Preview - Life is Strange: Before the Storm : Hide and Seek in Waterfalls

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Zunächst zu den Eckdaten und möglichen Missverständnissen: Life is Strange: Before the Storm ist nicht Life is Strange 2. Der Nachfolger befindet sich zwar derzeit ebenfalls in Entwicklung, bei Dontnod selbst, den Machern des ersten Teils, doch wird dieser noch eine Weile auf sich warten lassen. Zuvor jedoch erscheint Ende August das Prequel, das vom amerikanischen Studio Deck Nine entwickelt wird, insgesamt etwa sechs bis neun Stunden Spielzeit umfassen soll und einen blinden Fleck in der Geschichte des Vorgängers behandelt: die Beziehung zwischen Chloe und der später verschollenen Rachel Amber.

Diese Vorgeschichte bildete einen zentralen Kern der Ereignisse von Life is Strange, doch was wirklich geschah, wurde dort nie zur Gänze geklärt. Was wir wissen, ist, dass die Freundschaft zu Rachel für Chloe einen bedeutenden Stellenwert einnahm zu einer Zeit, da ihr Leben aus den Fugen zu geraten drohte: Den frühen Tod ihres Vaters konnte die junge, aufmüpfige Frau nie verwinden, und erst recht nicht, dass ihre Mutter danach eine Beziehung mit dem militanten David einging.

Die falschen Freunde, Drogen, null Bock auf Schule, Rebellion gegen alles und jeden – Chloe ist das, was man ein „Problemkind“ nennen könnte, und wäre sie ein paar Jahre jünger, dann wäre sie vermutlich ein Fall für die Super-Nanny. In dieser Phase ihres Lebens trifft sie auf Rachel, die das exakte Gegenteil zu ihr scheint: schön, beliebt, unnahbar, das angeblich coolste Mädel der Schule. Welcher Art ihre Beziehung war, ob die tiefe Freundschaft zweier verlorener und einander gefundener Seelenverwandte oder gar die große Liebe, wurde im Vorgänger nie vollständig geklärt. Auch Rachels Verhältnis zu dem auf den ersten Blick wenig liebenswerten Drogendealer Frank blieb genauso rätselhaft wie die Umstände ihres Verschwindens.

Da Max, die Protagonistin des ersten Teils, in Before the Storm nur als Randnotiz in der Bonusepisode eine Rolle spielen wird bzw. das Spiel drei Jahre vor den Ereignissen von Life is Strange spielt, wird es selbstverständlich auch keine zeitmanipulierenden Zauberkräfte geben. Before the Storm ist dadurch voll und ganz Teenager-Drama, eine tragische Coming-of-Age-Geschichte ohne übersinnlichen Hokuspokus.

Life is Strange: Before the Storm - Chloe & David Gameplay Demo
Diese über neun Minuten lange Gameplay-Demo zu Life is Strange: Before the Storm zeigt euch Szenen rund um Chloe und David.

Das Geheimnis eines Sommers

Als Nebeneffekt hat das zur Folge, dass das Treffen von Entscheidungen mitunter schwerer fällt – eben weil sie nicht erstmal ausprobiert und anschließend per Knopfdruck rückgängig gemacht werden können, wenn einem das Ergebnis nicht in den Kram passt. Selbstverständlich ist nicht davon auszugehen, dass sich die grundlegende Geschichte aufgrund getroffener Entscheidungen komplett verändert – allein schon, weil ihr Ausgang durch den Vorgänger festgelegt ist.

Doch da Life is Strange bekanntlich die unsichere Gefühlswelt eines Teenagers zum Spielfeld hat, ist jede zwischenmenschliche Regung ohnehin prädestiniert dazu, übergroße Emotionen auszulösen. Die Konzentration auf das Authentische und Persönliche könnte sich als die größte Stärke in einer Spielelandschaft herausstellen, die meist nur das Heroische und Epische kennt.

Wie genau derartige Entscheidungen aussehen, erfahren wir in der ersten Szene des Spiels, die in einem schäbigen Club während eines Rockkonzertes spielt und in der sich Chloe und Rachel gleich kennen lernen werden. Dort haben wir die Gelegenheit, einen unfreundlichen T-Shirt-Verkäufer zu bestehlen. Doch was machen wir anschließend mit dem Geld? Chloe selbst würde es vermutlich am ehesten in neue Drogen investieren. Aber vermutlich sollten wir zunächst einmal unsere alten Schulden bei Dealer Frank begleichen. Oder aber wir heben es für später auf – man weiß ja nie, wofür es noch zu gebrauchen ist? Direkt daneben steht eine Kiste mit Bier, bei der wir uns bedienen können. Je nachdem ob wir das tun oder nicht, laufen die folgenden Gespräche minimal unterschiedlich ab, wird Chloe das eine Mal für cool oder spießig gehalten, reagiert aufgesetzt locker oder trübsinnig.

Das Erzählen durch solcherlei Details und scheinbare Nebensächlichkeiten, war bereits ein herausstechendes Merkmal des ersten Teils. Als Chloe ihren verhassten Stiefvater beim Einzug trifft, walzt sie ihren Unmut nicht in ellenlangen Monologen aus, wie es manch erzählerisch weniger raffiniertes Spiel gemacht hätte. Stattdessen verweigert sie ihm einfach den Gruß bei seinem geradezu vor Fremdscham triefend unbeholfenen Versuch, die Wogen zwischen ihnen mit einer Ghettofaust zu glätten. Wenn Chloe einfach nur mit trotzig schlackernden Armen neben ihm steht, erzählt das so viel mehr über diesen Menschen, als es Worte je könnten.

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