Test - MotoGP : Tolle Optionen, miese Grafik

  • Wii
Von Kommentieren

Wer erinnert sich noch an Segas Virtua Racing auf dem Mega Drive? Das Spiel glänzte mit einer simulierten 3D-Optik auf einem reinen 2D-System, verzichtete dafür aber auf aufwendige Texturen. 1992 war das vielleicht noch in Ordnung, aber 2009?

Verpackung macht alles

Man nehme ein paar Räder, einen Batzen Lizenzen, verschiedene Rennmodi und ein paar Polygone, um daraus eine Gelddruckmaschine zu bauen. Wenn es sich hier nicht gerade um Fanservice handelt, muss das der Gedankengang der Entwickler von MotoGP für die Wii gewesen sein. Zumal die Software ja bereits existierte.

Das Spielprinzip gleicht dem auf den großen Konsolen. Ihr arbeitet euch im Karrieremodus innerhalb von fünf Spieljahren durch die 125-ccm-, die 250-ccm- und die GP-Klassen zur Spitze, um MotoGP-Champion zu werden. Alternativ ist es möglich, verschiedene kurze Einzelspielermodi zu wählen.

Die Qual der Wahl

Zum einen wäre da das klassische Einzelrennen. Dort bestimmt ihr eine der über 15 originalen Strecken, einen Fahrer, das Wetter, Rundenzahl und weitere Spezifikationen.

Dann kommt das Zeitrennen, bei dem ihr eure Rundenzeit ermittelt und fortan gegen eure selbst gesetzte Bestzeit fahrt. So weit, so klassisch. Als Nächstes gibt es noch einen etwas kürzeren Karrieremodus, nämlich die WM. Hier legt ihr Klasse und Fahrer, aber auch diverse andere Rennspezifikationen fest. Danach fahrt ihr eine Reihe von Rennen, bei denen es ebenfalls nur darum geht, am Ende auf dem Siegertreppchen ganz oben zu stehen. Wem das aber auch noch nicht genug ist, der soll sich an den Herausforderungen probieren.

Noch mehr Auswahl

Es gibt 50 Herausforderungen, die sich in insgesamt sieben Unterkategorien einordnen lassen. Geschwindigkeitsrennen, bei denen ihr immer über einer bestimmten Mindestgeschwindigkeit bleiben müsst, dürften nicht unbekannt sein. Angesichts der doch oft recht engen Kurven ist das gar nicht mal so einfach und dürfte so manchen Wiederholungsversuch erfordern.

Bremsherausforderungen stellen euch eine begrenzte Menge an Bremskraft zur Verfügung, mit der ihr dann eine Runde lang auskommen müsst.

Eine Möglichkeit wäre natürlich, den Finger vom Gas zu lassen, aber das wäre ja langweilig. Und so wird es zu einer Mischung aus Taktik und Streckenkenntnis, Brems- und Beschleunigungsvorgänge ideal zu timen.

Ansonsten gibt es noch die üblichen Checkpoint-Rennen, eine weitere Meisterschaft, Kopf-an-Kopf-Rennen und Ideallinien nachfahren. Letzteres ist übrigens eine hervorragende Übung auch für andere Rennspiele, um den Dreh für die perfekten Kurven rauszubekommen.

Darüber hinaus gibt es noch drei Mehrspielermodi via Split-Screen: Einzel-, Zeitrennen und WM.

Für jeden Fahrer etwas dabei

Der eigentliche Clou an MotoGP ist die Steuerungsvielfalt. Ihr könnt entweder nur mit der Wii-Fernbedienung oder zusammen mit dem Nunchuck in drei weiteren Varianten spielen. Bei der Wii-Fernbedienung allein haltet ihr diese waagerecht und bewegt sie wie ein Lenkrad, um zu steuern. Beschleunigt wird mit dem 2-Knopf. Falls ihr einen Nunchuck zur Hand habt, könnt ihr mit dem Control-Stick lenken, während ihr via Drehung der Wii-Fernbedienung die Geschwindigkeit bestimmt. Alternativ dürft ihr mit C beschleunigen, aber mit Schütteln der Fernbedienung hoch- und runterschalten.

Zu guter Letzt könnt ihr im Prinzip auch allein mit dem Nunchuck spielen, da die Knopfbelegungen auf der Wii-Fernbedienung für die meisten Spieler uninteressant sind.

Die letzte Variante stellte sich als am umgänglichsten für den Großteil aller Spieler heraus, wobei man sich auch an die anderen gewöhnen kann.

Back to the Future?

Hauptproblem an MotoGP ist vor allem die Präsentation. Manch einer mag sagen, dass es mal ein Versuch ist, ein relativ realistisches Spiel zu machen. Der soll sich aber mal Ford OffRoad Challenge anschauen. Die mag zwar spielerisch nicht jedem gefallen, hatte aber eine wesentlich bessere Optik. Auch der Sound und allgemein das Fahrgefühl waren stimmiger als bei MotoGP, das insgesamt wie ein Spiel aus den frühen 90er-Jahren präsentiert wird. Es hat aber durchaus Qualitäten, die nicht geleugnet werden können, nämlich die vielen Lizenzen, aber auch die unterhaltsamen Spielmodi. Eigentlich fehlt nur noch die Möglichkeit, auch online Rennen zu fahren. Angesichts der restlichen Spieltechnologie sollte die Wii dazu sehr wohl in der Lage sein.

Fazit

von Alicia Radke
Trotz der wirklich schlechten Präsentation von MotoGP ist es schwer, dem Spiel eine schlechte Bewertung zu verpassen, dank der guten Technik, die dahintersteckt. Die Möglichkeit, den Fahrmodus direkt zu bestimmen, wird allen Rennspielern gleichermaßen gefallen, ebenso wie die ausführlichen Einstellungsmöglichkeiten, was die Rennkonditionen betrifft. Auch die verschiedenen Herausforderungsarten sorgen für viel Kopfrauchen, was durchaus positiv ist und einen hohen Wiederspielwert birgt. Außerdem sprechen die Wii-eigenen Steuerungsmethoden für sich. Wer Wert auf interessante Steuerungsmodi legt, sollte zur Wii-Variante greifen. Wem die Optik wichtiger ist, wird die Next Generation bevorzugen, auch wenn diese nicht unbedingt eine Champagnerdusche wert ist.

Überblick

Pro

  • zahlreiche Lizenzen für Teams, Strecken und Fahrer
  • viele interessante Spielmodi
  • drei Fahrmodi: Simulation, Arcade, erweitert
  • vier Steuerungsmodi

Contra

  • sehr schlechte Präsentation
  • Bewegungssensor scheint ab und an überempfindlich
  • kein Online-Modus

Wertung

  • Wii
    70
    %

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel