Test - King's Bounty: The Legend : Noch ein Klassiker im neuen Gewand

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Vor fast zwanzig Jahren schuf New World Computing mit King's Bounty einen Meilenstein im Rundenstrategie-Genre, aus dem sich später dann die Heroes-of-Might-and-Magic-Reihe entwickelte. Mit King's Bounty: The Legend bekommt der Klassiker nun endlich einen Nachfolger, doch kann das Gameplay von damals heute überhaupt noch überzeugen?

Da läuft was schief im Reiche Endoria. Räuber schleichen durch die Wälder, ehemals treue Soldaten desertieren, Zwerge und Elfen wetzen ihre Messer und eine Verschwörung gegen den König braut sich auch noch zusammen. Wonach klingt das? Richtig, es ist mal wieder Zeit für einen strammen Helden in goldener Rüstung, diesmal ausgefüllt von dem höchst ehrenwerten königlichen Laufburschen, äh, Schatzsucher. Wahlweise als starker Krieger, zaubernder Magier oder Paladin, der sowohl draufhauen als auch die Magie nutzen kann, nehmen wir die freigewordene Stelle als Weltenretter an, vermöbeln die bösen Burschen, sammeln Schätze und kümmern uns um die offenbar alltäglichen Probleme des Bauernvolks.

Das kenn ich doch irgendwoher?

Auf dem ersten Blick sieht King's Bounty: The Legend aus wie eine freche Kopie von Heroes of Might and Magic, wären da nicht zwei gewaltige Unterschiede: So spielt man zum einen „nur" einen Helden im Dienste des Königs und muss sich daher nicht um Gebäudeverteidigung oder Ressourcenmanagement kümmern, zum anderen läuft das Spiel auf der Abenteurerkarte komplett in Echtzeit ab. Die Bewegungen des Gegners erfolgen zeitgleich mit der des Helden - feindlichen Truppenverbänden kann so geschickt ausgewichen werden, wenn man es denn wünscht.

Viel Feind, viel Ehr

Tritt man dennoch einem Feind entgegen, läuft alles ganz klassisch ab: Auf einer schachbrettartigen Kampfarena bewegen sich die Truppen Zug um Zug, bis am Ende nur noch eine Armee übrig bleibt. Für Abwechslung während der Scharmützel sorgen nicht nur die über sechzig anheuerbaren Truppentypen, sondern auch die auf dem Schlachtfeld zufällig verteilten Schätze und Fallen.

Der eigene Held kämpft dabei übrigens nicht selbst mit, sondern wirkt nur unterstützend Zaubersprüche, was vor allem beim Magier pures Gold wert ist. Apropos Gold, dieses findet man an jeder Ecke und es wird auch bitter benötigt. Gutes Aussehen allein reicht nun mal nicht, um eine Armee auszuheben, da muss schon bare Münze sprechen - und das merkt man nur zu häufig, wenn nach einem zähen Gefecht mal wieder die Hälfte der Truppen verheizt wurde.

Mit genügend Kampferfahrung steigt man nicht nur eine Stufe auf und darf mehr Truppen mitschleifen, man erhält zudem noch einen Satz Lernrunen, die man benötigt, um die Fähigkeiten auf einem der drei Skill-Trees sowohl zu erlernen als auch auszubauen. Damit lässt sich der eigene Held mehr oder weniger nach eigenen Wünschen individualisieren: Ob wir lieber Chaosmagie lernen und unseren Feinden mit Feuerbällen einheizen oder unseren Bogenschützen beibringen, Eispfeile zu verwenden, genug Auswahl ist jedenfalls vorhanden.

Erfahrung ist jedoch nicht das einzige, was man während der Kämpfe sammelt. Immer wenn Schaden ausgeteilt oder eingesteckt wird, füllt sich das Wutkonto des Helden. Mithilfe der im Laufe der Hauptquest gefundenen „Wutbüchse" lassen sich mit den Wutpunkten bis zu vier Wutgeister beschwören, die dem Helden mit mächtigen Fähigkeiten zur Seite stehen. Für jeden Einsatz erhalten auch die Geister Erfahrungspunkte, wodurch sie bis zu jeweils vier Fähigkeiten lernen und verbessern können. Gesammelte Wut baut sich allerdings nach den Kämpfen wieder ab - ein echter Held kann eben nicht lange auf jemanden böse sein.

King's Bounty: The Legend - E3 2008 Trailer
Trailer von der E3 2008 zum Strategiespiel 'King's Bounty: The Legend'.

Auch abseits der ständigen Keilereien gibt es genug zu tun: Ob man nun einer Fleisch fressenden Pflanze dabei hilft, den perfekten Dünger zu finden, oder den Zwergen vernünftiges Bier besorgt, die Quests sind abwechslungsreich und oftmals ein Schmunzeln wert. Viel wichtiger: Sie füllen Portemonnaie und Inventar mit Gold und Artefakten. Letztere können unter Umständen sogar aufgestuft werden, wenn man mit den darin hausenden Gremlins fertig wird. Im Laufe des Spiels füllt sich das Inventar nicht nur mit allerlei Ausrüstung, sondern auch mit einem Eheweib samt Nachwuchs. Genügt die holde Auserwählte unseren Bedürfnissen dann doch nicht, kann man sie auch nachträglich in die Wüste schicken - solange man die Alimente bezahlt, versteht sich.

Old-School nicht nur im Gameplay

Die technische Seite von King's Bounty: The Legend gibt sich leider fast ebenso simpel wie das Gameplay: Kunterbunte Grafik und ein gar nicht originelles Charakterdesign dürften einige abschrecken, stören in der Praxis jedoch kaum. Weniger auffällig ist da schon die Sprachausgabe, denn die ist nahezu nicht vorhanden. Lesemuffel werden's hassen. Auch der Sound ist nur durchschnittlich, die für meinen Geschmack etwas zu pompöse Fantasy-Musikuntermalung gleicht das dafür wieder aus. Der größte Wermutstropfen jedoch zum Schluss: Bei dem Spiel handelt es sich ausschließlich um ein Einzelspielerabenteuer. Mehrspielerstrategen müssen sich bis zum Add-on gedulden, erst dann soll mit Multiplayer und Karteneditor für alternative Spielmodi gesorgt werden.

Fazit

Dennis Dünkel - Portraitvon Dennis Dünkel
Diejenigen, denen das Burgen- und Ressourcenmanagement in Heroes of Might and Magic bisher immer zu stressig war, die aber Spaß am Kampfsystem hatten, werden sich über King's Bounty: The Legend sicherlich freuen. Das klassische Gameplay kommt ohne großartige Neuerungen aus und ist gerade deshalb so genial und Sucht erregend. Die fünf Schwierigkeitsgrade sorgen derweil dafür, dass vom Anfänger bis zum Hardcore-Veteranen alle etwas zum Knabbern haben.

Überblick

Pro

  • innovative Mischung aus Echtzeit und Rundenstrategie
  • einfaches, aber Sucht erregendes Kampfsystem
  • spektakuläre Bossgegner
  • unzählige Einheiten laden zum Kombinieren ein
  • heiratswilliger Held mit auflevelbaren Artefakten
  • amüsante Nebenquests

Contra

  • Hauptstory nur Mittel zum Zweck
  • Balancing nicht immer ausgeglichen
  • Multiplayer und Karteneditor erst im Add-on
  • Schnellkampffunktion fehlt
  • viel Text vergrault Lesemuffel

Wertung

  • PC
    83
    %

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