Test

nail'd

Pure an die Wand genagelt?

  • PC
  • PS3
  • X360

Die polnischen Entwickler von Techland machten sich vor allem mit den Call-of-Juarez-Spielen einen Namen. Mit nail'd wollen sie nun auch im Offroad-Racer-Genre Fuß fassen, nachdem die ordentlichen Xpand Rally und Xpand Rally Xtreme zwischen den Rennspielplatzhirschen sang- und klanglos untergingen. Damit das nicht wieder passiert, versucht es Techland jetzt mit einem einfachen, aber unübersehbaren Mittel: übertreiben, bis es keiner mehr ignorieren kann.

Fallen überzogene Fahrmanöver im Windschatten eines Pure überhaupt noch auf? Ja, denn man kann es immer noch extremer treiben. Das merkt ihr schnell, sobald ihr das erste Rennen startet. In einem Affenzahn rast ihr mit einem Quad oder einem Offroad-Motorrad durch die Felsenlandschaft. Im Burnout-Stil sorgen Verwischeffekte dafür, dass euch jeder Boost-Einsatz schon fast spürbar in den Sessel drückt. Schnell ist klar: In Sachen Geschwindigkeit wirkt das zwei Jahre alte Pure neben nail'd wie ein Rentner beim Bergaufmarathon.

Die chaotische Streckenführung überfordert zu Beginn völlig. Ständig knallt man gegen irgendwelche Felsen oder landet abseits des Weges. Dass es zudem viele Gabelungen gibt, macht es nicht gerade einfacher, sich den Verlauf einzuprägen. Genau darin liegt nämlich die Schwierigkeit: Ihr müsst die Strecken im besten Fall in- und auswendig kennen. Nur so habt ihr auch im späteren Verlauf noch eine Chance gegen die zwar nicht fehlerfrei agierenden, aber dennoch sehr sicheren Computergegner.

Über das Fahrverhalten eures Gefährts müsst ihr euch dafür niemals Gedanken machen. Es gibt hier nichts zu lernen oder zu üben. Euer Zwei- oder Vierräder steuert sich nämlich so arcadig, dass sogar Pure und die Motorstorm-Reihe im direkten Vergleich als realistische Simulationen durchgehen könnten. Ihr driftet oder kippt in Kurven praktisch niemals und könnt sogar in der Luft noch lenken. Zu keinem Zeitpunkt habt ihr das Gefühl, tatsächlich ein Fahrzeug mit spürbaren Eigenschaften zu steuern.

nail'd - Staaart! Ein komplettes Rennen

In der Werkstatt verändert ihr zwar bestimmte Merkmale wie das Lenken am Boden und in der Luft, die Boost-Kapazität und Derartiges, aber spielerische Auswirkungen hat eure Schrauberei höchstens, wenn ihr extrem unvorteilhafte Einstellungen vornehmt. Neben Karosserie, Auspuff, Motor, Lenker, Stoßdämpfer und den Rädern wechselt ihr auf Wunsch auch den Fahrer und bekleidet sie oder ihn so, wie ihr möchtet. Im Laufe des Spiels werden neue Kleidungsstücke genauso freigeschaltet wie stylische Lackierungen und frische Teile für euer Gefährt.

Atemberaubende Weltreise

Die Ergebnisse eurer Modifikationen stellt ihr an vier Hauptorten zur Schau. In Arizona erwarten euch staubige Felsenlabyrinthe unter brennend heißer Sonne. Im Yosemite-Nationalpark hingegen achtet ihr primär darauf, keinen der zahlreichen Bäume zu rammen - vor allem, wenn es neblig wird. Griechenland entzückt euer Auge mit den typischen Ruinen und in den Anden springt ihr über verschneite Gebirge. Das alles sieht prächtig aus, auch wenn die PlayStation-3-Version mit etwas weniger scharfen Texturen leben muss, und wurde von den Entwicklern sehr detailverliebt aufgebaut.

Es ist schon fast eine Schande, dass ihr Werk nur in Höchstgeschwindigkeit an uns vorbeizieht. Amüsant absurd sind Ideen wie Zeppeline mit Wegweisern drauf oder die Momente, in denen ihr kurz auf Heißluftballons fahrt. Schießt euch plötzlich ein Schnellzug entgegen, raubt euch das durchaus mal den Atem. Diverse Effekte, wie Hitzeflimmern sowie Dreck und Wasser auf dem Bildschirm, machen die Umgebung glaubhaft.

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