Test - Netgear Nighthawk Pro Gaming SX10 : 10G/Multi-Gig-LAN-Switch im Test

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Nichts gegen WLAN, aber fürs latenzfreie Zocken und Streamen ohne Buffering sind LAN-Verbindungen noch immer die erste Wahl. Doch wie regelt man den Datenverkehr, wenn gleich mehrere Geräte parallel an der Netzwerkleitung nuckeln, beispielsweise auf einer LAN-Party? Oder wenn sich PC, PS4, Xbox One, Switch, Amazon Fire oder Apple TV im Mehrpersonenhaushalt um die Bandbreite kloppen? Router sind damit meist überfordert, ein Switch muss her und der Nighthawk SX10 will es richten.

Natürlich tut es auch ein preiswerterer Switch halbwegs, man muss nicht gleich um die 270 Euro auf den Tisch blättern. Doch der Ärger ums Buffering beim 4K-Stream von Game of Thrones, während der Mitbewohner die Lags bei PUBG verflucht, ist damit nur selten zu verhindern. Schließlich sind die meisten Switches am Ende doch nicht mehr als eine Mehrfachsteckdose fürs Netzwerk. Nicht so der Netgear Nighthawk Pro Gaming SX10.

Dass im SX10 einiges an Technik steckt, wird schnell klar. Das 195 x 149 x 40 mm große und 740 Gramm schwere Gerät im schicken Metallgehäuse, das ein wenig an einen Sternenzerstörer aus Star Wars erinnert, nimmt einiges an Platz in Anspruch, strahlt aber Hochwertigkeit aus. Die Rückseite verfügt über satte zehn Ports, zwei davon als 10-Gigabit-Ports, der Rest als normale Gigabit-Ports ausgelegt. Reichlich Platz also, um so ziemlich alles an Geräten anzuschließen.

Der Anschluss selbst geht fix von der Hand: Strom dranklemmen, einen Port für den Uplink zum Router oder Kabelmodem nutzen und an den Rest alles anklemmen, was ein LAN-Kabel nötig hat. Und schon läuft die ganze Sache in den Standardeinstellungen. Sieht dazu noch hübsch aus, denn die einzelnen Ports und das Gehäuse sind, wie sich das heutzutage gehört, RGB-beleuchtet, was sich natürlich individuell einstellen lässt.

So richtig interessant wird die Sache aber erst, wenn wir ans Eingemachte gehen. Via Webinterface kann der Switch per PC sowie über Smartphone und Tablet mittels einer kostenfreien Netgear-Insight-App bedient werden. Zumindest, sofern die mobilen Geräte an einem WLAN hängen, das mit dem Netzwerk des Switches verbunden ist. Die pure Masse an Optionen erschlägt einen zunächst, doch man kommt recht schnell hinter die einzelnen Aspekte, speziell wenn man sich die ausführliche Anleitung herunterlädt. Mit dem Gerät kommt lediglich ein Quickstart-Guide, der aber immerhin alle Basics gut erklärt.

Das Gaming-Dashboard bietet ein enormes Portfolio an Optionen für den Switch. Jeder einzelne Port kann gezielt eingestellt und ans angeklemmte Gerät angepasst werden, um den Datenfluss im Netzwerk zu optimieren. Hilfreich sind die Performance-Presets, die solide Grundeinstellungen erlauben. Dort gibt es einen Gaming-Mode, der dem Port 10 eine möglichst niedrige Latenz nebst hoher Priorität verpasst. Der Streaming-Modus regelt den Datenfluss für reibungslosen Videogenuss, im Standardmodus werden alle Ports gleich behandelt.

Wer möchte, kann aber auch eigene Profile erstellen, um Bandbreite, Priorität, Latenz und vieles mehr für jeden einzelnen Port zu steuern und damit reibungslosen Datenfluss herzustellen. Portbasierte Einstellungen oder 802.1Q sind ebenso vorhanden wie VLAN-Einrichtung oder Quality-of-Service(QoS)-Optimierungen. Auch Link-Aggregation bis zu 20 Gbps ist möglich. Hilfreiche Tools lassen euch den Traffic über den Switch im Auge behalten.

Es kostet ein wenig Einarbeitung, aber am Ende könnt ihr wunderbar regeln, dass der 4K-Stream auf der Glotze nicht buffert, wenn Steam parallel am PC ein Update zieht und eure Latenz in den Keller geht, während ihr nebenher PUBG zockt. Natürlich ist das nichts für den Ein-Mann-Haushalt, der vielleicht gerade mal ein oder zwei Geräte nutzt. Aber in der Vier-Mann-WG oder anderen Mehrpersonenkonstellationen kann der SX10 wirklich immens hilfreich sein – von einer LAN-Party ganz zu schweigen.

Greift zu, wenn...

… ihr in einem Spiele- und Stream-lastigen Mehrpersonenhaushalt lebt und dafür sorgen wollt, dass die Mitbewohner sich im Netzwerk nicht ins Gehege kommen.

Spart es euch, wenn...

… ihr ohnehin nur ein oder zwei Geräte an der Leitung hängen habt.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Teures, aber effektives Vergnügen

Netgears SX10 ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem früheren S8000, und das nicht nur aufgrund der beiden High-Speed-Ports. Die Bedienung ist wesentlich einfacher und umfangreicher, auch wenn etwas Einarbeitung vonnöten ist. Die zahlreichen Optionen erlauben es, für jeden einzelnen Port die optimalen Einstellungen zu erstellen und somit den Datenverkehr im heimischen Netzwerk überaus effizient zu regeln und zu verbessern.

Natürlich ist das nur sinnvoll, wenn mehrere Geräte und Nutzer gleichzeitig im Netzwerk unterwegs sind. Wer zu Hause nur eine Konsole und die Glotze an der Leitung hat, profitiert nicht sonderlich von den Möglichkeiten. Die Verbesserung des heimischen Netzwerktraffics hat allerdings ihren Preis, ein Anschaffung sollte somit wohlüberlegt sein.

Überblick

Pro

  • simple Grundeinrichtung
  • vorgefertige Presets
  • eigene Profile können eingerichtet werden
  • jeder Port kann einzeln gesteuert werden
  • enorm viele Einstellungsmöglichkeiten
  • Bedienung via PC, Tablet oder Smartphone möglich
  • Diagnosetools und Trafficbeobachtung
  • zwei 10-Gigabit-Ports
  • Energiesparmodus

Contra

  • sehr teuer
  • Bedienung benötigt einiges an Einarbeitung
  • sehr wuchtig für einen Switch

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