Test - Iron Front: Liberation 1944 : Schicksalstage an der Ostfront

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In der Gruppe seid ihr stark

Im Kampfgeschehen könnt ihr euch jedes Fahrzeugs bemächtigen. Ob Opel-Blitz-Laster, PzKw VI Königstiger, der sowjetische JS2-Stalin-Panzer oder Flugzeuge wie die Junkers Ju 87, alle sind steuerbar, was Abwechslung schafft. Das wirkt in Anbetracht des Simulations-Charakters von Iron Front: Liberation 1944 vielleicht etwas widersprüchlich. Welcher Soldat kann schon von sich behaupten, einen Panzer, ein Flugzeug und ein Artilleriegeschütz bedienen zu können? Doch die Freiheit hat den großen Vorteil, dass ihr bestimmen könnt, welche Strategie ihr zur Erreichung der Ziele einsetzt. Allerdings artet das oft auch in fummelige Kleinarbeit aus. Bis ihr nämlich beispielsweise ein Artilleriegeschütz an Ort und Stelle gebracht und aufgebaut habt, vergeht viel Zeit.

Außerdem ist das Steuern von Panzern und Flugzeugen meist derart umständlich, dass ihr oftmals lieber auf sie verzichtet. Auch die Möglichkeit, ganze Gruppen zu befehligen, ist nicht optimal umgesetzt. In manchen Missionen seid ihr nämlich Kommandant eines Trupps von Soldaten oder Panzern. Manchmal ist es aber nicht einmal möglich, euren Soldaten zu befehlen, sich in einen Laster zu setzen. Ab und an gehorcht einer eurer Gefolgsleute nicht oder bleibt irgendwo hängen, was zu ärgerlichen Verzögerungen führt.

Komplettes Arsenal

Zu loben ist die authentische Ausstattung des Shooters. Dass ihr euch im Zweiten Weltkrieg befindet, bekommt ihr an fast jeder Stelle zu spüren. Das seht ihr schon am Beginn der deutschen Kampagne, wenn euch ein Opel-Blitz-Laster aufsammelt, um euch zum Schießübungsplatz zu fahren. Auch die detailverliebte Nachbildung von originalen Kriegsfahrzeugen, wie dem Königstiger, der Katjuscha oder der Stuka, ist zu loben. Für Iron Front: Liberation 1944 wurden insgesamt 35 Fahr- und Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs digital nachgebaut.

Leider verbauen sich die Entwickler weitere Pluspunkte in Sachen Atmosphäre, da fehlende atmosphärische Elemente ein zu eindimensionales Erlebnis schaffen. So hätten etwas weniger steife und rundere Zwischensequenzen dem Spiel gutgetan. Die kurzen Dialoge schaffen es nämlich nicht, dass ihr eine Beziehung zu den flachen und austauschbaren Charakteren aufbauen könnt. Auch die Missionsbesprechungen sind dürftig gestaltet. Hier gibt sich das Spiel erklärungsfaul und lässt euch selbst arbeiten. Viel Text gilt es zu lesen, ehe ihr auf das Schlachtfeld losgelassen werdet. Das kann man einerseits vielleicht realistisch nennen. Für uns war es aber einfach nur umständlich und anstrengend.

Ausrücken!

Iron Front: Liberation 1944 verwendet mit der Real-Virtuality-3-Engine dieselbe Engine, die auch im Militär-Shooter ArmA II benutzt wurde. Besonders detailverliebt ist das Grafikgerüst allerdings nicht. Die Weitsicht ist gut, die Landschaften sind schön gestaltet und wirken dank Unschärfe-Effekt realistisch und schön zugleich. Doch hölzerne Bewegungsanimationen und die versteinerte Mimik der Figuren zeigen den Klassenunterschied zu Referenz-Shootern. Auch die nachladenden Texturen und aufpoppenden Objekte sind unschön. Außerdem wirken eure Kameraden auf dem Schlachtfeld wie geklonte Krieger. Die Mimik der Soldaten ist derart emotionslos, dass ihr Lachen richtig gruselig aussieht.

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