von PES nicht an die von FIFA heranreichte, sind schon länger vorbei. Mittlerweile ist es nur noch eine Frage des persönlichen Geschmacks, welche Aufmachung man bevorzugt. Auf dem Platz überzeugt PES 2012 mit einem Rasen, der so gut aussieht, dass man das Gras förmlich riechen kann, und den erneut hervorragend gestalteten Spielergesichtern. Hinzugekommen sind kleine Details, wie Trainer, die in ihren Coaching-Zonen gestikulierend Anweisungen erteilen. Noch nicht ganz glücklich sind wir mit den ebenfalls überarbeiteten Animationen. Wirklich schicke Bewegungsabläufe wechseln sich mit ungelenk aussehenden Aktionen ab. Vor allem die Laufanimationen wirken oft so, als würden die Spieler über einen zugefrorenen See schlittern.
Konami besitzt weiterhin die UEFA-Lizenz, das heißt, ihr könnt wieder Champions und Europa League mit den Original-Teams nachspielen. Viele Clubmannschaften müssen aber weiterhin ohne authentischen Kader und Vereinsnamen auskommen. Viele europäische Spieler hätten sicher liebend gerne auf die abermals integrierte Copa Libertadores verzichtet, wenn sie im Gegenzug eine komplett lizenzierte englische oder gar deutsche Liga bekommen hätten. Diese Problematik ist beinahe so alt wie PES selbst und wird von Fans seit vielen Jahren brav toleriert. Ideal ist es aber nicht.
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Kommentare zu PES 2012
sparen
... netter Berciht,.. obwohl.. naja.. diese Zeile hätte man sich sparen können:
"...ob PES tatsächlich wieder zu alter Form gefunden hat oder endgültig "zum Bayer Leverkusen" der Fußballsimulationen geworden ist"
Gruß
M.S. aus Leverkusen
PES 4 EVER
Gameplay+Taktik >>> Lizenzen
FIFA 4 EVER
Das Passsystem von PES2011 war nun wirklich das kleinste Problem, nach 10-20 Partien hatte man dieses verinnerlicht, es war meiner Meinung nach sogar diejenige Neuerung, welche Konami im letzten Ableger ab besten geglückt ist...Ganz anders verhielt es sich mit dem Schusssystem, Elfern, Abwehrverhalten, den seltsamen Steuerungsänderungen (abgesehen vom Passen), den so gut wie von jedem bemängelten Animationen, Schiries, Abseitssituationen, der chaotischen Spielerauswahl und und und...
Ich hoffe Konami tut endlich was und lässt nicht wie in den letzten Jahren x leere Versprechungen im Vorfeld von sich.
ich finds einfach nur peinlich jetzt schon zu sagen, dieses oder jenes ist besser. wartet doch erstmal ab bis die spiele wirklich rauskommen und ihr sie selbst mal gespielt habt, dann könnt ihr solche aussagen auch machen
Ich hoffte dieses polemische Niveau hätte zumindest hier auf GW ein Ende gefunden. Die letzten Diskussionen liefen ja durchaus brauchbar ab. Ab es scheint, einige Dinge werden sich nie ändern...
Ich bin jetzt keiner von den "FIFA ist Schrott, es lebe PES"-Schreiern, jedes Spiel hat sicher seine Vorzüge.
Allerdings hat er mit den letzten beiden Sätzen nicht wirklich unrecht.
@ xRAZORx
Ich hoffte dieses polemische Niveau hätte zumindest hier auf GW ein Ende gefunden. Die letzten Diskussionen liefen ja durchaus brauchbar ab. Ab es scheint, einige Dinge werden sich nie ändern...
Wer mit PES 11 gehadert hat weil die Pässe so kompliziert waren, der sollte wohl wirklich lieber FIFA spielen. Gerade das war der große Pluspunkt von PES11, und von denen gab es rückblickend betrachtet nicht gerade viele......
Bin deiner Meinung Lorato56.
Mir hat PES 2011 auch gut gefallen, nur das Pass-System gehört verfeinert und die Schiedsrichter grundlegend verbessert. Ansonsten ist PES einem FIFA in jeder Hinsicht überlegen (Ballphysik, Spielgefühl, Taktikvielfalt etc.) Nur die Leute wollen halt lieber Lizenzen und Arcade-Gameplay statt Simulation und Spielaufbau.
Also ich bin einer der wenigen, dem PES 2011 richtig gut gefallen hat. Wurden nun noch einige Animationen verbessert und lässt sicht das Active-AI System gut spielen bin ich, wie fast jedes Jahr seit 98, zufriedener Konami-Kunde
Obwohl ich mich bisher praktisch nur für FIFA erwärmen konnte, klint das hier schon ziemlich interessant...
Ich bin echt mal gespannt, ob Konami irgendwann noch in diesem Leben gescheite Laufanimationen hinbekommt.
Die (unbeweglichen) Screenshots sehen aber trotzdem besser als beim deutlich künstlicher wirkenden FIFA aus, das muss ich zugeben.
Zufriedenheit
Konami sagt seit Jahren, dass sie mit ihrem Spiel nicht so ganz zufrieden waren und alles im nächsten Jahr ändern werden; nur um dann wieder die gleichen Aussagen zu treffen.