Test - Lost Odyssey : RPG-Hit oder X360 auf verlorener Japan-Odyssee?

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Aus dem Schatten seines eigenen Erfolges zu springen, ist nicht leicht: Das musste Hironobu Sakaguchi einsehen, als er Square-Enix verließ, das Studio Mistwalker gründete und alle Welt sein neues Spiel ’Blue Dragon’ mit ’Final Fantasy’ verglich. Die hohen Erwartungen führten zu vielen enttäuschten Gesichtern und Mistwalkers nächstes Rollenspiel ’Lost Odyssey’ läuft Gefahr, ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Doch vielleicht schafft der zweite Streich den Schattensprung?

1000 Jahre ohne Fotoalbum

Kaim Arangor ist zu Recht angefressen: Er ist unsterblich und kann sich an nichts mehr erinnern, was er die letzten eintausend Jahre alles so gemacht hat. Er weiß nur, dass er als ewig lebender Söldner massig Kämpfe bestritten haben muss und es inzwischen verflucht, ganze Generation sterben zu sehen, während ihm diese “Erlösung“ verwehrt bleibt.

’Lost Odyssey’ erzählt euch die Geschichte mehrerer Unsterblicher, die allesamt ihr Gedächtnis verloren haben. Ein mächtiger Zauberer namens Gongora kristallisiert sich rasch als Bösewicht heraus, der den König von Uhra nur deshalb unterstützt, weil er ihn leicht kontrollieren und manipulieren kann. Auch scheint er nicht ganz unschuldig an dem Gedächtnisverlust von Kaim und Co. zu sein. Ergo ist es eure Aufgabe, ihn zu stoppen und ein Mittel gegen eure Amnesie zu finden.

Episch, klassisch, traumhaft

Es warten auf euch vier Discs voller Abenteuer und episch-dramatischer Stimmung. Das Charakterdesign schwankt von leicht nervig, wozu beispielsweise zwei kleine Kinder gehören, bis hin zu überaus ansprechend. Allein Kaim nehmt ihr seine tausend Jahre Bitterkeit voll ab, während Schlitzohr Jansen den nahezu perfekten Comedy-Sidekick mimt. Das mag manchem zu klischeehaft sein, aber Flair und Atmosphäre strahlt die Geschichte von ’Lost Odyssey’ allemal aus.

In diesem Punkt erinnert es in der Tat an ein ’Final Fantasy’ der 90er-Jahre, an dem Hironobu Sakaguchi noch fleißig mitgewerkelt hatte. Die Dialoge mögen keinen Pulitzer-Preis gewinnen, aber sie wirken einfach schicker, ansprechender und weniger langweilig als es bei vielen anderen Japan-Rollenspielen der Fall ist.

Gestärkt wird dieses positive Feeling durch die Träume, welche ganz klar das Highlight des Spiels darstellen. Manchmal kann sich Kaim an eine Begebenheit seiner Vergangenheit erinnern, was daraufhin in Form eines Textes erzählt wird. Unterstützt von malerischen Bildern und dezent eingesetzten Sound-Effekten strahlen diese Träume eine enorm starke Faszination aus. ’Lost Odyssey’ entpuppt sich hier als perfekter Geschichtenerzähler, obwohl der Spieler zum schnöden Leser verkommt. 

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