15.04.2010 - Andreas Philipp
Eigentlich funktionierte die Ehe zwischen Activision und Infinity Ward ja richtig prächtig. Das Entwicklerstudio, das 2002 aus den Medal-of-Honor-Machern der Softwareschmiede 2015 entstand, lieferte mit Call of Duty ein mächtiges Erstlingswerk und den Auftakt zu einer Serie, die den Schotter lastwagenweise in den Geldspeicher des Publishers karrte. Nicht zu vergessen die Ablegermarke Modern Warfare, die zu den meist verkauften Spieleserien überhaupt zählt. Papa Activision übernahm 2003 die noch junge Spielemama und traf damit sicherlich eine richtige Entscheidung.
Doch es ist immer so im Leben. Gerade wenn man meint, alles läuft prima, man versteht sich und die Kinder wachsen, blühen und gedeihen, geht der Ehekrach so richtig los. Warum, ist allerdings nicht so ganz klar. Fest steht nur, dass es einer der beiden klassischen Gründe ist. Laut den Anhängern von Mama dreht sich alles ums Geld, während Papa Activision fest der Meinung ist, dass Mama zumindest teilweise fremdgegangen ist. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht dabei gar nicht um Infinity Ward, sondern um zwei führende Köpfe des Entwicklerstudios, die bei Papa in Ungnade gefallen sind.
Ab hier wird es nun richtig dubios, zumal keiner so richtig weiß, wer nun schwindelt und wer nicht. Fakt ist jedenfalls, dass Activision am 1. März 2010 nach einem Meeting die beiden führenden Mitarbeiter Jason West und Vince Zampella, beide Mitbegründer des Studios, vor die Tür setzen ließ. Nicht einfach so, sondern mit Security und allem, was dazugehört. Der Vorwurf: Vertragsbruch und geschäftsschädigendes Verhalten. Angeblich hätten die beiden nicht nur versucht, die Entwicklung von Modern Warfare 3 zu verzögern, sondern wären beim Flirt mit anderen Publishern erwischt worden.
Die beiden Gefeuerten machten nicht nur einen auf überrascht und traurig, sondern schossen nur wenige Tage später aus der Hüfte zurück. Mit dicker Munition, nämlich einer Klage über 36 Millionen Dollar, die ihnen noch aus der Kasse von Activision an Anteilen aus den Verkäufen von Modern Warfare 2 zustünden. Und nicht nur das, West und Zampella kämpfen zudem um die Markenrechte an Modern Warfare. Sollten die beiden damit durchkommen, stünde Activision vor allem vor dem Problem, dass die Entwicklung der Modern-Warfare-Reihe vom DLC bis zu einem neuen Teil erst mal komplett auf Eis läge. Das wäre schon ein heftiger Tritt ins Gemächt.
Interessanterweise schwirrten fast gleichzeitig Gerüchte herum, dass Activisions neu gegründetes Sledgehammer-Studio an einem neuen Titel der Call-of-Duty-Reihe arbeiten würde. Zunächst hieß es sogar, dass Modern Warfare 3 nicht von Infinity Ward entwickelt werden würde. Das wurde inzwischen revidiert, angeblich arbeitet Infinity Ward an Modern Warfare 3, Treyarch an einem neuen Call of Duty und Sledgehammer an einem Action-Adventure für die Call-of-Duty-Reihe. Liegt vielleicht hier die Ursache des Streits? Sollte Infinity Ward den Goldesel teilen und war mit der Art und Weise nicht einverstanden? Oder sollte das Studio gar komplett ausgebootet werden?
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Kommentare zu Kommentar: Modern Rosenkrieg
Danke für die Zusammenfassung. Fand das witzig mit Mama und Papa.
Tja, wer seine Zugpferde zu stark einengt braucht sich nicht wundern, wenn sie reiß aus nehmen und davongalopieren.
mhh mir ists wurst was da abgeht...hauptsache es kommen gute Spiele in der zukunft & ohne steam!
Also ich war ja nie ein Fan von CoD und MW aber ich sehe es ebenso das die beiden sich einfach wieer aus den Fängen von Activision befreien wollten und Kontrolle über ihre Spiele haben wollten. Und da Sie EA schon kennen und auch der größte Publisher ist war die die logischste Entscheidung wieder mit ihnen Zusammenzuarbeiten, eben auch deshalb weil die Kntrolle haben.
Ich bin jedenfalls gespannt wieviele noch kündigen werden, sicherlich noch einige UND wieviele dann bei Respawn anfangen.
Ich sehe das ein bisschen anders als Razor. Natürlich geht's bei der Sache ums Geld. Aber West und Zampella sind auch leidenschaftliche Zocker und nach neun Jahren Call of Duty kann ich mir ebenso gut vorstellen, dass man mal einen Tapetenwechsel braucht und wenn's nur ein Shooter im Weltraum ist.
Da Activision Blizzard sowohl das Studio als auch die Marke in der Hand halten und nach den Erfolgen von Modern Warfare gar nicht an eine andere Strategie denken, liegt die Annahme nicht fern, dass sich West und Zampella umorientiert und mit den Konkurrenten gesprochen haben. Soweit ich das rausgelesen habe, bestreiten sie das auch nicht. Sie bestreiten lediglich, dass die Produktion von Modern Warfare 3 dadurch beeinträchtigt wurde. Stimmt das, spricht nichts dagegen, sich auf dem Markt umzuhören.
Bei Respawn haben sie jetzt die volle Kontrolle über Projekte und Marken, also genau das, was sie sich mit Sicherheit am Ende auch bei ActiBlizz gewünscht hätten. Dass jetzt viele Entwickler kündigen (und damit keine Bonuszahlungen, Abfindungen etc. erhalten), könnte ein Indiz dafür sein, dass bei Infinity Ward und ActiBlizz noch viel mehr im Argen liegt. Da darf man also gespannt sein, was sich die nächsten Tage und Wochen noch tut.
Viele Grüße,
Yves
Cool Story, ich freu mich jedenfalls auf den 2ten Akt
*EinEimerPopcornHol*
Meine Güte... Als hätte der Ehekrach zwischen Jowood und Piranha Bytes nicht gereicht -.-
Anstatt sich gemeinsam über die verdienten Goldsäckchen zu freuen, machen die ein Theater der Extraklasse daraus und vergessen mal ganz nebenbei, dass das Entwickeln von Spielen nach wie vor eine Art von Kunst ist. Und Kunst kann man nicht erzwingen, sie entsteht einfach! - In diesem Fall nur eben ab jetzt unter dem Banner von EA...
geile Story

mal sehen wie es weiter geht und Wer mit Wem ins Bett steigt...
ich fände es super wenn die jungs die rechte an MW erhalten würden. dann würde activision die COD reihe weiter vorran treiben und EA würde plötzlich MW verkaufen *lol*
West und Zampella gewinnen so oder so - ob sie die Marke Modern Warfare mitnehmen oder nicht. Denn letztlich hat EA mit Medal of Honor eine ebenso alteingessene Shooter-Marke, die sich neu erfinden will und muss. Das hat Infinity Ward bei Call of Duty schon einmal geschafft - im Zweifelsfall werden sie das auch ein weiteres Mal hinbekommen.
Kann mich Razors Gedankengang nur anschließen.
West und Zampella wollen ein größeres Stück vom Kuchen und kriegen es nicht. Die beiden machen das Normalste, was man tut, wenn man mit seinem Job nicht zufrieden ist. Nach alternativen Arbeitgebern suchen. Der alternative Arbeitgeber ist so überzeugt von den Leistungen der Beiden, dass sie eine sichere Anstellung mit goldenem Thron kriegen würden.
Also gehen West und Zampella mit fliegenden Trompeten und versuchen das größere Stück vom Kuchen noch mit Gewalt mitzunehmen.
Für mich ist der Ablauf klar.
West und Zampella erschaffen mit dem Team ein Produkt welches neue Rekorde bezüglich Verkaufszahlen aufstellt und dementsprechende Erfolge feiert. Sie sind der Ansicht dass sie nicht genug vom großen Kuchen abkriegen und weil Activision sich quer stellt kontaktiert man EA, einem der größten Major Publisher der Welt.
EA versichert den beiden dass sie wesentlich mehr verdienen wenn sie ein neues Studio gründen und ihnen nur die Rechte fürs Publishen überlasst, sie gewinnen in jeden Fall, da alles zusätzliche Kohle ist für EA was sie mit den Produkten von Respawn einnehmen.