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Test - Kingdom Come: Deliverance : Das Mittelalter-Rollenspiel stellt sich dem Test

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Hardwarehungrig und technisch holprig

Die Detailverliebtheit hat allerdings ihren Preis, denn Kingdom Come entpuppt sich als hardwarehungrig. Die Performance auf den „älteren“ PS4- und Xbox-One-Konsolen schwebt stets am Rand einer erträgliche Framerate, etwas besser läuft es auf PS4 Pro und Xbox One, allerdings mit deutlichen Abstrichen bei der Grafikqualität gegenüber einem starken PC. Und selbst dort ist eine Menge Power unter der Rechnerhaube vonnöten. Auf einem älteren Rechner mit einer GTX 980 Ti war die Einstellung „hoch“ das höchste der Gefühle für eine stabile Framerate, mit einer GTX 1080 Ti gibt es auf „ultra“ immer wieder Einbrüche der Bildrate - bei Full-HD-Auflösung wohlgemerkt.

Ohnehin ist die technische Umsetzung einer der schwächsten Aspekte des Spiels, wobei man natürlich berücksichtigen muss, dass wir hier nicht von einem Projekt mit einem Witcher- oder GTA-Budget sprechen, sondern vom ersten Projekt eines neu gegründeten Studios. Aufpoppende Objekte oder verzögert ladende Texturen sind auf allen Plattformen vertreten - mal mehr, mal weniger. Es reißt einen schon mächtig aus der Immersion, wenn auf einmal kopflose NPCs durch die Stadt stiefeln, deren Köpfe erst nach einigen Sekunden auftauchen. Auch die Animationen sind nicht gerade das Maß der Dinge.

Kleinere Bugs sind ohnehin an der Tagesordnung. Warhorse konnte in den letzten Monaten zwar noch etliches beheben, aber im Grunde hätten dem Spiel noch weitere ein oder zwei Monate Feinschliff gutgetan. Ein Ärgernis sind vor allem die zahlreichen Dialogsequenzen. Kingdom Come ist ein Spiel, in dem gern und viel geredet wird und das mit einer erstaunlich guten deutschen Sprachausgabe glänzt.

Lippensynchron? Nope. Jederzeit speichern? Nope.

Schade nur, dass die Dialoge nicht lippensynchron sind, die Kameraführung in den Dialogen zuweilen etwas merkwürdig ist und auch mal ganze Sätze fehlen, abgehackt oder auf Englisch vorhanden sind. Die Lokalisierung wirkt alles in allem etwas hastig umgesetzt, auch hier fehlt der nötige Feinschliff. Ein weiteres Ärgernis ist, dass es vor jedem Dialog zu einer mehrsekündigen Ladezeit mit schwarzem Bild kommt, die eigentlich kaum zu rechtfertigen ist und mit der Zeit richtig nerven kann. Ebenfalls ärgerlich: Bei einigen Zwischensequenzen schwankt die Lautstärke der Tonabmischung sehr stark. Augenscheinlich lief den Entwicklern die Zeit davon.

Sich davon abschrecken zu lassen, wäre zwar verständlich, weil die Immersion mitunter nachhaltig beeinträchtigt wird, aber auf der anderen Seite auch ein Fehler. Kingdom Come: Deliverance ist nämlich enorm umfangreich und verfügt über unzählige gute, wenn auch manchmal etwas holprig und wenig intuitiv umgesetzte Spielelemente und Ideen. Dazu zählt allerdings nicht das Speichersystem. Das Spiel speichert meist beim Annehmen einer Quest automatisch sowie nach dem Schlafen. Manuelles Speichern ist nur eingeschränkt über einen Trank möglich - mit unerfreulichen Nebenwirkungen. Keine gute Idee. Wer aus irgendeinem Grund mal mitten in einer Quest aufhören muss, weil Muttern zum Essen ruft oder die Freunde vor der Tür stehen, hat die Arschkarte gezogen. Das muss nicht sein. So gut gemeint die Idee auch sein mag, die Umsetzung ist schlicht Mist.

Liebevolle Quests mit vielen Lösungswegen

Bei den Quests gibt es hingegen wenig zu bemängeln. Sowohl Neben- als auch Hauptquests sind reichlich vorhanden und sie passen inhaltlich gut zum Szenario. Mal geht es Banditen an den Kragen, mal klärt ihr in vielen Schritten ein Gemetzel auf. Dann wieder kümmert ihr euch um Nahrung für Flüchtlinge, schlichtet Streitigkeiten, geht mit einem Priester auf Sauftour oder beschafft Objekte für eine Hochzeit. Hinzu kommen unzählige Nebenaktivitäten wie Bogenschießwettbewerbe und Raufereien gegen Bares oder ihr beschäftigt euch mit Wilderei für die Wirte der Umgebung und besucht etliche Ausbilder, um eure Fertigkeiten zu verbessern. Die Quests sind generell sehr liebevoll gestaltet und teils durchaus emotional berührend.

Schön ist, dass viele Quests über unterschiedliche Lösungswege verfügen, sodass ihr eure Herangehensweise selbst bestimmen und einen eigenen Spielstil entwickeln könnt. Fast immer gibt es alternative Möglichkeiten – seien es beispielsweise Redekunst, Waffengewalt oder Diebstahl. Das passt gut zum Learning-by-Doing-Charaktersystem, das durch Bücher und Ausbilder unterstützt wird. Das Niveau der Quests und der dazugehörigen Dialoge ist durchweg hoch und hält einige Überraschungen bereit. Die Konsequenzen eurer Entscheidungen sind allerdings eher überschaubar und zeigen sich nur im Kleinen. Zudem werden sie ab und zu in Folgedialogen falsch wiedergegeben.

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