Test - Mage Knight Apocalypse : Rettet die Zwerge!

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Die Macht des Spielers hängt aber natürlich nicht nur von Zaubern und Gefährten ab, sondern erst die richtige Ausrüstung macht das Abenteuer zum Erlebnis. Anfänglich eher in Lumpen gekleidet, bessert man seine Garderobe mit dem auf, was besiegte Sumpfkreaturen und mechanische Zombies so fallen lassen. In hübsch verzierter mondgeschmiedeter Sternenstaubrobe sieht der Drakonier gleich viel magischer aus. Zusätzliche Boni erhält man, wenn Teile der selben Art kombiniert werden. Rüstung und Bewaffnung zeigen sich auch optisch an der Spielfigur, modisches Schaulaufen wird möglich. Wem die Statuswerte der Ausrüstung nicht genügen, fügt Verbesserungen in Form der Magestones hinzu, die, geschickt kombiniert, der Ausrüstung weiteres Tuning verleihen.

Eine eigene Hexenküche, in der Tränke und Tinkturen für und gegen allerlei Wehwehchen zusammengemixt werden können, steht ebenfalls zur Verfügung. Die nötigen Zutaten besorgt man sich beim Händler oder pflückt sie in freier Wildbahn. Das Pflücken hat den angenehmen Nebeneffekt, dass dadurch die eigene Weisheit verbessert wird.

Bananensoftware?
Leider hinkt das Handling dieser Ausrüstung und Zutaten mindestens ein Jahrzehnt hinter dem aktuellen Stand der Technik hinterher: Inventargestaltung und Verwaltung zeigen sich grafisch wie technisch deutlich veraltet und machen das Jonglieren mit neuer Ausrüstung und frisch gesammelten Kräutern zum K(r)ampf mit der Maus. Während Grafik und Storyaufbau ordentlich detailreich und packend in Szene gesetzt werden, erscheinen Interface und Zaubereffekte dagegen mager und unfertig. Im weiteren Spielverlauf vermittelt sich der Eindruck, ein noch unfertiges Spiel zu zocken. Wie sonst ist es zu erklären, dass teure Rüstungen in der Beschreibung der Boni nur einen Error String aufweisen (wofür soll ich 40.000 Goldstücke ausgeben?), der Zwergen-Gefährte Kämpfe immer mal wieder trocken mit einem Can’t find string 04

Die Spielgrafik dagegen präsentiert sich solide, glänzt mit schummrigen Lichteffekten und verschwimmender Sicht bei Wasseroberflächen und Blitzzaubern, was bei größeren Gegneransammlungen auf hoher Detailstufe allerdings unweigerlich zu Rucklern führt.

Nichtsdestotrotz möchte man die interessant erzählte Geschichte weiterverfolgen, die mangelnde Bewegungsfreiheit abseits der vorgezeichneten Route durch die Levels gerät durch die geschickte Platzierung von Gegnern und ausräumbaren Truhen fast in Vergessenheit. Auch wenn es eigentlich nur die Hauptquest zu verfolgen gibt, stellt einen die Ausbildung der eigenen Fähigkeiten vor ordentlich Herausforderung, bereits besuchte Gebiete bevölkern sich wieder mit stärker gewordenen Gegnern, fürs Training oder zum Kräutersammeln ideal. Außerdem gibt es ja noch vier weitere Charaktere, die wieder ganz anders zu spielen sind. Und gemeinsam mit einem Freund im kooperativen Storymodus loszuziehen, hat einen besonderen Reiz. Schade nur, dass dabei das Internet aktiviert sein muss.

Fazit

von Andreas Märklin
Mit Sicherheit wird ’Mage Knight Apocalypse’ nicht zum Verkaufsschlager avancieren, dazu sind die Mängel einfach zu gravierend. Das Spiel greift sich viele der Prinzipien vergleichbarer Spiele heraus, setzt diese solide um, erfindet aber das Rad nicht neu. Die Hauptkomponente solcher Games, das Jäger-und-Sammler-Fieber, wird dabei aber nicht so richtig gefüttert, da helfen auch Kräutertinkturen nichts. Die Mängel in der technischen Präsentation tun ein übriges, um das Spiel wohl schnell wieder in der Masse verschwinden zu lassen. Schade eigentlich, denn wer darüber hinwegsehen kann, für den bietet gerade die Herausforderung, seine Skills zu meistern, einige Stunden Spielspaß, die gut erzählte Geschichte verhindert ein ums andere Mal, dass man den Computer ausschaltet.

Überblick

Pro

  • abwechslungsreiche Charaktere
  • Skillentwicklung über Spielweise beeinflussbar
  • solide erzählte Hintergrundgeschichte

Contra

  • technische Mängel, unfertige Präsentation
  • wenig Spielfreiheit abseits des Haupterzählstrangs
  • umständlicher Multiplayermodus

Wertung

  • PC
    60
    %

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