25.02.2008 - Andreas Ludwig
Seit die Games Convention in Leipzig die hungrige Gamermeute anlockt, steht der ostdeutsche Standort in der Kritik. Vor allem die unvorteilhaften Verkehrsanbindungen und das vergleichsweise geringe Einzugsgebiet würden auf der Negativliste stehen, sodass sich der BIU und Branchengrößen für einen Wechsel aussprachen; so jedenfalls die Gerüchte der vergangenen Tage.
Olaf Wolters, Geschäftsführer des BIU, und Oliver P. Kuhrt von der Kölner Messe, haben auf der heutigen Pressekonferenz die Stadt Köln als Standort einer neuen Messe ausgerufen. Sie trägt den Namen GAMESCom und soll Europas größte Spielemesse werden.
Ab dem nächsten Jahr soll die Messe im September abgehalten werden und südeuropäische Besucher stärker berücksichtigen als die Games Convention, da in diesem Zeitraum die meisten Länder in der südlichen Hemisphäre Urlaub hätten.
Laut Wolters handele es sich bei der Entscheidung für Köln nicht für eine gegen Leipzig. Das größere Einzugsgebiet - allein das Ruhrgebiet ist das bevölkerungsreichste Areal in Europa - sowie eine bessere Verkehrsanbindung und ein wachstumsfähiges Messegelände seien die Hauptgründe für die GAMESCom.
Wolters erhofft sich durch den Umzug ebenfalls eine stärkere Berücksichtigung in den Fernsehmedien und spielt damit auf den größten Privatsender RTL an, der seine Hauptzentrale derzeit auf das alte, extra für RTL umgebaute Messegelände verlegt und direkt neben der GAMESCom seinem Alltag nachgehen wird. Außerdem wolle man mit der GAMEScom Fachbesucher stärker berücksichtigen, wobei auch beim normalen Besucherpublikum ein Wachstumsschub erwartet wird.
In diesem Jahr findet die Games Convention in Leipzig statt. Auch im nächsten Jahr könnte die Leipziger Messe AG die bisher größte europäische Spielemesse abhalten, da die Namensrechte immer noch bei den Leipzigern liegen. Es dürfte allerdings fraglich sein, ob die Games Convention unter diesen Bedingungen zukünftig bestehen bleibt.
Update: Nach der Ankündigung in Sachen GAMESCom hat sich nun die Leipziger Messe zu den Plänen des BIU geäußert - mit verständlicher Enttäuschung. Ebenfalls enttäuscht und sogar etwas verbittert zeigten sich der Leipziger Oberbürgermeister Jung und der sächsische Wirtschaftsminister Jurk: "Es kann und darf nicht sein, dass öffentlich getragene Messegesellschaften in einen ruinösen Wettbewerb treten und sich Messen - auch durch Dumpingpreise - gegenseitig streitig machen." Verständlich, immerhin wurde die GC in Leipzig durch großen Einsatz zu einer der erfolgreichsten Messen im Bereich Gaming gemacht.
Abzuwarten bleibt, welche Konsequenzen die Entscheidung des BIU und die Markenrechte der Leipziger Messe in Zukunft haben werden. Denkbar sind viele Alternativen, wie zum Beispiel eine Konkurrenz-Messe in Leipzig, die allerdings wohl aufgrund der fehlenden Unterstützung durch den BIU zum Scheitern verurteilt wäre. Ebenso bleibt abzuwarten, ob die neue GAMESCom nicht auch gleichzeitig bedeutet, dass statt einer etablierten und international bedeutenden Branchenmesse wieder ein Neuanfang bei Null durchgeführt wird und Deutschland als Messestandort international wieder zur Bedeutungslosigkeit absackt.
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Kommentare
also London das wäre vom Regen in die Traufe *schon Alpträume von horrenden Hotel, Internet und Verpflegungskosten hat*
Interessant wird doch vor allem, was aus der Games Convention jetzt wird. Nach der erfolgreichen Asia-Adaption werden sie die Games Convention ja kaum sterben lassen. Ich tippe ja, da sie die Messe ins Ausland verlagern - London, Paris oder so. Wenn sie das tun, den Termin aber etwa beibehalten, dann wird es ganz, ganz schwer für die GamesCom sich durchzusetzen - Paris und London wären eben doch noch eine Kategorie oberhalb von Köln, zumal der Name Games Convention ja international bekannt ist.
Dann wäre die Games Convention weg aus Deutschland, wir hätten die GamesCom, die sich aber u.U. gar nicht durchsetzt - und dann binnen fünf Jahren gar keine (anständige) Spielemesse mehr. Das fände ich äußerst schade.
Ich find's schon etwas schade. Die Games Convention hatte sich gerade richtig gutes internationales Renomée aufgebaut. Der Wechsel nach Köln und auch noch unter neuem Namen lässt in der Hinsicht einen Rückschritt befürchten, da es speziell im Ausland wohl eher als "neue" Messe betrachtet wird.
Nicht zu vergessen, daß die ganzen regionalen HQ's der großen Spielefirmen in Köln näher dran sind. EA z.B. hat direkt in Kölle ihre Zentrale.
Naja, so RICHTIG versteh ich's nicht. Die Messe war so erfolgreich, daß es irgendwie wenig Sinn macht, was dran zu ändern. Allerdings kann man ehrlich gesagt mit Köln, wenn die Messe an sich weiterhin was taugt, nicht viel falsch machen.
Naja wenigsten werden die bekannten Initialien "GC" gleich bleiben.
Der Name wurde zum Glück für die Köllner Messe nochmal überarbeitet. Für mich persönlich wäre Leipzig auch etwas näher gewesen.
Schade für Leipzig.
schade für die ossis...gut für mich;-) *hihi*
Köln ist nur eine Stunde von mir weg, aber ich finde die Art und Weise ebenfalls sehr bedenklich und ungerecht. Mir hätte es gereicht, wenn man schnellere Züge für bessere Preise einsetzen würde, dann ist Leipzig immer noch ein guter Standort.
Nun, da 2009 die Messe zum ersten Mal ihren Auftritt hat, wirste kaum *wieder* hinfahren können
Na ich meinte ja nicht nur die neue GamesCon in Köln, sondern betrachtete beide Messen als Ganzes
Als gebürtiger Kölner finde ich die Entscheidung richtig, weil Köln ein idealer Standort für so etwas ist; sowohl vom Einzugsgebiet als auch durch das exzellente Messegelände. Den Umgang mit der Leipziger Messe finde ich allerdings immer noch unter aller Kanone, so ein bisschen Raubrittertum fließt da mit ein. Die GAMESCon profitiert durch die Vorarbeit Leipzigs, weswegen man sich hätte anders einigen müssen.
Nun, da 2009 die Messe zum ersten Mal ihren Auftritt hat, wirste kaum *wieder* hinfahren können
Nice, dann werd ich 2009 wieder hinfahren, 2007 als ich da war, war die Reise hin einfach zu weit ...
Ich hätt für München plädiert
Schade, ich fand den Standort Leipzig eigentlich ganz ok.