Test - Might & Magic VIII : Might & Magic VIII

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Die Welt Enroth ist längst eine Legende unter den Computer-Spielern. Man denke an die Strategiespiel-Reihe "Heroes of Might & Magic" und die "Might & Magic"-Rollenspiele, die in dieser Welt angesiedelt sind. Nach missglückten Ausflügen in andere Genres besinnt sich 3DO nun wieder auf seine Qualitäten und führt uns mit dem Rollenspiel "Might & Magic VIII: Day of the Destroyer" auf ein Neues nach Enroth und versucht, an vergangene Erfolge wieder anzuknüpfen.

Die Welt Enroth blickt schlechten Zeiten entgegen, denn eine alte Prophezeiung bewahrheitet sich. Ohne Vorwarnung öffnen sich an allen Ecken der Welt Tore zu den Ebenen der Elemente, durch die nun Feuer, Erde, Wasser und Luft Tod und Verderben über das Land bringen. Als anfangs unerfahrener Abenteurer liegt es an euch, das Gleichgewicht auf Enroth wieder herzustellen und die völlige Zerstörung der Welt abzuwenden. Doch der Weg ist lang und beschwerlich, und voller Rätsel und Begegnungen.

Besagten Abenteurer könnt ihr zu Beginn des Spieles aus sieben Charakterklassen, die zugleich eine unterschiedliche Rasse haben, auswählen. Neben sieben einstellbaren Grundwerten und vier Fähigkeiten, könnt ihr auch Stimme und Portrait eures "Alter Egos" wählen. Die Fähigkeiten sind für jede einzelne Charakterklasse limitiert, im Laufe des Spieles können allerdings weitere gegen bare Münze erlernt werden. Ohne grosses Brimborium geht es dann auch gleich zu den ersten Abenteuern auf der Dolchwunden-Insel, dem ersten Handlungsort des Spieles. Dort findet sich auch die erste Stadt, in der ihr alle Elemente kennen lernt, die auch in den anderen Städten vertreten sind. Dazu gehören diverse Händler, die Gegenstände kaufen, verkaufen, reparieren oder identifizieren, eine Herberge zum Beschaffen von Nahrung und Unterkunft, NPCs, die euch mit Aufträgen und Informationen versorgen und der eine oder andere Charakter, der sich eurer maximal fünf Mann starken Party mehr oder weniger bereitwillig anschliesst. Weiterhin vertreten sind diverse Ausbilder, die euch höhere Ränge verschaffen, dazu aber später mehr. Fässer und Brunnen erhöhen, teils temporär, teils permanent eure Charakterwerte und in dem einen oder anderen Gerümpelhaufen findet sich auch mal eine Waffe, allerdings neigen die Charaktere beim Müll durchwühlen zum Erkranken.

Die Häuser in den Städten sind grundsätzlich nicht begehbar, bis auf wenige Ausnahmen, die im Zusammenhang mit Quests stehen. Statt dessen wird ein neuer Screen eingeblendet, in dem einige wenige Dialog-Optionen zur Verfügung stehen. Dialog ist allerdings etwas zuviel gesagt, die Konversation beschränkt sich nämlich auf das Anklicken der wenigen Optionen. Echte Gespräche entwickeln sich nicht.

Nach erfolgter Ausrüstung der Charaktere geht es ins Eingemachte. Die Spielwelt besteht aus mehreren quadratischen Umgebungen, die durch längere Reisestrecken miteinander verbunden sind. Feinde gibt es sowohl in den Aussenlandschaften als auch in den zahlreichen Dungeons. Die Gegnerschar setzt sich aus den Monsterrassen des "Might & Magic"-Universums zusammen, Fans der Reihe werden einiges altbekanntes wiederentdecken. Neben den Monstern warten Schalterrätsel und Geheimtüren auf euch, die in dem meisten Fällen gut lösbar sind, ausser wenn euch die ungenaue Steuerung per Maus und Tastatur einen Strich durch die Rechnung macht. Hier und da sind auch Türen oder Truhen mit Fallen gesichert. Die Quests sind im Grossen und Ganzen recht abwechslungsreich und teilweise auch verzweigt. Leider sind auch sehr lange Wege zur Lösung der Quests notwendig. Ein Journal zeichnet wichtige Informationen und Aufgaben auf. Allerdings passiert es sehr schnell, dass man dennoch den roten Faden verliert. Immerhin könnt ihr die Quests weitestgehend in beliebiger Reihenfolge lösen, die Handlung ist zum Grossteil nicht linear. Schwierige Aufgaben können also erst einmal hinten angestellt werden, um vorher die Charaktere auf entsprechende Level zu bringen.

Gekämpft wird wahlweise in Echtzeit, oder per Tastendruck rundenbasiert. Letzteres ist unbedingt empfehlenswert, um die teils recht schweren Kämpfe richtig zu geniessen. Gespielt wird im Übrigen aus der Ego-Perspektive, so dass ihr euren Feinden Auge in Auge gegenübersteht. Anhängig von der Schnelligkeit der Charaktere kommt dann einer nach dem anderen dran, um dem Gegner eins auszuwischen. Der Wechsel zwischen Fern- und Nahkampfwaffen geht automatisch vonstatten, abhängig von der Entfernung der Gegner.
Zauberkundige können es natürlich auch mit den erlernten Zaubersprüchen probieren, zumindest solange die Zauberpunkte reichen, die ebenso wie die Trefferpunkte durch Tränke oder eingelegte Pausen regeneriert werden. Bewusstlose Charaktere nehmen am Kampf natürlich nicht mehr teil, und müssen per Trank oder Heilspruch wiedererweckt werden. Getötete Charaktere können in Tempeln gegen ein geringes Entgelt wieder in die Welt der Lebenden zurückgebracht werden. Getötete Gegner verschaffen euch per Klick Nachschub in Sachen Gold und ab und an auch einen Gegenstand.

Die Zaubersprüche sind nicht von Anfang an verfügbar, sondern müssen durch Bücher erlernt werden, wobei bestimmte Sprüche erst ab bestimmten Rängen erlernt werden können. Die Zaubersprüche bestehen aus elf Klassen, darunter Elemente, Körper, Seele und Geist. Neue Klassen können von entsprechenden Ausbildern in den Städten, natürlich gegen Entgelt, erlernt werden. Zaubertränke werden durch Reagenzien in Kombination mit leeren Flaschen erzeugt. Auch hier können nach und nach weitere Rezepte für ausgefeiltere und mächtigere Tränke erlernt werden. Herumprobieren ist möglich, aber nicht empfehlenswert, da einige der Gemische zum Explodieren neigen.

Die Weiterentwicklung der Charaktere funktioniert mittels eines Erfahrungspunktesystems. Für getötete Gegner und erledigte Quests gibt es Punkte. Diese können beim Ausbilder in einer der Städte gegen ein kostenpflichtiges Level-up eingetauscht werden. Für dieses Level-up erhaltet ihr eine bestimmte Anzahl Skill-Punkte, mit denen ihr die Fähigkeiten des Charakters verbessern könnt. Bei Erreichen bestimmter Level einer Fähigkeit könnt ihr für die Fähigkeit einen neuen Rang bekommen, auch das wiederum bei bestimmten Ausbildern in den Städten. Neue Ränge verbessern die vorhandenen Skills und ermöglichen speziell bei Zauberern auch das Erlernen neuer Sprüche.

Witzige Zugabe ist das Kartenspiel "Arcomage", dass ihr in elf der Herbergen spielen könnt. Es erinnert entfernt an "Magic The Gathering" und ähnliche Trading-Card-Spiele und bietet eine nette Abwechslung, wenn auch keine besonders fordernde.

Grafisch ist "Might & Magic VIII" alles andere als eine Offenbarung, zumal nur 640x480 als Auflösung angeboten wird. Die Engine des Vorgängers, die damals schon veraltet wirkte, wurde nahezu unverändert übernommen und auch die 3D-Unterstützung via Direct3D hilft wenig. Charaktere und Gebäude wirken pixelig und verschwimmen auf grösseren Monitoren bei Nahansicht zum Brei. Die Animationen sind qualitativ nicht der Rede wert, unfreiwilligen Humor erlebt ihr, wenn die Monster im Zickzack auf euch zuwatscheln. Die Zaubersprüche sind mit Effekten versehen, die aber ebenfalls eher auf dem Niveau der Zweckmässigkeit liegen. Gegenstände und Interface wirken grob und haben nach heutigem Stand der Technik gerade mal Shareware-Niveau. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier versucht wurde, mit alter Technik eine schnelle Mark zu machen.

Auch die Geräuschkulisse wirkt befremdlich, speziell die Sprachausgabe der Charaktere ist nicht besonders gelungen. Dass zum Beispiel auch jedes Identifizieren von Gegenständen mit ein und dem selben Kommentar hinterlegt ist, geht einem mit der Zeit einfach auf die Nerven, zumal die Sprecher nicht das Gelbe vom Ei sind. Die Umgebungsgeräusche sind ebenso durchwachsen, wobei immerhin unterschiedliche Gegenden eine an die dort vorkommenden Monster angepasste Kulisse haben. Dummerweise sind deren Geräusche auch noch zu hören, wenn keines der Monster eines Bereiches mehr am Leben ist, was zu einiger Verwirrung führt, speziell in Gegenden, wo es um die Vernichtung aller Monster geht.

Immerhin sorgt die magere Grafik für eine gute Performance, wenn auch die Ladezeiten recht lang wirken. Leider wurde das Spiel nicht von Bugs verschont. So wurde an mehreren Stellen bei der Übersetzung geschlampt (die "Credits" im Abspann heissen hier "Punkte") und ein oder zwei Abstürze waren während des Tests zu verzeichnen. Beim Abbruch des Rastens mit Heilung verschwand einmal das gesamte Interface am oberen Bildschirmrand und gelegentlich tauchten zusammenhanglose Text-Einblendungen im Interface auf. Alles in allem halten sich die Bugs aber soweit in Grenzen, dass der Spielspass nicht beeinträchtigt wird.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Langsam wird es Zeit, dass sich New World Computing mal etwas Neues einfallen lässt. Die Grafik ist völlig veraltet und das gesamte Spiel technisch nicht mehr zeitgemäss. Zudem sind Bedienung und das Interface recht umständlich. Pluspunkte sammelt das Spiel durch das Kampf- und Magiesystem und die verzweigte Story. Rollenspiel-Puristen und Traditionalisten, die keinen Wert auf technische Umsetzung legen, werden an dem Spiel dennoch kaum vorbeikommen, denn die Story ist interessant, die verzweigten Quests recht fordernd und die Rätsel weitgehend abwechslungsreich. Zu gut für Mittelmass, zu schlecht für einen Hit..

Wertung

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