Test - NBA 2K16 : Zu viel des Guten?

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Eine richtig große Rolle spielt Basketball in Deutschland nicht. Wird es wahrscheinlich nie. Das sieht man an der Tatsache, dass nach Nowitzkis gewonnener Meisterschaft im Jahre 2011 kein Ruck durch das Land ging. Auch Dennis Schröders Mitwirken in der NBA gibt der US-Profiliga kaum mehr Beachtung in der Berichterstattung. Man muss sich damit abfinden, dass andere Sportarten stärker im Rampenlicht stehen. Bedauerlich, denn so bleibt die hervorragende Basketballsimulation aus dem Hause 2K Sports vielen vorenthalten.

Stephen Curry von den Golden State Warriors zieht zum Korb. Das macht er schon mal ganz gerne, wenn der offene Wurf nicht zu schaffen ist. Während er sich unnachahmlich von seinen Gegenspielern löst und zum Korb dribbelt, taucht auf einmal „Die Braue“ auf, Anthony Davis. Wie ein Baum mit gewaltigen Ästen spreizt er sein Arme auseinander, um jeglichen Korbversuch im Keim zu ersticken. Curry springt, streckt seinen Wurfarm und lässt den Ball im hohen Bogen durch die Luft segeln. Die Flugkurve des Sportgeräts umschifft die Pranken und gleitet in die Maschen. Der Point Guard marschiert zurück, als wäre nichts gewesen. Davis ärgert sich sichtlich.

Fast wie echt

Für NBA 2K16 drehten die Entwickler an vielen kleinen Schrauben, um die Spielerfahrung noch glaubwürdiger zu gestalten. Der Körperkontakt zwischen Angreifer und Verteidiger ist ruppiger, es geht kämpferischer zur Sache, die Spieler laufen etwas leichtfüßiger über den Court und achten auf ihre Fußarbeit, wenn sie zum Wurf ansetzen. Generell sind die Athleten deutlich mehr auf Zack und erarbeiten sich effizienter Platz zum Punkten. Fehler bei der Mannaufteilung werden gnadenlos bestraft.

Die Arbeit unterm Brett ist befriedigender. Zum einen, weil das Aufposten als Center oder Power Forward etwas leichter von der Hand geht und effektiver ist, zum anderen, weil die Rebound-Arbeit von den KI-Kollegen ernster genommen wird. Nur der anschließende Pass nach draußen auf den freien Werfer könnte öfter ausgeführt werden. Trotzdem: Taktisch arbeiten die Spieler clever zusammen. Blocks machen endlich richtig Spaß. Besonders, wenn ihr beispielsweise mit LeBron den gegnerischen Fast Break stoppt, indem ihr den Ball gegen das Brett kloppt. Da geht das Herz des Basketball-Fans auf.

Fans werden sich anfangs umgewöhnen müssen, da die Belegung des Controllers an einigen Stellen signifikant geändert wurde. Pick-and-Roll führt ihr mit der vorderen linken Schultertaste aus, statt mit der B- beziehungsweise der Kreis-Taste. Hier spielt ihr besonders schicke Pässe. 2K Smart Play führt ihr nun mit dem oberen Steuerkreuz aus. Ihr seht schon: Viele Tasten bekommen neue Funktionen spendiert. Nur Kleinigkeiten stören den ansonsten hervorragenden Spielfluss. Manchmal verlieren sich die Spieler auf dem Feld und wuseln wie wilde Ameisen durch die Gegend. Auch Bugs wie die Tatsache, dass in Partien mit Zwölf-Minuten-Vierteln die Spieler nicht oder nur unzureichend schwitzen, sind verschmerzbar.

Frequency wer...?

In den vergangenen Jahren war der MyCareer-Modus das Herzstück der NBA-2K-Reihe. Einen eigenen Spieler durch den NBA-Zirkus jagen war zwar oft etwas kitschig, aber immer fesselnd und befriedigend. Deswegen wollten Entwickler von Visual Concepts in diesem Jahr das virtuelle Basketballabenteuer auf die Spitze treiben, indem sie Regisseur Spike Lee (unter anderem „He got game“) für das Drehbuch und die Regiearbeit verpflichteten. Eine Entscheidung, die gleichermaßen Fluch wie Segen ist.

Seinen Einfluss merkt man an jeder Ecke der Karriere. Zwar erstellt ihr zu Beginn euren eigenen Charakter und könnt mit viel Geduld auch respektable Ergebnisse mit Face-Scan-Funktion erzielen, aber gerade anfänglich fühlt es sich nicht wie euer Athlet an. Zum Beispiel, weil ihr euch keinen Spitznamen mehr aussuchen dürft. Ihr werdet von jedem Frequency „Freq“ Vibrations genannt. Ihr seid ein großes Nachwuchstalent aus Harlem und der leibliche Sohn einer afroamerikanischen Familie, was für lustige Szenen sorgen kann, wenn ihr euch für eine andere Hautfarbe entscheiden solltet.

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Auch in diesem Jahr will euch Kuro den Basketballsport näher bringen. In seiner NBA-2K16-Videoreihe stellt er euch in fünf teilen den neusten Teil aus dem Hause

Es ist eine tolle Idee, komprimierte Abstecher in die High School und das College zu machen. Doch gerade erstere Station verkommt zur Lachnummer. Einerseits absolviert ihr nur zwei Minuten lange Viertel in den Partien, andererseits tretet ihr mit der fertigen Kreation eures Profis in spe an. Die Immersion leidet erheblich, wenn ihr euch als 1,91 Meter großer, bärtiger Point Guard das Parkett mit High-School-Schülern teilt und höchstens der Center euch auf den Kopf spucken kann.

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