Test - Metroid Prime: Federation Force : Metroid-Gefechte ohne Samus Aran

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Nintendo und der Entwickler Next Level Games verhelfen einer der bekanntesten Serien der Videospielgeschichte zu einem Comeback: Metroid. Der Nintendo-3DS-Ableger Metroid Prime: Federation Force unterscheidet sich jedoch teilweise recht stark von den bisher veröffentlichten Episoden – sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht.

Sage und schreibe 30 Jahre ist es mittlerweile her, dass Nintendo mit Metroid nicht einfach nur ein neues Action-Spiel für das Nintendo Entertainment System (NES) veröffentlichte, sondern gleichzeitig auch den Grundstein für ein Stück Videospielgeschichte legte. Das konnte damals noch keiner ahnen. Mittlerweile gibt es unzählige Episoden und Ableger, deren Verkaufszahlen sich zusammengenommen im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Es ist daher wenig verwunderlich, dass Nintendo der Erfolgsgeschichte jetzt mit Metroid Prime: Federation Force ein weiteres Kapitel hinzufügen möchte – wenn auch auf eine etwas andere Art.

Soldaten an die Front

Wer nämlich mit einem weiteren epischen Abenteuer der beliebten Weltraumheldin Samus Aran gerechnet hat, dürfte enttäuscht sein. Bei Metroid Prime: Federation Force dreht sich nämlich alles um vier namenlose Soldaten, die zwar eine ähnliche Rüstung wie Aran tragen, ansonsten aber nicht viel mit ihr gemeinsam haben. Das gilt übrigens auch für die Story: Sie ist nicht nur recht dünn, sondern über weite Strecken auch ziemlich belanglos und kaum ins große Metroid-Universum eingebettet. Einerseits ist das toll für alle Einsteiger, die keinerlei Vorkenntnisse benötigen, um loslegen zu können. Für langjährige Fans der Serie ist es allerdings enttäuschend, zumal alles etwas farb- und charakterlos wirkt.

Aber lassen wir die Story mal beiseite und wenden uns stattdessen dem eigentlichen Spielgeschehen zu. Metroid Prime: Federation Force ist im Kern ein ziemlich klassischer Shooter, bei dem ihr euch durch zwei Dutzend Missionen ballert, und zwar wahlweise alleine oder gemeinsam mit drei Freunden. Das grundlegende Spielprinzip ist relativ geradlinig: Ihr bekommt Aufgaben im Stil von „Zerstören Sie das Ziel“ oder „Sammeln Sie Objekt X ein“, die relativ wenig Abwechslung bieten.

Das ist auch eines der größten Mankos des Spiels. Waren frühere Metroid-Episoden ein Aushängeschild für Erkundung und kleinere Rätsel, bleiben diese Aspekte bei Federation Force weitgehend außen vor. Es gibt zwar einige Geheimnisse zu entdecken und so manche Kopfnuss zu knacken. Allzu komplex wird es jedoch nie, sodass sich unweigerlich das Gefühl eines eher seichten Spielablaufs einstellt.

Gemeinsam sind sie stark

Dennoch kann es als Einzelgänger mitunter recht happig werden in Metroid Prime: Federation Force. Da loben wir uns den prinzipiell guten Multiplayer-Part, bei dem ihr euch mit bis zu drei Freunden durch die Missionen ballert. Das macht nicht nur mehr Spaß, sondern ist auch deutlich weniger stressig und frustrierend. Aber auch hier gilt: Komplexe und tief greifende Team-Action dürft ihr nicht erwarten. Das Spiel ist eher auf kurzweilige Koop-Action mit minimalen Rätseleinlagen getrimmt. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, doch in diesem selbst gesteckten Rahmen machen die Multiplayer-Partien durchaus Spaß – eingeschränkter Kommunikationsmöglichkeiten zum Trotz.

Metroid Prime: Federation Force - Story Trailer
In dem neuen Trailer zu Metroid Prime: Federation Force erfahren wir Detaisl zur Handlung des Multiplayer-Shooters.

Deutlich zwiespältiger verhält es sich mit der Steuerung. Klar, es ist nicht gerade einfach, eine ebenso zugängliche wie präzise Shooter-Kontrolle auf dem 3DS anzubieten. Im Ansatz haben die Entwickler von Next Level Games gute Arbeit geleistet: So dienen beispielsweise die Schultertasten zum Anvisieren der Gegner sowie der Feinjustierung. Doch gerade in hektischen Situationen – und davon gibt es einige im Spielverlauf – hakelt die Steuerung dann doch und lässt Präzision vermissen.

Präsentationstechnisch lässt Metroid Prime: Federation Force hingegen kaum Wünsche offen. Logischerweise dürft ihr aufgrund der verfügbaren Hardware keine hochmodernen Effekte erwarten. Doch sämtliche Planeten beziehungsweise Spielabschnitte sind ebenso hübsch wie detailliert in Szene gesetzt. Hin und wieder gerät das Geschehen mal ins Stocken, aber insgesamt läuft alles angenehm flüssig. Auch die Klangkulisse kann sich für ein Handheldspiel hören lassen.

Greift zu, wenn...

… ihr auf unkomplizierte Multiplayer-Action steht.

Spart es euch, wenn...

… ihr auf ein komplexes Abenteuer mit Samus Aran gewartet habt.

Fazit

André Linken - Portraitvon André Linken
Action ohne Samus Aran

Man könnte Nintendo im Fall von Metroid Prime: Federation Force eine kleine Schwindelei vorwerfen. Immerhin lässt der Name auf ein neues Abenteuer mit Samus Aran oder zumindest mit Charakteren aus ihrer nächsten Umgebung schließen. Stattdessen bekommen wir einen (Multiplayer-)Shooter serviert, der aufgrund der namenlosen Helden und der dünnen Story etwas farblos wirkt. Zudem vermisse ich die ausgiebigen Erkundungstouren und Rätsel früherer Episoden. Wer darauf verzichten kann, bekommt leicht zugängliche Shooter-Kost geboten, die vor allem im Team mit einigen Freunden unterhaltsame Stunden bietet. Der große Wurf ist es allerdings nicht geworden.

Überblick

Pro

  • guter Multiplayer-Modus
  • hübsche Grafik
  • Steuerung im Kern gut gelöst
  • zugängliches Gameplay

Contra

  • hat mit Metroid im klassischen Sinn nur wenig zu tun
  • im Alleingang mitunter happig
  • Steuerung manchmal hakelig
  • wenig Erkundungselemente

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