Test - Killer 7 : Killer 7

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Etwas Taktik bringen die verschiedenen Smiths ins Spiel, zwischen denen ihr jederzeit hin und her wechseln könnt, solange sie am Leben sind. So verfügt beispielsweise die barfüßige Kaede Smith über eine Sniper-Kanone und kann versteckte Zeichen sichtbar machen, während der Drogendealer Coyote Smith geschickt verschlossene Türen öffnen kann, der Albino Con Smith sich unsichtbar macht und der maskierte Ex-Wrestler Mask de Smith brüchige Wände mit seinem Raketenwerfer zum Einstürzen bringt. Beißt ein Smith ins Gras, kommt Garcian Smith zum Zug. Der ’Cleaner’ ist der Anführer der Bande und muss von euch zur Leiche geführt werden, woraufhin er diese einsammelt und so wiederbeleben kann.

Fast in jedem Detail setzt ’Killer 7’ auf die Kunsttechnik der Verfremdung - Bertolt Brecht hätte wohl seine wahre Freude an dem Spiel gehabt. Das fängt bei der ungewohnten Steuerung an: Anfangs erwischt man sich immer wieder mal dabei, wie man per Analog-Stick die Spielfigur vorwärts bewegen will, anstatt sie mit dem X-Knopf in Bewegung zu setzen. Ähnlich verwirrend ist das Speichern des Spielstands angelegt. Ihr müsst in bestimmten Zimmern ein Dienstmädchen ansprechen, um das Save-Menü aufzurufen. Manchmal lungert das Mädel aber in Freizeitklamotten vor dem TV rum und verweigert euch den hilfreichen Dienst. Da heißt es dann: Weiterspielen und hoffen, dass sie das nächste Mal in besserer Laune ist und euch speichern lässt. Bei den Rätseln sind ebenfalls verfremdete Mechanismen angesagt. So müsst ihr beispielsweise zu Beginn des Spiels Kerzen anzünden, indem ihr einen feuerroten Fingerring anzieht, den ihr wiederum von einer plaudernden Frauenleiche aus dem Trockner im Waschsalon erhaltet. Ein Amulett hingegen erhaltet ihr erst, wenn ihr eine ausgetrocknete Toilette betätigt, die wiederum über eine aktivierte Sprinkleranlage in Gang gebracht werden muss. Hinweise zu solchen Puzzles bekommt ihr gar nicht oder nur über verwirrend verschlüsselte Botschaften im Gespräch mit anderen Figuren. Trotzdem sind die Rätsel nicht gerade schwierig. Um ’Killer 7’ durchzuspielen, braucht ihr je nach Schwierigkeitsgrad etwa zwölf bis fünfzehn Stunden - danach bleiben, abgesehen von einer neuen Spielfigur und einem höheren Schwierigkeitsgrad, kaum Anreize, den Titel noch einmal zu meistern.

Surreal-Abstrakt

Die visuelle Inszenierung passt perfekt zum abgedrehten Spielgeschehen. Die Grafik ist in abstraktem und comichaftem Cell-Shading gehalten, mit wechselnden Perspektiven, surrealen Farbverfremdungen, isoliert dargestellten Spezialeffekten und ästhetisch entrückten Gewaltorgien. Darüber hinaus experimentieren die Grafiker mit verschiedenen Stilen, sodass beispielsweise auch altmodisch wirkende Trickfilm- und Anime-Einlagen sowie realistisch anmutende Missions-Briefings zu sehen sind. Die geradezu spartanisch stylische Umgebung verzichtet größtenteils auf Texturen, manchmal sind außerdem nicht einmal die Umrisse der Wände komplett mit Polygonen ausgezogen. Ähnlich detail- und texturarm sehen auch die Figuren aus, die noch dazu, abgesehen von den Zwischensequenzen, nicht gerade üppig animiert wurden. So gut dieser karge Stil als moderne Kunst inszeniert ist, so wenig macht sie Gebrauch von der PS2-Power. Vor allem hässliche Farbverläufe, Framerate-Einbrüche und nervige Ladepausen zwischen den Räumen und Gängen hätten auf der Sony-Konsole sicher nicht sein müssen. Erfreulich ist dagegen die saubere PAL-Anpassung inklusive einer 50/60Hz-Auswahl.

Ähnlich schräg wie die Optik ist der Sound ausgefallen. Der krude Mix aus verschiedensten Musikstilen - von Japano-Techno über einlullende Fahrstuhl-Musik bis hin zu wildem Gitarren-Gezupfe - passt meist nicht wirklich zum Geschehen und entspricht somit wiederum gut der Verfremdungstechnik des Spiels. Die Dialoge sind teils in unverständlichem Fantasie-Gebrabbel, teils in cooler englischer Sprachausgabe gehalten, in beiden Fällen erhaltet ihr etwas schludrig übersetzte deutsche Untertitel. Leider klingen einige Soundeffekte ein wenig unsauber und auf Surround-Klänge müsst ihr verzichten.

Fazit

von David Stöckli
Eigentlich lässt sich ’Killer 7’ gar nicht nach Videospiel-Maßstäben bewerten. Der kultige Titel ist mehr ein modernes Kunstwerk als ein Spiel und entzieht sich in vielen Punkten den Regeln von Videospielen. Der Action-Cocktail aus Gewaltästhetik, Comic, Anime, Verfremdung, Verwirrung, Wahnsinn, Doppelbödigkeit und Schizophrenie besitzt einen sehr holprigen und schwierigen Einstieg, hat man aber einmal einigermaßen die ersten Spielminuten überstanden und sich in die seltsame Welt des Smith-Syndikats eingelebt, lässt einen das coole Attentäter-Abenteuer nicht mehr so schnell los. Die Voraussetzung hierfür ist aber, dass man mit der kunstvollen Inszenierung etwas anzufangen weiß, ansonsten lässt einen der Titel völlig kalt. Rein spielerisch hat ’Killer 7’ im Grunde nur wenig zu bieten: Die eingeschränkte Spielmechanik, die simple Rätselstruktur, die nervigen Ladezeiten und die mühsam-entfremdete Steuerung sorgen nicht gerade für Begeisterung. Somit bleibt ’Killer 7’ absolute Geschmackssache - jeder ambitionierte Videospieler sollte Capcoms Kunstversuch aber zumindest mal gesehen haben.

Überblick

Pro

  • ungewöhnliches Design
  • strategische Figurenwechsel
  • kunstvolle Verfremdungen

Contra

  • eingeschränkte Spielweise
  • frustiger Einstieg
  • nervige Ladepausen

Wertung

  • PS2
    76
    %

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