Special - Ahmet-Kolumne: Destiny-DLC : Ich will mein Geld zurück

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    Meine bedingungslose Hassliebe zu Destiny habe ich bereits in diesem Artikel zum Ausdruck gebracht. Das freche DLC-Paket Dunkelheit lauert nötigt mich nun dazu, mit besonders klaren Worten an die Menschlichkeit von Activision und Bungie zu appellieren.

    (Anm. d. Red.: Wie immer bei Gastbeiträgen gilt: Die Meinung des Autors muss nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.)

    Ja, ich weiß. Dunkelheit lauert ist bereits am 9. Dezember erschienen und ich bin mit der Kolumne eigentlich zu spät dran. Allerdings wollte ich sicherstellen, dass ich das DLC-Paket wirklich in voller Gänze erlebe. Das Hauptspiel kann man ja auch erst fair bewerten, wenn man Level 20 überschritten hat. Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass Käufer des 19,99 Euro teuren DLC-Pakets bereits nach wenigen Stunden alles gesehen haben. Ich wollte das zuerst nicht wahrhaben. „Das war schon alles? Ein paar neue Missionen in altbekannten Locations mit altbekannten Gegnern? Nee, das kann nicht sein. Da kommt garantiert noch eine dicke Überraschung!“


    Die echte Eris ist nicht so hässlich.

    Zehn Tage später musste ich mir dann eingestehen, dass es keine Überraschung gibt. Bungie und Activision haben uns tatsächlich 20 Euro für eine kleine Handvoll recycelter Scheiße abgeknöpft. Nichts an Dunkelheit lauert fühlt sich neu an. Vielmehr beschleicht mich beim Spielen das Gefühl, dass die Inhalte nachträglich aus dem Hauptspiel entfernt wurden, um uns erneut zur Kasse zu bitten. Ich will niemandem etwas unterstellen, aber es fühlt sich halt so an. Ich muss allerdings anfügen, dass ich nur das Add-in kaufen musste, denn das Hauptspiel hab ich zum Release von Activision erhalten. Das ist so wie bei Crack-Dealern, die ahnungslosen Deppen den ersten Rock schenken, um sich danach ein Leben lang an deren Sucht zu bereichern.

    Ich bin Activisions Bitch

    Am Anfang habe ich noch versucht, Bungie und Activision zu verteidigen. „Ich bin ja selber schuld. Alle Unternehmen versuchen schließlich, mit kleinstmöglichem Aufwand so viel Kohle wie möglich zu verdienen. Ich hätte das Add-on ja nicht kaufen müssen!“ Ich argumentierte wie eine Frau, die Opfer häuslicher Gewalt wurde und sich selbst die Schuld für das Veilchen gibt. Beim Spielen lernte ich weitere Opfer kennen und wir sprachen uns gegenseitig Mut zu. Hm … eigentlich hinkt der Vergleich mit der häuslichen Gewalt, denn im Gegensatz zu Destiny-Spielern bezahlen Frauen ja nicht dafür, von ihren Ehemännern herumgeschubst zu werden.

    Schon beim Hauptspiel haben sich viele über den Mangel an Inhalt beschwert, doch ich habe Destiny immer verteidigt. Ich war mir sicher, dass Bungie mit Dunkelheit lauert die ultimative Wiedergutmachung liefert. Ich habe tatsächlich mit einem DLC-Paket gerechnet, das sämtliche Spötter verstummen lässt und die Vorfreude auf DLC Nummer 2 ins Unermessliche steigert.


    Omnigul ist einer der langweiligsten Bosse der Videospielgeschichte.

    Wenigstens scheißt Activision nicht nur auf die Käufer von Dunkelheit lauert, sondern auch auf Destiny-Spieler, die nicht bereit sind, Geld für diese Frechheit auszugeben. Es gibt nämlich sogenannte Weekly-Heroic- und Nightfall-Strikes (wöchentliche Events) und immer wenn diese auf einer DLC-Mission basieren, müssen DLC-Nichtkäufer draußen bleiben. Natürlich wäre es für Bungie einfach, den DLC-Verweigerern stattdessen alte wöchentliche Events anzubieten, damit sie trotzdem wichtige Marken und Münzen sammeln können. Offensichtlich hält man es aber für besser, die Verweigerer zu bestrafen, damit die dann doch über einen DLC-Kauf nachdenken.

    Wir sind wertlos

    MMORPG-Profis werden jetzt argumentieren, dass solche Geschäftspraktiken bei Online-Rollenspielen üblich sind. Das ist mir aber egal, denn genau deswegen spiele ich keine Online-Rollenspiele. Ich spiele Destiny! Wir haben beim Hauptspiel gravierende Mängel in Kauf genommen, weil wir etwas Großes in Destiny sehen. Wir haben Bungie einen Vertrauensvorschuss gewährt. Was haben wir bekommen? Recht wenig. Erschwerend kommt hinzu, dass ein paar meiner Lieblingswaffen, die ich mühsam und langwierig aufgelevelt hatte, mit Erscheinen des DLCs nutzlos wurden. Exotische Waffen sowie Rüstungsteile kann man mit viel Glimmer (In-Game-Währung) und viel Zeit (Real-Life-Währung) auf den neuesten Stand bringen, aber meine lieb gewonnenen Legendary-Wummen kann ich mir jetzt unter die Vorhaut jubeln.


    Meine geliebte Dr. Nope wurde mit dem DLC wertlos.

    Ich befürchte echt, dass DLC 2 ein genauso billig zusammengewürfeltes Recycling-Paket wird. Ich befürchte außerdem, dass Deppen wie ich trotzdem, ohne mit der Wimper zu zucken, 20 Scheine auf den Tisch legen werden, um ihre Sucht zu befriedigen. Destiny ist eben unsere Droge und Bungievision schlachtet diesen Umstand aus. Wahrscheinlich werden diese Zeilen an dieser Schamlosigkeit nichts ändern, aber wenigstens sollen diese Unholde wissen, dass wir ihr Spiel durchschaut haben.

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    Über den Autor

    Unser Kolumnist Ahmet Iscitürk schreibt seit 16 Jahren über Spiele und müsste deshalb schon längst für die andere Seite arbeiten - zum Beispiel als PR-Manager. Darauf hat er aber keinen Bock. Ebenso wenig möchte er YouTube-Videos machen, denn er ist zu fett für die Kamera. Das Schreiben ist seine einzige Fähigkeit und darum wird er mit den Fingern auf der Tastatur sterben. Sein Credo lautet: „Lebe deinen Traum, auch wenn der Traum scheiße ist.“ Seinen Untergang könnt ihr unter anderem auf Twitter live miterleben.

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