Preview - Jagged Alliance: Flashback : Hommage an die Rundentaktik?

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Wie die Action-Helden der Achtziger, die es heute in den „Expendables“-Filmen wieder krachen lassen, ist auch die legendäre Rundentaktikreihe Jagged Alliance nicht totzukriegen. Mit denen hat sie einiges gemeinsam: Wie Stallone und seinen Kumpanen kämpfen auch die Söldner in Jagged Alliance in fiktiven Bananenrepubliken erstens für die Freiheit und zweitens für den eigenen Geldbeutel, während sie dabei am laufenden Band coole Filmheldensprüche ablassen.

Mit Jagged Alliance: Flashback versuchen die Entwickler der Full Control Studios (zuvor waren die Dänen für die Brettspielklassikerumsetzung Space Hulk verantwortlich), an die bei den Fans beliebtesten Teile der Reihe anzuknüpfen – vor allem an das immer noch als Höhepunkt der Serie gewertete Jagged Alliance 2 aus dem Jahr 1999. Genau wie damals soll der Kern des Spiels aus rundenbasierten Kämpfen bestehen, in denen die Söldner und ihre Gegner für Aktionen wie Schießen, Sprinten, In-Deckung-Gehen oder Herumwühlen im Inventar Zeiteinheiten verbrauchen.

Außerhalb der Kämpfe schaltet das Spiel in einen Echtzeitmodus um, sodass das Erkunden der Umgebungen keine gefühlten Ewigkeiten dauert. Der pausierbare Echtzeitmodus für die Kämpfe, mit dem das 2012 erschienene und von Coreplay entwickelte Jagged Alliance: Back in Action experimentierte, ist in Flashback auf jeden Fall vom Tisch: Das Spiel fühlt sich damit wieder an wie das Original. Eure Söldner bewegt ihr wie früher auf einem Kästchenraster über die Karte und für größere Reisen sowie die Verwaltung eurer Finanzen schaltet ihr auf eine Übersichtskarte.

Besser gut kopiert als schlecht erfunden

Viele Interface-Elemente, wie die Deckungsanzeige durch voll oder halb ausgefüllte Schilde, ähneln der Darstellung in XCOM: Enemy Unknown. Das Spiel bietet mit den für Jagged Alliance typischen Kampfelementen viele taktische Varianten: Ihr könnt euch hinhocken, kriechen und beim Schießen die gewünschte Zielgenauigkeit einzustellen, die dann auf Kosten des Zeitverbrauchs geht. Zudem lassen sich verschiedene Körperteile der Gegner anvisieren. Optisch ist Flashback ganz klar eine Hommage an die goldene Zeit der Action-Filme – aber nur in den Menüs. Für die Söldner und die Umgebungen, in denen sie kämpfen, hat Full Control eine Art Comic-Look gewählt, der sehr gut zu einem Spiel passt, das sich selbst mit einem Augenzwinkern präsentiert.

Flashback positioniert sich zeitlich vor den Spielen der Jagged-Alliance-Historie und ergründet den Werdegang der Söldnerorganisation AIM. Als eine von der CIA gesponserte Befreiungs- beziehungsweise Destabilisierungskampagne auf der Inselgruppe San Hermanos während des Kalten Krieges scheitert, müssen die angeheuerten Söldner den dort ansässigen fiesen Diktator ohne Unterstützung vom Thron stoßen.

  • Jagged Alliance: Flashback - Screenshots - Bild 1
  • Jagged Alliance: Flashback - Screenshots - Bild 2
  • Jagged Alliance: Flashback - Screenshots - Bild 3

Zur Verfügung stehen viele Söldner, die in späteren Jahren zum festen Inventar von AIM gehören werden – Scully, Len, Lynx oder Hitman, um nur einige Veteranen zu nennen. Ein Jagged-Alliance-Spiel lebt von den Persönlichkeiten und der Vertonung der einzelnen Söldner, die miteinander streiten und frotzeln. In die Vertonung dieser Dialoge wollen die Entwickler einen Großteil ihres Budgets investieren.

Ihr seid dabei

Da Jagged Alliance: Flashback ursprünglich über Kickstarter finanziert werden sollte und respektable 360.000 Dollar einspielte, hatten die Backer von Anfang an die Möglichkeit, sich kreativ in die Entwicklung des Spiels einzubringen. Vor allem viele Sprüche, die die Söldner im Kampf oder zwischendurch von sich geben, stammen von den Fans. Für alle nicht verwerteten Dialoge und Zeilen, die von Fan-Autoren eingeschickt wurden, haben die Entwickler sich eine witzige Lösung einfallen lassen: Es wird irgendwo in San Hermanos ein Irrenhaus geben, dessen Insassen dann diese wirren Sätze vor sich hin brabbeln.

Fazit

Marcus Rätzke - Portraitvon Marcus Rätzke
Rundenbasiertes Expendables

Ein Jagged Alliance, das mich wieder taktisch tüfteln und mit Zeiteinheiten hantieren lässt? Mit einer Unmenge an Söldnern, die für mich wie alte Bekannte sind? Super, sofort her damit! Jetzt steht und fällt das ganze Projekt damit, wie die Haudegen und Veteranen der noch nicht gegründeten AIM-Organisation vertont und geschrieben werden – die Grenze zwischen coolen Action-Helden und peinlichen Ballerfritzen mit dummen Sprüchen und ohne Charaktertiefe ist nämlich sehr schmal. Keine Sorgen dagegen bereitet mir die Spielmechanik – die Rückkehr zum alten System aus Jagged Alliance 2 werte ich als bombensicheres Erfolgsrezept, bei dem wenig schiefgehen kann.

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