Test - International Athletics : Kein Kandidat für eine Goldmedaille

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Der Sportsommer 2008 fordert neben den offiziellen Videospielprodukten auch einige Trittbrettfahrer heraus. So erscheint neben ’Beijing 2008’ für die großen Konsolen dieser Tage auch ’International Athletics’ zur Olympiade exklusiv für die aktuelle Handheld-Generation. Mit einem Mix aus durchdachter Steuerung und wildem Tastengehämmer will das Spiel eine echte Alternative sein. Ob es das tatsächlich schafft, lest ihr im Review.

Zehnkampf

In insgesamt 14 Disziplinen gilt es für den Handheld-Sportler, Medaillen abzustauben und Bestleistungen zu bringen. Dabei bieten sich neben den zehn klassischen Zehnkampfdisziplinen Laufen über 100, 400 und 1500 Meter sowie 110-Meter-Hürden, Weit-, Hoch- und Stabsprung, Diskus- und Speerwurf sowie Kugelstoßen zusätzlich noch Hammerwerfen, Bogenschießen, Schnellfeuerpistole und Laufende Scheibe. Jede dieser Sportarten kann auch einzeln ausgewählt werden. Zuvor darf aber erst mal das Profil samt Spielfigur erstellt werden, die sich in einem kleinen Editor im Aussehen ziemlich oberflächlich definieren lässt. Da dem Spiel allerdings jegliche Lizenzen fehlen, müsst ihr wohl oder übel darauf zurückgreifen.

Richtige Wettkampfstimmung kommt natürlich erst im Zehnkampf- beziehungsweise Turniermodus auf. Dann geht es nämlich darum, nicht nur in einer Disziplin gut zu sein, sondern möglichst übergreifend der Beste zu sein. In jedem Fall merkt sich 'International Athletics' die Erfolge, und zeigt diese auch im Spiel unter "PB" (Persönliche Bestleistung) an. In einem separaten Menüpunkt lassen diese sich außerdem immer wieder einsehen, da nochmals unterteilt in die drei wählbaren Schwierigkeitsgrade. Der erste richtet sich klar an Anfänger, hier ist das Spiel für jeden machbar. Eine echte Herausforderung bietet sich erst auf den Stufen für Fortgeschrittene und Profis.

Der Kampf ums Podium

Die Steuerung gestaltet sich ziemlich intelligent und logisch aufgebaut. Besonders lobenswert, dass auf diese vor dem Beginn einer jeden Disziplin noch mal eingegangen wird. Doch auch hier gilt wieder der alte Grundsatz: Leicht zu erlernen, schwer zu meistern. Im Grunde genommen braucht ihr nur Steuerkreuz beziehungsweise Analog-Pad zum Zielen sowie Anvisieren, die beliebte X-Taste für die Aktionen selbst sowie bei der Schnellfeuerpistole die Dreiecktaste zum Heben und Senken des Arms. Die beiden Schultertasten der PSP dienen dem Geschwindigkeitsaufbau des Sportlers, was aber besonders bei den anstrengenden Laufwettbewerben zu Krämpfen in den Fingern führen kann. Abwechselnd gilt es hier nämlich, wie verrückt und so schnell wie möglich einzuhämmern, was den Schreiber dieser Zeilen an schon längst vergangene Zeiten der Videospielgeschichte erinnert. Heute gibt es allerdings andere Möglichkeiten, wie die Konkurrenz schon oft bewiesen hat.

Ob euer Sportler letzten Endes einen Spitzenplatz erreicht, liegt ganz an euch. Technisch hat 'International Athletics' allerdings nicht den Hauch einer Chance auf einen begehrten Platz auf dem Treppchen. Dafür sind die Charaktermodelle und wenigen Schauplätze zu eckig, zu klobig und zu detailarm. Trotzdem kommt so etwas wie Olympia-Atmosphäre auf: Die Stadien sind gut gefüllt, die Zuschauerkulisse weiß akustisch zu überzeugen. Ebenso wie die Perspektiven, die man so auch im Fernsehen zu sehen bekommt. Allerdings sind diese nicht immer optimal für die Spielbarkeit, sehen dafür in den Wiederholungen gut aus. Wer übrigens noch ein paar Sportbegeisterte findet, kann sich im Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler austoben.

Fazit

von Christian Schmitz
Ob das wirklich dem olympischen Grundgedanken vor knapp 2000 Jahren entspricht? Die Videospiele zum großen Olympia-Ereignis in diesem Jahr schaffen es einfach nicht über die Mittelmaßhürde. ’International Athletics’ macht da keine Ausnahme. Dabei brüstet sich das Spiel, das realistischste seiner Art auf einem Handheld zu sein. Das mag zwar stimmen, aber warum muss ich mich dann bei den Laufwettbewerben ständig durch ideenloses Tastenhämmern aus der Urzeit der Videospielgeschichte rumärgern, sodass schmerzhafte Fingerkrämpfe bereits vorprogrammiert sind? Beim 100-Meter-Lauf kann man das für die zehn Sekunden noch verkraften, aber alles andere wird zur Qual. Realismus muss auch Spielspaß rüberbringen, was aber nur kurzfristig geschafft wird. Atmosphärisch ist alles in Ordnung, obwohl es eher an eine größere Ausgabe der Bundesjugendspiele erinnert als an Olympia.

Überblick

Pro

  • passable Atmosphäre
  • ordentliche Soundkulisse
  • drei Schwierigkeitsgrade
  • hübsche Wiederholungen
  • intelligente Steuerung, aber …

Contra

  • … anstrengendes Tastenhämmern
  • schwache Grafik
  • zu wenige Disziplinen
  • schwacher Editor
  • manche Disziplinen sehr schwer
  • langweilige Menüs
  • oft ungünstige Perspektiven
  • fehlende Lizenzen

Wertung

  • PSP
    62
    %

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