Test

Mount & Blade: Warband

Virtuelles Mittelalter-Spektakulum

  • PC

Das kleine türkische Entwicklungsstudio TaleWorlds entführte uns in Mount & Blade schon einmal mit Pferd und Schwert auf mittelalterliche Abenteuerreisen. In der grafisch aufgepeppten Erweiterung Warband herrscht diesmal auch im Mehrspielermodus Krieg.

Beginnen wir mit dem Wichtigsten, vor allem für Fans des ursprünglichen Mount & Blade: Was kann Mount & Blade: Warband, das der Vorgänger nicht konnte? Nun, die Liste ist beachtlich lang, picken wir uns mal einige wenige Beispiele heraus: So hat die Romantik in die mittelalterliche Welt Einzug gehalten. Das Heiratssystem erlaubt es euch, eine Frau oder einen Mann zu wählen. Die Karte ist grafisch überarbeitet und vergrößert, im entstandenen Freiraum ist die zusätzliche Fraktion des Sultanats Sarranid untergebracht. Nicht zu vergessen der neue Mehrspielermodus für bis zu 64 Spieler. Und wer die absolute Herrschaft anstrebt, wird in der Einzelspielerkampagne jetzt einfach selbst König.

Verwirrt? Ihr fragt euch: „Was zur Hölle ist Mount & Blade: Warband?" Keine Sorge, nachdem nun alle Freunde des gepflegten Mittelalterabenteuers vorab mit den wichtigsten Informationen versorgt sind, schalten wir wieder einen Gang zurück. Warband ist eine eigenständige Erweiterung des Rollenspiels Mount & Blade, ihr benötigt das ursprüngliche Spiel also nicht. Alle Ereignisse finden in der offenen Spielwelt des mittelalterlichen Calradia statt, es gibt aber wohlgemerkt keine Fantasy-Elemente im Spiel. Sozusagen eine blanke Mittelaltersimulation, bei der ihr wie in Rollenspielen üblich mit der Charaktererstellung beginnt.

Tapfere Recken

Während ihr euren Helden erschafft, fällt eine erste Besonderheit auf: Warband presst euch nicht in vorgegebene Laufbahnen mit festen Bezeichnungen, wie Dieb, Kämpfer oder dergleichen. Vielmehr dürft ihr die Fertigkeitspunkte vollkommen frei vergeben und den Charakter so ganz nach eurem Belieben gestalten. Sobald ihr fertig seid, beginnt eure Reise ins Abenteuer auf einer Weltkarte, die ihr stufenlos von einer Satellitenansicht bis zur Nahaufnahme eurer Truppen verstellen könnt. Sobald eine Begegnung mit Feinden stattfindet, wechselt die Ansicht für die Dauer der Schlacht zum Schulterblick. Wer möchte, darf von hier aus auch noch eine Ich-Perspektive aktivieren.

Mount

Die Vielschichtigkeit, die das Spielkonzept von Mount & Blade: Warband bietet, ist schlichtweg umwerfend. Grundsätzlich seid ihr frei zu tun und zu lassen, was ihr wollt. Das Spiel gibt euch zwar auch mögliche Richtungen vor, ob ihr diesen folgt, bleibt aber euch überlassen. So könnt ihr danach streben, ein möglichst großes eigenes Heer aufzustellen, indem ihr Söldner in Schenken und Rekruten in Dörfern anwerbt. Oder ihr schlagt den Weg des Händlers ein. Wer möchte, kann sich als Vasall eines Königs verdingen oder im krassen Gegensatz dazu als Räuberhauptmann durch die Lande ziehen. Zusätzlich treibt ihr eure Charakterstufe durch das Erledigen von mehr oder weniger abwechslungsreichen Quests nach oben, wie wir es von fast allen Rollenspielen kennen.

Olle Kamellen

Obwohl Warband im Vergleich zum Vorgänger grafisch massiv überarbeitet wurde, ist es immer noch keine besonders hübsche Burgmaid. Das Spiel bietet zwar auch glanzvolle Örtlichkeiten und Situationen, zum Beispiel während der riesigen Schlachten, insgesamt nagt der Zahn der Zeit aber sichtlich an der grafischen Präsentation. Als kleiner Ausgleich macht die Technik dafür keine Probleme und läuft auch auf schwachen Systemen einwandfrei. Die Hintergrundmusik hat uns sehr gut gefallen und trägt viel dazu bei, dass ihr euch mitten ins Mittelalter versetzt fühlt. Die restliche Geräuschkulisse überzeugt ebenfalls, lediglich dass alle Bewohner Calradiens stumm sind, trübt das Bild etwas.

Zum Schluss wollen wir noch auf den Mehrspielermodus eingehen. Hier dürft ihr im lokalen Netzwerk und bei Internet-Spielen mit bis zu 64 Mitstreitern antreten, um euch in abwechslungsreichen Spielmodi zu messen. Neben bekannten Spieltypen, wie „Erobere die Flagge" und Deathmatch-Varianten, gibt es mit „Belagerung" und „Kämpfen und vernichten" auch komplexere Spielarten für fortgeschrittene Ritter. Dort treten zwar hier und da noch Balanceprobleme auf, doch diese sind zum Glück nicht so gravierend, dass man sie nicht mit einem Patch beheben könnte.

Fazit

Wow, das war knapp! Auch wenn es um Haaresbreite nicht für den begehrten Award gereicht hat, so habe ich Warband auf jeden Fall bereits zu meinen persönlichen Spielefavoriten des Jahres 2010 hinzugefügt.Wow, das war knapp! Auch wenn es um Haaresbreite nicht für den begehrten Award gereicht hat, so habe ich Warband auf jeden Fall bereits zu meinen persönlichen Spielefavoriten des Jahres 2010 hinzugefügt. Klar, es gibt genügend Zocker, die lieber lineare Missionen durchspielen. Doch wenn ihr gerne der eigenen Fantasie freien Lauf lasst und somit euer Spiel selbst gestaltet, dann solltet ihr Mount & Blade: Warband unbedingt eine Chance geben!

Überblick

Pro

  • sehr vielschichtiges Spielkonzept mit unglaublich vielen Möglichkeiten
  • tolles Kampfsystem
  • stimmiger Soundtrack
  • offene Spielwelt, die von euren Handlungen beeinflusst wird
  • neuer Mehrspielermodus

Contra

  • Grafik wirkt immer noch altbacken
  • nicht übersetzte Textstellen
  • Musik stoppt und startet manchmal nach nicht ersichtlichen Kriterien
  • Quests wiederholen sich teilweise
  • Spielen ohne festgestecktes Spielziel ist nicht jedermanns Sache

Wertung

  • PC
    84
    %